Wilster : Bayern-Komik im hohen Norden

In einer Probenpause: Petra Schröder und Burkhart Lühmann mit Kulturhauschef Anton Brade (r.).
1 von 3
In einer Probenpause: Petra Schröder und Burkhart Lühmann mit Kulturhauschef Anton Brade (r.).

Mit Liesl und Karl bringt das Kulturhaus eine Eigenproduktion auf die Bühne – eine Hommage an ein legendäres Komikerpaar.

shz.de von
13. Januar 2018, 08:10 Uhr

Zwei Norddeutsche, die bayrisch granteln und scherzen ? Und das durchgängig authentisch, ein ganzes Stück lang ? Die anfänglichen Vorbehalte weichen flugs beim Probenbesuch im Kulturhaus. Petra Schröder und Burkhart Lühmann haben die Sprechweise und Haltung von Karl Valentin und Liesl Karlstadt so verinnerlicht, dass man ihnen den Ausflug in Münchner Komikergefilde sofort abnimmt.

Sie lieben beide den Dialekt von Jugendtagen an, haben früher regelmäßig das „königlich bayrische Amtsgericht“ im Fernsehen gesehen und nachgesprochen. Auch Urlaube vertieften die Kenntnisse. Burkhart Lühmann bekennt sich als Fan von Beppo Brem oder Gerhard Polt, der anders als Valentin (1888-1948) und Karlstadt (1882-1960) auch Jüngeren bekannt ist.

Um die alte Garde, ihre hintergründige, archaische Komik und ihre bis heute legendären Sketche wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken, hat Kulturhausleiter Anton Brade mit den beiden Darstellern ein tragikomisches Kammerspiel entwickelt. Dieses greift nicht nur die Auseinandersetzung um die berühmten „Semmelnknödeln“ wieder auf, die früher sogar in norddeutschen Deutschbüchern abgedruckt war. Es beleuchtet auch eine kongeniale Zusammenarbeit – und die damit verbundene Tragik, die bis zur nervlichen Zerrüttung Liesl Karlstadts führt, da sie oft nur als Assistentin wahrgenommen wurde und auch mit ihrer unerfüllten Liebe zum verheirateten Valentin kämpfte.

Die erste Eigenproduktion des Kulturhauses hat am Freitag, 2. Februar, Premiere und wird auch am 3., 9., 10., 23. und 24. Februar gespielt. Die Proben laufen seit Oktober wöchentlich, seit den Weihnachtsferien fast täglich. Die Idee entstand, als Kulturhausleiter Anton Brade beide Darsteller in einem Improtheater-Workshop, den er vor vier Jahren noch über die Volkshochschule Wilster organisiert hatte, auf Bayrisch moderieren hörte. Nun hat er dazu Szenen ausgearbeitet und erprobt sich auch selbst intensiver als Regisseur. Dabei gibt er den Akteuren nur den Rahmen und den roten Faden vor. Der Text entstand über Improvisationen und wird deshalb auch an jedem Abend andere Akzente haben. „Den Spielraum gestalten die beiden selbst, damit sind sie nicht so ans Stichwort gebunden“, erläutert Brade.

Bei den Aufwärmübungen geht es darum, den Kopf auszuschalten, den Körper und das Gefühl in den Vordergrund zu bringen. Auch darum, eigene Rituale zu entwickeln, die man einsetzen kann. In der Anfangsszene betreut Petra Schröder als Verkäuferin Elisabeth Wellano, die erst durch Valentin ihren Künstlernamen erhielt, vor einem Kleiderständer einen fiktiven Kunden, verkauft ihm eine „fesche Fliege“ – und zeigt Karlstadts Talent, auf Menschen einzugehen.

Burkhart Lühmann betritt als nörgelnder Kauz das Szenario, dem erst die richtige Partnerin zum Erfolg im komischen Fach verhilft. Die legendären Münchner stehen seitdem exemplarisch für das bayrische Granteln als eine eigene Humorsparte. Petra Schröder und Burkhart Lühmann durchleben die Rollen, lernen sie nicht auswendig. Die Itzehoerin, die beim Landesamt für Straßenbau beschäftigt ist, und der selbstständige Programmierer aus Wilster haben sich längst auch privat als Paar gefunden und sind im Wilsteraner Kulturverein aktiv. Burhart Lühmann hat bereits lange Spielerfahrung, da er seit 18 Jahren zum Itzehoer Augustoria-Team gehört. Und Petra Schröder erfüllt sich mit der Karlstadt-Rolle nicht nur den Traum vom Dialekt vor Publikum: Sie darf auch auf der Bühne jodeln. Und auch das erfüllt nicht nur norddeutsche Ansprüche und lässt schon bei den Proben die „intensiven und wahrhaften Momente“ aufblitzen, auf die Anton Brade für die Vorstellungen setzt.

Die Geschichte geht unter die Oberfläche. Karlstadt und Valentin waren Seelenverwandte, haben sich auf der Bühne die Bälle zugespielt, konnten aber im Privatleben nicht daran anknüpfen. Die Doppelbödigkeit der Beziehung spiegelt sich auch in den Gesten, Kostümen und in der Mimik der beiden Akteure. Die Wackener Visagistin Janne Buck, die auch für die Hamburger Kammeroper arbeitet, macht aus der 50-jährigen Petra Schröder und dem 57-jährigen Burkhart Lühmann auch äußerlich „Liesl & Karl“ in allen Lebensphasen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen