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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 11:23 Uhr

Arbeitsplätze : Bayer spart in Brunsbüttel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Chemiekonzern legt 100-Millionen-Investition vorerst auf Eis. Auch am Standort Brunsbüttel wird gespart. Bundesweit sind bis zu 180 Arbeitsplätze gefährdet.

Ausgerechnet im 150. Jahr sieht sich der Bayer-Konzern in der Sparte MaterialScience mit einer miesen Marktlage konfrontiert. Ergebnis: Weltweit sind dadurch 700 Arbeitsplätze in den kommenden vier Jahren von der Streichung bedroht, bundesweit 180. Ob auch im Werk Brunsbüttel Stellen entfallen werden, ist offen. Gesichert ist dagegen, dass die für 100 Millionen Euro geplante Umstellung des Standorts auf die Produktion des Schaumstoffvorprodukts MDI verschoben wird. Unverändert dagegen wird die Verlagerung der TDI-Produktion für weiche Schaumstoffe nach Dormagen bis Ende 2014 verfolgt.

Mit der Umstellung auf 420.000 Tonnen MDI jährlich soll das vor 40 Jahren in Betrieb genommene Brunsbütteler Bayer-Werk im globalen Wettbewerb gestärkt werden. MDI, derzeit in einer Größe von 200.000 Tonnen pro Jahr hergestellt, liefert die Grundlage für harte Schaumstoffe, wie sie in Dämmungen von Häusern oder auch Kühlschränken verwendet werden. Angesichts steigender Energiepreise ein Zukunftsmarkt.

Das sieht offenbar nicht nur der Leverkusener Chemiekonzern so. Michael Schlösser, Sprecher von Bayer-MaterielScience (BMS), verweist auf weltweite Überkapazitäten bei MDI. Neue Produzenten drängten auf den Markt. Zugleich habe BMS mit hohen Energiekosten und stark verteuerten Rohstoffen zu kämpfen. Angesichts der Überproduktion ließe sich dies nicht auf die Produkte umschlagen. Zudem schwächelten die Auto- und Elektroindustrie ebenso wie die Bauwirtschaft. Deshalb, so Schlösser, werde die geplante Investition in Brunsbüttel erstmal verschoben: „Mit dem Bau beginnen wir nach Marktlage.“

Die ursprüngliche Planung sah vor, Ende 2015, Anfang 2016 die neue Anlage in Betrieb zu nehmen. Unverändert, so Schlösser, werde das laufende Genehmigungsverfahren verfolgt. Mit der zum Jahresende erwarteten Erlaubnis zum Bau der Anlagen in der Tasche könne dann jederzeit gebaut werden.

Vor allem: Mit der Verlagerung eines Produktionsteils und dem Aussetzen bei der im Gegenzug geplanten Produktionserweiterung seien nicht automatisch Arbeitsplätze gefährdet. „Es gibt intelligente Zwischenlösungen.“ Etwa die vorhanden TDI-Anlagen weiter zu nutzen.

Auch der Brunsbütteler Werkssprecher Günter Jacobsen möchte Stellenstreichungen nicht das Wort reden: „Eine seriöse Aussage kann man jetzt nicht treffen.“ Fest stehe nur: „Im Moment jedenfalls ist es für eine Erweiterung nicht der richtige Zeitpunkt.“ Die 550 BMS-Beschäftigten im Brunsbütteler ChemCoastPark seien über die Pläne der Konzernleitung informiert worden. Das sorge zwar für Unruhe, aber: „Wir sehen keinen Bedarf für aktive Maßnahmen.“ Im Frühjahr müsse es eine Neubewertung der Situation geben.

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erstellt am 20.Sep.2013 | 05:00 Uhr

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