Geschenk für die CDU : Begegnung mit Ludwig Erhard

Besondere Zeitdokumente überreichte Gudrun Collmann an Mark Helfrich für die CDU.
Besondere Zeitdokumente überreichte Gudrun Collmann an Mark Helfrich für die CDU.

Ihre Sammelleidenschaft brachte Gudrun Collmann 1965 in Kontakt mit dem Bundeskanzler. Die Andenken daran schenkt sie nun der CDU.

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27. Mai 2018, 12:10 Uhr

In ihrer Jugendzeit hatte Gudrun Collmann (75) aus Wilster ein besonderes Hobby: Sie sammelte Zigarrenbauchbinden. Diese Sammelleidenschaft brachte sie sogar in Kontakt mit höchsten politischen Kreisen der Bundesregierung in den 60er Jahren. Highlight war schließlich ein persönliches Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Ludwig Erhard während einer CDU-Wahlkampftour 1965 auf der Fähre in Wewelsfleth. Sie bekam eine Gedenkmedaille, eine von Erhard signierte Autogrammkarte und fürs Album Zigarrenbauchbinden. Diese Präsente gab Gudrun Collmann nicht wieder aus der Hand – bis vor wenigen Tagen. Die 75-Jährige hat sich entschieden, die Zeitdokumente zu verschenken. „In meinem Alter muss man sich mal von was trennen“, sagt sie lächelnd. Ihr Adressat: die Steinburger CDU.

In der Kreisgeschäftsstelle in Itzehoe überreichte sie dem Bundestagsabgeordneten Mark Helfrich ihren historischen Schatz, der künftig in den Räumen in der Feldschmiede 77 auch ausgestellt werden und CDU-Geschichte erzählen soll. Die Autogrammkarte Erhards wird ein Original-Plakat an der Geschäftsstellen-Wand ergänzen. Und das Sammelbuch mit Originalschreiben aus Erhards Büro und Bauchbinden der Zigarren, die das Markenzeichen des Politikers waren, sowie die Medaille sollen gesondert präsentiert werden. Helfrich dankte für das Geschenk und die spannende Geschichte dazu.

Gudrun Collmann hatte Ende der 50er Jahre diese Sammelleidenschaft entwickelt. Die damalige Itzehoerin arbeitete mit einem Kollegen zusammen, der Zigarren rauchte. „Die Bauchbinden der Zigarren waren so hübsche bunte Bänder, und die fand ich schick.“ Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) war ebenfalls Zigarrenraucher. Das brachte die damals 17-Jährige auf die Idee, ihm einen Brief zu schicken. Und tatsächlich: 1959 bekam sie aus dem Büro des Präsidenten Zigarrenbauchbinden, die flugs in ihr Sammelbüchlein wanderten. Das ermutigte sie, auch an den Zigarre rauchenden Ludwig Erhard (CDU) zu schreiben – ebenfalls mit Erfolg. Einem Antwortschreiben aus seinem Büro waren Zigarrenbauchbinden beigefügt. Aber auch achtlos von Zigarrenrauchern auf die Straße geworfene Bauchbinden hob sie auf, wusch sie ab, trocknete sie in Löschpapier und sortierte sie ein.

Und dann kam der Bundestagswahlkampf 1965. Die Wahlkampftour Ludwig Erhards führte auch durch Schleswig-Holstein. In der Zeitung war die Route aufgeführt. In Wewelsfleth sollte Erhard die Fähre über die Stör nehmen. Die war dann auch das Ziel von Gudrun Collmann. „Der Fährmann ließ mich mitfahren.“ Eigentlich, so sagt sie, sei sie nie besonders mutig gewesen. „Aber wenn ich etwas wollte, dann habe ich das auch geschafft.“ Die Staatskarosse hielt auf der Fähre, doch Sicherheitsbeamte schirmten den Politiker ab. Irgendwie habe Erhard aber wohl mitbekommen, dass sie zu ihm wollte. Die junge Frau wurde an den Wagen gelassen. „Vor lauter Aufregung fiel mir der Kugelschreiber runter, direkt ins Auto.“ Das habe wiederum bei den Sicherheitsleuten für Aufruhr gesorgt. Doch dann erhielt sie den harmlosen Stift zurück, Ludwig Erhard unterzeichnete die Karte und schenkte ihr sowohl Bauchbinden als auch die Gedenkmünze. „Und er hat mir die Hand gegeben. Das war damals für mich etwas ganz Besonderes.“

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