Beamter schmuggelte Nachrichten aus Gefängnis

Justizvollzugsbeamter zu 4800 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er Kassiber transportierte

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22. Mai 2015, 05:00 Uhr

Botschaften aus dem Gefängnis, aber nicht auf dem normalen Postweg: Kassiber sind verboten. Doch mindestens einmal schmuggelte ein Justizvollzugsbeamter die Mitteilung eines Häftlings aus dem Itzehoer Gefängnis. Dafür bekam der 58-Jährige vor dem Amtsgericht 4800 Geldstrafe aufgebrummt: Versuchte Strafvereitelung im Amt, urteilte Strafrichter Nicolaus Rittgerodt.

Seit November 2013 ist der 58-Jährige bei vollen Bezügen vom Dienst freigestellt. Er schwieg zu den Vorwürfen, doch der Richter war überzeugt: Er hatte mindestens einmal einen Brief aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) geschafft für einen 41-jährigen Betrüger. Dieser ist eine schillernde Figur: Im Juli 2012 kam er in Untersuchungshaft, weil er einen gutgläubigen Lebensmittelhändler aus der Krempermarsch hintergangen hatte. 328  000 Euro hatte er insgesamt kassiert, der Kaufmann sollte dafür Pfandflaschen im Millionenwert erhalten. Das Urteil: fünf Jahre Haft. Bis zur Festnahme führte der Betrüger ein Luxusleben, blieb aber umtriebig. Als er sich zum Arzt fahren ließ und einen Fluchtversuch unternahm, stoppte ihn ein Staatsanwalt höchstpersönlich. Zu den üblichen Handfesseln kamen fortan Fußfesseln hinzu – so auch jetzt bei dem Auftritt als Zeuge im Amtsgericht.

Niemals habe er dem Angeklagten einen Brief zugesteckt, sagte der Häftling. Richter Rittgerodt glaubte ihm nicht. 13 Kassiber des 41-Jährigen waren abgefangen worden, in denen der Mann aus Burg Zeugen mit den Hell’s Angels gedroht hatte. Auch ein Handy wurde in der JVA Itzehoe bei ihm sichergestellt. Als „sehr kreativ“ charakterisierte die 34-jährige JVA-Leiterin Verena Serger den Betrüger, der inzwischen nach einer weiteren Verurteilung in Lübeck einsitzt. Adressaten seiner Kassiber bot er fünfstellige Summen für eine Falschaussage. Sie habe ihre Mitarbeiter ermahnt, vorsichtig mit ihm umzugehen, sagte die JVA-Leiterin. Im Übrigen ,,haben wir uns einem Spaß daraus gemacht zu raten, wie viel Geld denn diesmal geboten wird“.

Empfängerin des Briefes, um den es in der Anklage ging, war die Ex-Freundin des Häftlings. Mit der 41-jährigen Itzehoerin hat er eine gemeinsame Tochter. Sie kam als Zeugin mit Rechtsbeistand, denn gegen sie läuft noch ein Verfahren wegen Geldwäsche. Den angeklagten Wärter kenne sie nicht, sie habe alle Kassiber stets zur Polizei gebracht, sagte sie aus.

Die entscheidenden Angaben lieferte ein 37-Jähriger Mann aus Aukrug (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Er belastete den Wärter und erkannte in der 41-Jährigen die Empfängerin des Kassibers wieder. Vor der Polizei hatte er seinerzeit zwar erst etwas anderes ausgesagt, war aber nach Drohung mit Festnahme eingeknickt. Er habe den Brief in Kellinghusen erhalten, den Angeklagten kenne er aus einem Fitnessstudio, sagte der Aukruger aus. Die Wohnung der Frau lag auf seinem Weg zur Arbeit, so habe er seinem Sportsfreund den Gefallen erwiesen: „Er sagte mir nur, dass der Brief von einem Häftling sein soll.“ Das reichte für die Verurteilung.

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