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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 10:11 Uhr

Treffen : Begegnung mit der Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Teilnehmer des Neuteicher Stammtisches besuchten auch die gerade im Alten Rathaus wieder eingerichteten Neuteicher Stuben.

Nach der Auflösung des Heimatbundes der Neuteicher in Wilster, fand am Wochenende zum vierten Mal der Neuteicher Stammtisch statt. Man traf sich im Hotel-Restaurant Stücker’s am Markt. Helmut Jacobs hatte die Zusammenkunft als Vorsitzender des Fördervereins für die Patnerschaft zwischen Wilster und dem polnischen Nowy Staw (früher Neuteich)vorbereitet. „Ich habe diese Treffen in der Vergangenheit immer organisiert und Leute eingeladen, von denen ich wusste, dass sie kommen, auch weil sie nicht zu weit entfernt wohnen“, sagte er. Diesmal waren etwa 20 ehemalige Neuteicher nach Wilster gereist – aus Krempe, Neumünster, Kiel, Schenefeld bei Hamburg und Hamburg sowie aus Nordrhein-Westfalen.

„Es sind überraschend viele gekommen, im vergangen Jahr waren es nur um die zehn Leute“, so Jacobs. Viele von ihnen seien auch Mitglieder im Förderverein, von dem sich auch einige Wilsteraner an dem Treffen beteiligten. Auch Bürgermeister Walter Schulz hieß die Gäste in Wilster willkommen.

Für die gebürtigen Neuteicher gab es dabei diesmal einen besonderen Höhepunkt: Seit kurzem sind die Neuteicher Stuben im Alten Rathaus – von Archivar Christian Boldt und dem ehemaligen Stadtarchivar Harald Bürger gestaltet – neu eröffnet worden (wir berichteten). Die meisten der Besucher, denen es noch möglich war, über die Treppen ins zweite Obergeschoss zu gelangen, nutzten die Gelegenheit zu einer Besichtigung und damit auch zu der Begegnung mit der Vergangenheit.

Die Ausstellungsstücke stammen aus dem Fundus des Heimatbundes der Neuteicher, dieser ging bei dessen Auflösung an die Stadt Wilster über, ebenso wie das Vermögen der Organisation zweckgebunden für die Pflege der Neuteicher Stuben. „Es sind ja sehr viele Fotos dort, aber es gibt ja noch mehr – auch ganz alte Alben“, sagte Ingried Jacobs aus Kiel. Sie fand die neu gestalteten Stuben sehr schön, ebenso Edith Kaiser aus Ahlen in Nordrhein-Westfalen.

Edith Kaiser ist mit ihrem Ehemann erst seit ein paar Jahren bei den Treffen dabei. „Es tut uns leid, dass wir nicht früher von diesen Treffen gewusst haben.“ Erst durch Internetrecherche hatte das Ehepaar vom Neuteicher Treffen in Wilster erfahren. Nun fahren sie gerne hier her, die Treffen seien interessant – und stecken voller Erinnerungen. Diesmal auch geweckt durch die vielen Fotos in den Neuteicher Stuben. „Wir mussten damals weg, mein Vater hat mit meiner Mutter geschimpft, dass sie Fotos mitgenommen hat“, erzählt e Edith Kaiser in Gedanken an Flucht und Vertreibung aus Neuteich.

Es hätte doch wichtigere Dinge mitzunehmen gegeben. Schnell mussten Kleidung und Essen gepackt werden – die Kleidung wurde im „Zwiebellook“ getragen. Denn: „Es war Winter und wir wussten nicht wohin“, ergänzte Ingried Jacobs. Beide waren noch Kinder – und beide erlebten auch Bombenangriffe auf Danzig.

„Es ist ein furchtbares Gefühl, wenn man im Keller sitzt und hört, wie das Dach runterkommt“, so Ingried Jacobs. „Als Kind habe ich so viel Angst gehabt und mir immer gewünscht, dass wir Frieden kriegen.“ Darüber und über noch vieles mehr kamen die Teilnehmer des Treffens ins Gespräch.

Begonnen hatte dieses mit einem Bilderabend, an dem Helmut Jacobs insbesondere Fotos von der Reise des Fördervereins nach Nowy Staw im Mai dieses Jahres zeigte. Der Sonnabend wurde dazu genutzt, die Stadt zu erkunden und durch die Geschäfte zu bummeln. Das Alte Rathaus war sowohl an dem Tag als auch noch einmal am Sonntag Ziel einiger Teilnehmer – um sich noch einmal in Ruhe die Neuteicher Stuben anzuschauen. „Es ist wirklich erstaunlich wie Wilster sich einsetzt“, lobte Ingried Jacobs, deren Bruder Klaus Dirschauer der frühere ehrenamtliche Geschäftsführer des Heimatbundes war. Und sie fand: „Wilster hat viel Ähnlichkeit mit Neuteich.“

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erstellt am 23.Sep.2014 | 17:00 Uhr

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