zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 20:01 Uhr

hilfsprojekt : Bauen unter der Sonne Tansanias

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wasserversorgung für Schule installiert: Schüler und Lehrer des Regionalen Berufsbildungszentrums in Itzehoe helfen erfolgreich.

von
erstellt am 22.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Einige sind schön braun geworden. Andere blieben eher blass – obwohl sie knapp zwei Wochen in Afrika waren. Sie mussten eben drinnen arbeiten im Kiumaco Educational Center im Dorf Mrimbo in Tansania. Eine 19-köpfige Gruppe, zwölf davon Schüler, des Vereins „Tansania – Zukunft durch Sonne“ vom Regionalen Berufsbildungszentrum (rbz) hat ihren Einsatz erfolgreich abgeschlossen.

Schon im Frühjahr 2013 hatten Helfer aus Itzehoe an der Schule eine Solaranlage für die Stromversorgung installiert. Jetzt ging es um Wasser: Die Küche und die sanitären Einrichtungen in einem neuen Gebäude, das ein Internat aufnimmt, sollten versorgt werden. Geplant war eine Zisterne zum Sammeln von Regenwasser und eine Vorrichtung zur Wasseraufbereitung, finanziert durch Sponsoren und Spendensammlungen des Vereins.

Die erste Überraschung wartete bei der Ankunft an der Schule. Betonarbeiten mussten schon vor der Ankunft der Itzehoer erledigt werden, um das Projekt schaffen zu können. Aber die Zisterne war zu klein und falsch gebaut worden. Die Baufachleute im Team entwickelten verschiedene Szenarien. Am Ende war es „doppelt so viel Arbeit wie geplant“, sagt Manfred Sallach (47), Vorsitzender des Vereins. Für die gefundene Lösung wurde eine Tauchpumpe gebraucht: „Wie sich später herausstellen sollte, ist es fast unmöglich, in Tansania Tauchpumpen zu erwerben.“ Eine Behelfspumpe wurde installiert – die richtige Pumpe soll im April der nächste Besuch aus Deutschland mitbringen.

„Es gab viele afrikanische Lösungen“, sagt rbz-Leiter Klaus-Peter Teske (60). „Es hat sich gezeigt, dass die Jugendlichen wunderbar in der Lage sind zu improvisieren.“ Zum Beispiel wurde eine fehlende Leiter selbst geschweißt. Die Schutzbrille der Schweißer in Tansania sei die Sonnenbrille, erzählt Sallach. Und es gehe auch einhändig – schließlich müsse das allgegenwärtige Handy am Ohr bleiben. Beton wurde so gemischt: Grundstoffe auf dem Haufen, ein Loch im Boden, Wasser, Zement und Sand hinein, Rühren mit der Schaufel.

Schon der Weg zur Schule von der Unterkunft in einer Lodge einen Anstieg durch eine Bananenplantage hinauf war mühsam. Früh ging es los, um der Hitze auszuweichen. Dann kam sie mit deutlich über 30 Grad, doch die Arbeit ging weiter. Viele hätten völlig Ungewohntes erledigt, sagt Bautechnik-Lehrer Robert Bartsch (36). „Am beeindruckendsten waren unsere beiden Maurerinnen“, ergänzt er mit Blick auf Ronja Haack (17), Schülerin des Beruflichen Gymnasiums im Bereich Ernährung, und Carola Zantow (34). Stundenlang hätten die Einheimischen zugesehen: „Die waren schon beeindruckt, dass Weiße so viel arbeiten – und dann auch noch Frauen.“ Der Dorf-Bürgermeister habe gleich mitgemacht, ungeachtet seines feinen blauen Hemdes, sagt Hartmut Thalmann (57), 2. Vorsitzender des Vereins. Viel Erdreich wurde bewegt und damit das Schulgelände ausgeglichen – mit Eimern. Bartsch: „Das war mit so vielen Leuten ja ein Klacks.“

Hilfe der Einheimischen gab es auch beim Ausräumen des Materialcontainers: Die Pastoren hatten im Gottesdienst dazu aufgerufen, nachdem der Container endlich aus dem Zoll losgeeist worden war. Besondere Aufgaben waren zudem das Besorgen von Steinen, der Einkauf fehlenden Materials in der nächstgelegenen Stadt Moshi und die Suche nach dem geeigneten Kies für den Filter: Er wurde schließlich aus einem trockenen Flussbett geschaufelt. Nach der ersten Regenzeit sei der Kies so gereinigt, dass das mit ihm gefilterte Wasser trinkbar sei, erläutert Sallach. Ein Testlauf ging noch schief, doch dann funktionierte die Anlage.

Aber es war nicht das einzige Projekt. Eine Gruppe kümmerte sich um die Photovoltaik, andere malten oder richteten Computerräume ein. Mit den Kindern beschäftigten sich zeitweise Merle Autzen (18) und Merle Schnepel (19) aus dem Beruflichen Gymnasium im Zweig Gesundheit und Soziales. An einem Tag hätten sie für 400 Schüler gekocht, schildert Merle Autzen. Und: Alle hätten aufgegessen, abgewaschen und ihren Teller weg gestellt. Im Kindergarten hätten sie das Montessori-Prinzip wiedergefunden, schildert Merle Schnepel. Jeder habe sich seine Aufgaben gesucht, erklärt Wolfgang Jakobeit (62), Lehrer für Elektrotechnik und Gemeinschaftskunde. Zum dritten Mal war er in Afrika – „ich habe noch nie eine so tolle Harmonie in der Gruppe gesehen“.

Diese erlebte viel einheimische Kultur, verbrachte ein Wochenende mit Afrikanern an der Grenze zu Kenia und unternahm zum Schluss eine Fotosafari. Eine Lehre für Peter von Osten (18) aus dem Zweig für kaufmännische Assistenten: Fahre er nochmal hin, werde er eine Taschenlampe mitnehmen, denn abends falle mindestens zweimal der Strom aus.

Man lerne, Alltägliches mehr zu schätzen, sagt Merle Autzen – zum Beispiel Duschen, aus denen wirklich Wasser fließt. Das „entschleunigte“ Dasein beeindruckte Sebastian Streich (19) aus dem Technischen Gymnasium: „Pole, pole“ (Suaheli für langsam) statt „Haraka, haraka“. Gern hätte Sallach das in den deutschen Alltag gerettet, aber die Erfahrung bleibe den Jugendlichen in jedem Fall. Und noch mehr, sagt Jakobeit mit Blick auf das Zertifikat für die Teilnahme: „Das kommt ganz gut an bei den Firmen.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen