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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 20:34 Uhr

Milchkrise : Bauern schlagen Alarm

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Landwirte aus der Wilstermarsch drängen weiter auf eine Lösung ihrer wirtschaftlichen Probleme. Erste Gesprächsrunden mit Mark Helfrich und Robert Habeck.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 17:15 Uhr

Den Milchbauern steht das Wasser bis zum Hals – jetzt ziehen sie auch alle politischen Register. Bei einem Ortstermin auf dem Hof von Henning Rehder in Averfleth fordern sie in einer Runde mit dem Bundestagsabgeordneten Mark Helfrich (CDU) ein Gespräch mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Tags darauf traf sich eine Abordnung von Landwirten aus der Wilstermarsch mit dem Kieler Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

„Wenn sich nicht bald etwas ändert, geht der ländliche Raum kaputt“, machte Heiko Strüven die Ausgangslage deutlich. Wie schon in den vergangenen Monaten übten die Milchbauern aus der Wilstermarsch auch bei dem Treffen mit Mark Helfrich den Schulterschluss. Einträchtig saßen Mitglieder des Bauernverbandes und des Bundes Deutscher Milcherzeuger an einem Tisch. Sie alle eint das Problem, dass sie seit Monaten bei jedem Liter Milch, der ihre Ställe verlässt, draufzahlen. Mit dramatischen Auswirkungen: Heiko Strüven verwies auf eine Aussage aus dem landwirtschaftlichen Buchführungsverband, nach dem allein in diesem Jahr 15 Prozent aller Betriebe aus finanziellen Gründen aufgeben müssten.

„Es brennt“, pflichtete der Brokdorfer Jörg Schmidt bei. Er ließ keinen Zweifel daran, dass es um die Existenz vieler Familienbetriebe gehe. Betroffen, so Heiko Strüven, sei aber auch das nachgelagerte Gewerbe – vom Lohnunternehmer bis zum Tierarzt. „Wir Bauern geben schließlich unser Geld auch wieder hier vor Ort aus“, machte er auf die Bedeutung lokaler Wertschöpfung aufmerksam.

„Wir können nicht damit leben, den Markt einfach laufen zu lassen“, stellte sich Nico Hellerich als Wilstermarsch-Vertreter des Bauernverbandes ausdrücklich gegen die Haltung seiner eigenen Verbandsoberen. Die Basis, so sagte er weiter, sei bereit, auch andere Wege zu gehen. Im Kern müsste nur die produzierte Milchmenge reduziert werden – und das möglichst europaweit. Die erforderlichen Instrumente dafür lägen auf dem Tisch. „Jeden Tag Geld auf den Milchtank zu legen, hält keiner auf Dauer durch“, betonte Hellerich den dringenden Handlungsbedarf. Auch, weil es ja eine Verantwortung gegenüber den eigenen Familien gebe.

Gleichzeitig machten die Landwirte deutlich, dass sie die Ursache für ihre Misere nicht dem sparsamen Verbraucher oder dem Russland-Embargo zu schieben wollen. „Da müssen wir uns schon an die eigene Nase fassen“, ist Heiko Strüven davon überzeugt, dass nur eine gemeinsame Linie aller Landwirte Abhilfe schaffen kann.

„Großstrukturen will eigentlich niemand“, reagierte Mark Helfrich auf die drohende Aussicht von immer weniger Familienbetrieben, die dann durch landwirtschaftliche Großunternehmen ersetzt würden. Ein Ansatz wäre: Jeder Bauern hat zwei oder drei Kühe weniger im Stall. „Die Frage ist nur: Wir organisiert man das  ?“ Konkret helfen konnte Helfrich den Bauern allerdings auch nicht. Der Abgeordnete hörte sich die Sorgen und Nöte aufmerksam an und will sich nun für einen kurzfristigen Gesprächstermin zwischen den Wilstermarsch-Landwirten und dem Bundeslandwirtschaftsminister einsetzen. „Dafür würden wir auch nach Berlin fahren“, hieß es aus der Runde.

Zunächst fuhr eine Abordnung der Milchbauern jetzt aber nach Kiel, wo sie neben Minister Habeck auch die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Kirsten Eickhoff-Weber, trafen. „Kurzfristig sollen noch weitere Gespräche folgen, auch mit Vertretern der Molkereien“, sagte Heiko Strüven im Anschluss. Das Problem ist nach seiner Einschätzung in jedem Fall bei dem Minister angekommen. „Er fand es auch gut, dass er einmal mit Menschen von der Basis sprechen konnte.“ Strüven und seine Mitstreiter seien jedenfalls mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch gekommen. „Wir gehen davon aus, dass da jetzt etwas Positives nachkommt.“

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