Bauchtanz aus der Wundertüte

Trainiert seit drei Jahren Bauchtanz und hat nun ihren ersten Auftritt in Wilster: die Bauchtanzgruppe von Marianne Richter.
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Trainiert seit drei Jahren Bauchtanz und hat nun ihren ersten Auftritt in Wilster: die Bauchtanzgruppe von Marianne Richter.

Tanzgruppe des SV Münsterdorf wagt beim Kulturprojekt 25 Wochen den ersten großen Auftritt

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09. Juli 2015, 09:46 Uhr

Die Blicke der Damen im Spiegelsaal der Sporthalle in Münsterdorf sind alle nach vorne gerichtet. Die Bauchtanzgruppe im SV Münsterdorf probt für ihren bevorstehenden Auftritt – den ersten seit ihrem dreijährigen Bestehen. Und da sind alle hoch konzentriert.

Leiterin Marianne Richter (70), die im Verein auch „Aerobic für Oldies“ anbietet (ebenfalls mittwochs, 16.30 bis 17.30 Uhr mit 15 Teilnehmern), hat schon einmal vor zehn Jahren eine Bauchtanzgruppe im Verein mit vielen Mädchen gegründet. „Sie sind aber nach der Schulausbildung alle zum Studieren in der Welt verstreut.“ Das freute sie natürlich einerseits für die Mädchen, machte sie andererseits aber traurig, „denn ich dachte schon, die Gruppe löst sich damit auf“.

Aber nun sind viele neue Frauen auch in gemischterem Alter dazu gekommen, die am Bauchtanz Spaß haben – und es geht jeden Mittwoch von 18.30 bis 20 Uhr weiter. Aus drei wurden mittlerweile 15 Teilnehmerinnen. Obwohl sie wieder bei Null anfangen musste, sagt Marianne Richter: „Ich habe nicht ans Aufgeben gedacht. Ich mache das weiter, solange sie es haben wollen.“

Im Spiegelsaal treffen sich die 15 Damen im Alter von 27 bis 76 Jahren nun regelmäßig und trainieren. „Diese Tanzart ist sehr gesund, auch bei Rückenbeschwerden und während der Schwangerschaft“, hebt Marianne Richter die Vorteile hervor. Die Choreografien hat sie selbst entwickelt und aufgeschrieben, gemeinsam entwickeln sie sie weiter.

Die Damen, denen man den bewusst erlernten Umgang mit ihrem Körper anmerkt, wenn sie ihre Bauchmuskeln straffen und strecken und dann wieder entspannen, haben dabei Zimbeln, eine Art Mini-Becken, in der nach oben gereckten Hand, die sie je nach dem Rhythmus ähnlich Kastagnetten aufeinander schlagen.

Sie tanzen mit Schleier und ohne in Kostümen, die sie selbst gekauft und für sich geändert haben. Bei den allermeisten ist der Bauch frei gehalten oder sie haben einen Body oder ein Top an, die meisten tragen Röcke.

Damit üben sie zu orientalischer Musik verschiedene Bestandteile des Tanzes ein wie Bauchwelle, Hüftkicks oder Dropkicks mit den Füßen. Die Hände werden zur Blüte geöffnet und sie imitieren mit ihren Armen die Bewegung von Schlangen. Auch den Schleierwurf um die Schulter oder um den Körper oder den Hals üben sie hier. Immer mit Blick in den Spiegel. Dabei fließen viele eigene Ideen mit in die Darbietung ein.

Eine ihrer vom Bauchtanz begeisterten Schülerinnen ist Lisa Kieselbach aus Süderau (27), von Beruf Bildungsbegleiterin, die den Bauchtanz als gelungenen Ausgleich zu ihrer Arbeit betreibt. Dazu gekommen ist sie durch ihre Mutter, deren Hobby schon länger Bauchtanz ist. „Ich fand das schon immer toll, denn es ist etwas Besonderes“, sagt sie. „Ich habe einen Auftritt gesehen und mich schon geärgert, dass ich das nicht selbst ausprobiert habe.“ Seit vergangenem Jahr im September ist sie nun dabei. „Es hat gleich viel Spaß gebracht, und ich musste gleich voll mitmachen“, erzählt sie über den Beginn. Am Anfang sei es ein bisschen schwierig gewesen, aber dann gehe es recht schnell. „Mich faszinieren die Kostüme und sich schön anzukleiden, macht Spaß.“

Nun gibt es eine Premiere, denn die Gruppe hat zum ersten Mal seit drei Jahren einen Auftritt, was entsprechend für Aufregung sorgt. Aus Anlass des Kulturprojekts „25 Wochen Tanz und Theater in der Wilstermarsch“ treten die Bauchtänzerinnen am Donnerstag, 16. Juli, ab 20 Uhr bei „Lydias Wundertüte“ von Musikerin Lydia Denull in der alten Schule in Wilster (Etatsrätin-Michaelsen-Straße) auf.

Da die Bühne dort recht klein ist, tanzen sie einfach davor. Sieben Tänzerinnen aus Marianne Richters Ensemble führen in etwa 20 Minuten vier Tänze auf. Neben dem Eröffnungstanz gibt es einen „Zimbeltanz“, einen „Istanbul Groove“, den „Tabla Solo“ und „American Spices“ zu bewundern.

Lampenfieber vor dem Auftritt hat Lisa Kieselbach nicht. „Ich übe zu Hause.“ Und überlegt schon: „Ich könnte auch bei Familienfeiern auftreten.“

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