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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 08:30 Uhr

Lägerdorf : Barrierefrei in den eigenen Wänden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Privatinitiative baut Gebäude in der Norderstraße / Im April 2016 soll Einweihung gefeiert werden

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 12:46 Uhr

Was bedeutet barrierefreies Bauen und Wohnen? Wer hilft bei der Planung? Wo gibt es welche Zuschüsse oder Förderdarlehen? Die Architektin Ina Gronewold referierte vor interessierten Zuhörern über die vielschichtige Thematik. Eingeladen hatte zu der Veranstaltung die Gruppe Lebendige Inklusion mit Günter Seligmann, Deutsche Multiple Sklerose-Gesellschaft, und Marita Brunswik, Soziale Dienste. „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“, wies Ina Gronewold, Fachplanerin für barrierefreies Planen und Bauen, auf Artikel 3 des Grundgesetzes hin und bedauerte: „Es ist verankert, nur es wird nicht gelebt.“
Barrierefreies Bauen berücksichtige die Bedürfnisse von Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen. Eine ungehinderte Nutzung des Wohnraums, seiner Umgebung und aller öffentlichen Räume müsse das Ziel aller Baumaßnahmen sein. Seit 2009 schreibe die Landesbauordnung Schleswig-Holstein vor, dass in Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein müssen. Barrierefreiheit bei Neubauten sei ohnehin nicht oder kaum teurer und komme auf jeden Fall günstiger als der spätere Umbau, so die Bauexpertin. Wer Zuschüsse oder andere Förderung – zum Beispiel bei der Pflegekasse, dem Sozialamt, dem Versorgungsamt oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau - beantragen wolle, müsse die Anträge unbedingt vor dem Beginn der baulichen Maßnahmen stellen.

Als Beispiel stellte sie ein zurzeit in der Lägerdorfer Norderstraße entstehendes komplett barrierefreies Gebäude mit 16 Wohnungen vor. Lägerdorfs Bürgermeister Heiner Sülau, der sein Wohnhaus mit Garten aus Altersgründen aufgeben und in eine der Wohnungen ziehen möchte, berichtete über den Werdegang von dem Wunsch mehrerer Mitbürger bis zur Realisierung. Er hatte sich mit anderen Interessenten zu einer Privatinitiative zusammengeschlossen und in Lägerdorf nach einem passenden Grundstück gesucht. Die Kirchengemeinde bot ihr Gelände in der Norderstraße an, auf dem ohnehin das von Schimmel befallene ehemalige Jugendhaus abgerissen werden musste, sagte Heiner Sülau. Mit Hendrik Beckmann, Geschäftsführer der Beckmann Estate Projekt- und Entwicklungs GmbH, wurde ein Investor gefunden. Nun entstehen in der Norderstraße fünf verschiedene Wohnungstypen von 65 bis 90 Quadratmetern.

Aufzug, Notrufeinrichtungen, stufenlose Gartenanlage, Balkone, Terrassen oder Dachterrassen, Platz sparende Schiebetüren, bodengleiche Duschen, Fußbodenheizung – hier wurde umgesetzt, was die künftigen Bewohner sich wünschen. Die Unterhaltung und Pflege ihrer bisherigen Domizile werde ihnen mit zunehmendem Alter zu beschwerlich, so Beckmann. Gleichzeitig wollten sie aber im Ort bleiben. Lägerdorf biete ihnen über die sozialen Bindungen hinaus auch eine gute Infrastruktur, erklärte Heiner Sülau: „Hier gibt es Pflegedienst, Busanbindung, Ärzte, Schule, Freibad, Sportmöglichkeiten, Apotheke und Supermarkt.“

„Wir sind in der Spur“, sagte Hendrik Beckmann über den Baufortschritt. Demnächst ist Richtfest. Der Investor kündigt die Fertigstellung für April 2016 an. Dann will die Gruppe Lebendige Inklusion sich die Wohnanlage ansehen, um die Umsetzung des Theorie in die Praxis vor Ort zu begutachten.

Auf die Frage, ob das Lägerdorfer Beispiel auch in anderen Kommunen Schule machen könnte, erklärte Heiner Sülau, dass man sich bei ihm gern über das Projekt informieren könne.


>Info: Die nächste Veranstaltung der Gruppe Lebendige Inklusion folgt am 8. Oktober um 16 Uhr im Kreis-Gesundheitsamt, Viktoriastraße 17a in Itzehoe, mit Informationen über den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, MdK Nord. Kontakt 04821-4091402 oder 04826-3765006.


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