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Landwirtschaft : Bauern bleibt nur das Prinzip Hoffnung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Breitenburger Milchzentrale schließt Geschäftsjahr mit 1,5 Millionen Euro Fehlbetrag ab. Käseproduktion soll bis 2020 verdoppelt werden.

„Der Gewinnvortrag von 2013 ist dahingeschmolzen – früher als gedacht. Aber es war gut, dass wir ihn hatten.“ So kommentierte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Breitenburger Milchzentrale, Raimer Holst, den Jahresabschluss für 2014. Tatsächlich konnte mit einem Polster von gut 1,5 Millionen Euro verhindert werden, dass die Meierei in die roten Zahlen rutschte. Am Ende blieb ein Bilanzgewinn von knapp 12  000 Euro. Zum Vergleich: Im Jahr davor gab es noch einen Überschuss von drei Millionen Euro. Dass die Milchzentrale dennoch gut gewirtschaftet hat, daran gab es keine Zweifel. Die 107 anwesenden Mitglieder im Colosseum in Wilster segneten den Geschäftsbericht ohne jeden kritischen Einwand ab. Einstimmig wurden auch Aufsichtsrat und Vorstand Entlastung erteilt.

Dass die Zahlen der Milchzentrale nicht so gut wie noch 2013 aussehen, ist einem immer schwierigen Markt geschuldet. Das schlägt sich auch in den Auszahlungen an die Landwirte nieder. 2012 lag das durchschnittliche Milchgeld bei 32,42 Cent pro Kilogramm, 2013 waren es 38,75 Cent und im Vorjahr nach einem Anstieg auf zeitweise über 40 Cent im Schnitt 35,42 Cent. Aktuell werden nur noch 28 bis 29 Cent pro Kilogramm Frischmilch überwiesen. Vorstandschef Klaus Rusch begründete die Entwicklung unter anderem mit einem völligen Wegfall des russischen Marktes. „Wo es jetzt wirklich hingeht, weiß keiner. Für uns ist das traurig“, konnte der Sprecher den Bauern wenig Hoffnung machen. Im Gegenteil: „Wir hoffen, dass die Milchpreise nicht noch weiter absacken.“ In seinen Ausführungen wurde deutlich, dass die Meierei und damit auch die Landwirte in einem großen Maße Marktspekulationen ausgesetzt sind. „Wir zahlen aus, was wir reinkriegen.“ Immerhin: Der Wegfall der Milchquote zum 1. April sei bislang kaum spürbar gewesen. Für den Fall, dass die Preise wieder anziehen, dürfte allerdings mit verstärkter Anlieferung zu rechnen sein. Da die Landwirte keine Superabgabe mehr fürchten müssen – sie fiel bislang dann an, wenn die zuerkannte Quote überschritten wurde – können sie anders auf veränderte Märkte reagieren. „Wir Bauern machen das ja auch nicht anders: Wenn wir wissen, Dünger wird morgen billiger, dann warten wir doch auch ab.“

Wie in jedem Jahr war der Geschäftsbericht vom Genossenschaftsverband wieder auf Herz und Nieren geprüft worden. Ergebnis: Die Meierei habe sich insgesamt gut entwickelt, neue Mitglieder rekrutiert und sei „von Grund auf gut aufgestellt“. Fazit des Prüfers: Hier herrschten geordnete Verhältnisse.

Entsprechend hatten die Mitglieder auch an der Arbeit der Gremien nichts auszusetzen. Einstimmig in ihren Ämtern bestätigt wurden der Hohenlockstedter Eckard Hedt (Vorstand) sowie Timm Glöyer (Rethwisch), Jens Eggers (Oldendorf) und Dirk Sievers (Tellingstedt) als Mitglieder im Aufsichtsrat.

Einen Ausblick in die Zukunft wagte dann Geschäftsführer Matthias Bock: „Mai und Juni werden schwierig, was dann kommt, bleibt abzuwarten“, machte aber auch er den Landwirten wenig Hoffnung auf Besserung. An einem plakativen Beispiel machte er den Einbruch der Preise deutlich. Früher gab es für einen Tanklaster voller Sahne 50  000 Euro, aktuell sind es 35  000. Bock befürchtet einen weiteren Rückgang auf sogar nur noch 30  000 Euro. Pro Woche gehen bei der BMZ zehn Sahne-Lastzüge raus. Gravierend auch der Preisverfall beim Käse, dem wichtigsten Standbein der Breitenburger. Immerhin: Das Geschäft mit Molke ist noch einigermaßen stabil.

Probleme, den Käse auf den Markt zu bekommen, hat die Breitenburger hingegen nicht. Die Produktion läuft rund um die Uhr, die Anlagen sind voll ausgelastet. Bis zum Ende des Jahrzehnts will die Meierei ihre Kapazitäten bei der Käse-Herstellung von jetzt 12  000 Tonnen auf dann 25000 Tonnen pro Jahr verdoppeln. In einer ersten Stufe hat die Breitenburger bereits rund 2,5 Millionen Euro dafür investiert. In diesem Jahr will das Unternehmen Geld in die Kältetechnik stecken. Damit soll sichergestellt werden, dass die Produkte auch auf Reisen in entferntere Märkte geschickt werden können. Abschließend brach Bock eine Lanze für den oft kritisierten Discounter Aldi: „Das ist ein stabiler und guter Abnehmer. Da braucht man sich um Zahlungen keine Sorgen machen.“ Raimer Holst schloss die Veranstaltung mit der Hoffnung: „Ich kann uns nur wünschen, dass es bald wieder bergauf geht.“

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erstellt am 26.Apr.2015 | 12:30 Uhr

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