Zukunftstechnologie Flüssigerdgas : Bau von LNG-Terminal in Brunsbüttel rückt näher

Industriehafen in Brunsbüttel.

Industriehafen in Brunsbüttel.

Ein Joint-Venture fokussiert sich bei den Plänen auf Brunsbüttel. Es geht um Investitionen von rund 400 Millionen Euro.

shz.de von
17. Januar 2018, 00:00 Uhr

Brunsbüttel/Hamburg | Bedeutender Fortschritt bei der Planung eines Terminals für Flüssigerdgas (LNG) in Brunsbüttel: Der holländische Gasunie LNG Holding ist derzeit dabei, gemeinsam mit dem Hamburger Mineralöl-Logistiker Oiltanking sowie der auf Tank-Betrieb spezialisierten holländischen Vopak LNG Holding, ein Joint-Venture zu gründen. Ziel der German LNG Terminal GmbH sei der Betrieb eines LNG-Terminals in Norddeutschland, teilte Gasunie am Mittwoch mit.

Auch andere Standorte an der Nordseeküste bemühen sich um ein LNG-Importterminal, zum Beispiel Wilhelmshaven. Brunsbüttel gilt vor allem wegen seiner Nähe zum Hamburger Hafen, der ortsansässigen Industrie und der Lage am Nord-Ostsee-Kanal mit Exportmöglichkeit in die skandinavischen und baltischen Länder als attraktiver Standort für ein LNG-Terminal.

Der Standort, auf den sich die Unternehmen dabei derzeit fokussieren, ist Brunsbüttel mit seinem Industriehafen. Frank Schnabel, Geschäftsführer von Brunsbüttel Ports, sprach von einem „bedeutenden Schritt“. LNG gilt als Zukunftstechnologie und umweltfreundliche Alternative zur Öl-Versorgung.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) nannte die am Mittwoch vollzogene offizielle Gründung eines Joint Ventures der drei potenziellen Investoren einen weiteren Meilenstein für die wichtigste Industrieansiedlung in Schleswig-Holstein in Jahrzehnten. „Mit der gleichzeitig startenden Vorvermarktung des Terminals unterstreichen die Unternehmen eindrucksvoll die Ernsthaftigkeit ihrer Investitionsabsichten.“ Schleswig-Holstein werde die Investoren auch weiterhin kraftvoll auf dem weiteren Weg hin zur endgültigen Investitionsentscheidung unterstützen, sagte Buchholz. LNG könne ein Schlüsselenergieträger für die weiteren Schritte bei der Energiewende werden, besonders durch die Verwendung als Kraftstoff für Schiffe und Lastwagen und damit als Ersatz für Schweröl und Diesel. Gleichzeitig diversifiziere der Industriestandort Deutschland damit seine Gasbezugsquellen und reduziere damit die Abhängigkeit von russischem Pipelinegas, sagte der Minister. „Insofern hat der Bau eines LNG-Terminals strategische Bedeutung für ganz Deutschland.“ Die Westküste Schleswig-Holsteins werde mit dem LNG-Terminal in ihrer Bedeutung als „Hotspot“ der zukunftsfähigen Energiewirtschaft enorm gestärkt.

Das Importterminal mit einer Kapazität von 220.000 Kubikmetern soll LNG von Tankern aufnehmen, zum Beispiel aus Katar. Das flüssige, 160 Grad kalte Erdgas werde dann entweder wieder in den gasförmigen Zustand umgewandelt und in das allgemeine Gasnetz eingespeist, direkt als Treibstoff an Schiffe und schwere Lkw vermarktet oder mit Binnenschiffen, Kesselwagen und Tanklastern weitertransportiert und verteilt. Das Joint-Venture will nicht selbst mit LNG handeln, sondern Lagerraum und Dienstleistungen für den Umschlag bereitstellen. Der Kundenkreis wären große Gasunternehmen und Händler.

(mit Material der dpa)

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