Schleswig-Holstein Musik Festival : Beifall bis die Ohren schrillen

Das Ensemble „VOCES8“ mit (v.l.) Andrea Halsey (Sopran), Eleonore Cockerham (Sopran), Chris Wardle (Countertenor), Barnaby Smith (Countertenor) Blake Morgan (Tenor), Sam Dressel (Tenor), Robert Clark (Bass) und Jonathan Pacey (Bass) bewies herausragendes Niveau.
Das Ensemble „VOCES8“ mit (v.l.) Andrea Halsey (Sopran), Eleonore Cockerham (Sopran), Chris Wardle (Countertenor), Barnaby Smith (Countertenor) Blake Morgan (Tenor), Sam Dressel (Tenor), Robert Clark (Bass) und Jonathan Pacey (Bass) bewies herausragendes Niveau.

Das englische A-Cappella-Oktett „VOCES8“ brachte den imposanten Kirchenraum von St. Laurentii zum Klingen – die Besucher waren begeistert.

shz.de von
23. Juli 2018, 05:05 Uhr

Das hat das demnächst 300 Jahre alte Gemäuer der St.-Laurentii-Kirche auch noch nicht so oft erlebt: prasselnder Beifall für das englische A-Cappella-Oktett „VOCES8“, Beifall so voller Enthusiasmus, dass die Ohren schrillen. Wohin in diesem sanft beleuchteten Kirchenraum mit den Gefühlen der Begeisterung ob der unglaublich gesanglichen Leistung dieses Ensembles? Soll man auf die Kirchenbänke klettern, auf ihnen trommeln? Das Publikum entschied sich für stehenden Ovationen, zunächst zögerlich, dann aber immer, immer mehr in der ausverkauften Kirche.

Diese machte ihrem Ruf einer exzellenten Akustik bei vollem Haus wieder alle Ehre. Auch deswegen gastiert das Schleswig-Holstein Musik Festival dort. „VOCES8“-Tenor Sam Dressel zeigte sich nach dem Konzert von der famosen Akustik begeistert. Das Ensemble habe mit dem Raumklang experimentiert, Ergebnis nach Sam Dressel: „Excellent!“ Tatsächlich brachte das Ensemble den imposanten Kirchenraum zum Klingen, vor allem bei den stillen und getragenen Tönen, bei denen auch für nicht-religiöse Menschen sozusagen ein Engel durch den Raum schwebt.

Dieser Sphärenklang gelang den Briten besonders eindringlich mit dem einleitenden „Vigilate“ von William Byrd und vor allem bei Rachmaninoffs auf Russisch gesungenem „Ave Maria“. Dabei traf auch zu, was Pastorin Wiebke Bähnk in ihrer Begrüßung mit dem Zitat eines hingerissenen „VOCES8“-Hörers meinte: „Wenn das der Himmel ist, fürchte ich nicht den Tod.“

Das Ensemble begeisterte mit seiner virtuosen Stimmkunst, die die acht Einzelstimmen (zwei Soprane, zwei Countertenöre, zwei Tenöre, zwei Bässe) gleichsam zu einer einzigen Stimme voller Leuchtkraft und Intensität verschmelzen ließ. Frappierend, wie sie komplizierte Akkorde mit scheinbarer Leichtigkeit intonieren, dabei immer in der Dynamik ausbalanciert, so dass ein phänomenaler Einklang entsteht. Auch das Programm hatte mit seinem 500-Jahre-Musikgeschichte-Spektrum von der Renaissance bis zum Jazz einiges zu bieten, vielleicht nach der Pause ein bisschen viel Up-Tempo-Jazz, aber wippende Füße und wehende Haarschöpfe gehören eben zum Swing. Bei dem abschließenden Lied „Sounds of Silence“ (Simon and Garfunkel) zelebrierte das Oktett die Ruhe so intensiv, dass selbst die sommergrippale Dauerhusterei im Auditorium aufhörte.

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