Bei Lohnzahlungen oft benachteiligt

Betrachteten die Arbeitssituation von Frauen: (v.li.) Andreas Suß, Karin Süfke, Bettina Andersen und Heidi Meincke.
Betrachteten die Arbeitssituation von Frauen: (v.li.) Andreas Suß, Karin Süfke, Bettina Andersen und Heidi Meincke.

Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie will Frauen verstärkt für das Thema Tarifverhandlungen gewinnen

shz.de von
06. März 2015, 16:22 Uhr

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hatte zum Internationalen Frauentag einen Brunch im Hotel „Zur Traube“ in Brunsbüttel organisiert. Von der Gewerkschaft begrüßte Bettina Andersen die Anwesenden, darunter den Bezirksleiter Schleswig-Holstein Andreas Suß. Er ist seit zirka vier Wochen im Amt und freute sich über die positive Entwicklung der weiblichen Mitgliederzahlen, die er nicht zuletzt auf die Arbeit von Bettina Andersen und der Vorsitzenden vom Gesamtfrauenstammtisch, Heidi Meincke, zurückführte. „Das Ehrenamt ist mühsamer geworden, aber das Ehrenamt wird immer notwendiger, und diese Notwendigkeit wird von den Betrieben oft vergessen“, so Suß. Was bei Mitgliedern der Feuerwehren mittlerweile fest verankert ist, sieht bei anderen Ehrenamtlern, die sich zum Beispiel in Kindergarten, Schule oder gemeinnützigen Institutionen engagieren, anders aus.

Der erste Frauentag wurde in Deutschland vor 104 Jahren begangen, damals ging es vornehmlich um das Wahlrecht für Frauen, das es seit 100 Jahren in Deutschland gibt – in der Schweiz durften Frauen erstmalig erst 1971 wählen gehen. „Es wurde schon viel erreicht, aber es ist noch viel zu tun“, fasste Bettina Andersen zusammen. „Heute für Morgen Zeichen setzen“, nannte Bürgervorsteherin Karin Süfke das Motto des Weltfrauentages 2015. „Ob das Thema Wahlrecht oder gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung – nichts hat an seiner Aktualität verloren.“ Frauen verdienen heute immer noch sieben Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, so Süfke weiter. Die Gesetzesvorgabe zur Frauenquote wird für alle Frauen Veränderungen ergeben, nicht nur in Führungspositionen, ist die SPD-Politikerin sich sicher. „Frauen sind in der Familie immer noch stark eingebunden und bekleiden den Hauptanteil der Teilzeitbeschäftigten“, berichtete Andreas Suß. „Wenn diese Frauen aber in die Vollzeit zurück wollen, bringt das oft große Probleme mit sich.“ Das liege an dem vertraglichen Zusatz „soweit betrieblich möglich“ und ist das Schlupfloch der Betriebe. „Die Möglichkeit der Rückkehr ist aber im Teilzeitbefristungsgesetz festgelegt und steht Ihnen gesetzlich zu“, sagte er an seine Zuhörerinnen gewand. Wer sein Recht einklage, habe eine große Chance zu gewinnen, „aber wer legt sich gerne mit seinem Chef an“, lieferte Andreas Suß den Grund für die Hinnahme von beruflichen Einschränkungen gleich mit.

In dieser Woche gehen die Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie in die nächste Runde. Die Gewerkschaft fordert unter anderem 4,8 Prozent mehr Lohn und Gehälter (wir berichteten). Bettina Andersen gab dazu einen Fragebogen an die teilnehmenden Frauen aus. „Wir wollen mehr Frauen für das Thema Tarifverhandlungen gewinnen und herausfinden, was Frauen wichtig ist.“ Nach Auswertung der Fragebögen wird es Diskussionsrunden über das Ergebnis geben.  

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen