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Beauftragter : Barrierefrei – im Alltag und im Kopf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Alle Bürger als gleichberechtige Gesellschaft: Das ist das Ziel von Dietrich Haeberlein, Beauftragter für Menschen mit Behinderungen im Kreis.

Querschnittsgelähmt, Down Syndrom, blind... „Ich nicht, das ist nicht mein Problem“, denken viele. „Doch“, sagt Dietrich Haeberlein (69). Das Thema Menschen mit Behinderung gehe auch die etwas an, die nicht mit Einschränkungen auf die Welt gekommen sind. Auch wenn man geistig und körperlich nicht eingeschränkt ist, sei die Wahrscheinlichkeit, dass es auch einen selbst treffen könne, relativ groß. „Nicht nur durch einen Unfall, sondern weil wir heute ein entsprechendes Alter erreichen, rückt das Thema immer näher heran. Die Sinne werden trüber, die Bewegungen schwerfälliger im Alter“, betont Haeberlein. Ob Behinderung von Geburt an, durch Unfall oder Alter: Der Itzehoer möchte der Bevölkerungsgruppe eine Stimme geben. Er ist der erste Beauftragte für Menschen mit Behinderungen für den Kreis Steinburg. Am 1. Januar trat er sein Ehrenamt an.

Der Kreis beschreitet damit neue Wege. „Dass ich bei meiner Bestellung parteiübergreifend einstimmig gewählt wurde, verleiht dem Amt viel Gewicht. Es zeigt mir, dass die Leute hinter der Sache stehen“, freut sich Haeberlein. Für den langjährigen Leiter der Steinburg-Schule sei es ein Lebensthema. Das Bewusstsein für das Thema möchte er auch bei seinen Mitmenschen schärfen. Die Notwendigkeit erklärt er an einem Beispiel: „Ein Rollstuhlfahrer trägt einen Teil seiner Einschränkung in sich selbst, weil er beispielsweise keine Beine mehr hat. Ein Teil der Einschränkung kommt aber von außen: fehlende Aufzüge, hohe Bordsteine – da erfährt er eine Einschränkung durch seine Umwelt.“ Barrieren aus dem Alltag und den Köpfen zu verbannen hat er sich auf die Fahnen geschrieben. „Das Ziel ist es, wegzukommen vom Blick auf die Beeinträchtigung, hin zu dem, was den Menschen ausmacht.“

Haeberlein hat viel vor: „Es geht nicht um den Einsatz von viel Geld, sondern um Nachdenken und die Gestaltung einer barrierefreien Öffentlichkeit.“ Er berät deshalb im Einzelfall ebenso wie Kreistagsabgeordnete bei allen Vorhaben, Neubauten beispielsweise. Auch Öffentlichkeitsarbeit und Präsenz zeigen sei in diesem Zusammenhang wichtig. Haeberlein schwebt unter anderem vor, mit den Bürgermeistern der Gemeinden in Dialog zu treten. Eine zentrale Aufgabe sei auch, Veranstaltungen zu organisieren. „Ganz wichtig dabei ist, Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen. Wenn Sie ein Rollstuhlfahrer auf der Straße anspricht und um Hilfe bittet, macht sich oft Unsicherheit breit, weil man nicht genau weiß, was man tun soll. Die Begegnungen sollen helfen, Unsicherheiten abzubauen.“ Weiteres Ziel: Die Vernetzung der Verbände und Gruppierungen, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzen. „Kontakte habe ich aus meiner Zeit in der Projektwerkstatt Inklusion.“

Inklusion – Das ist für Haeberlein ein entscheidendes Stichwort. Vor 100 Jahren seien Menschen mit Behinderung in Heimen weggesperrt worden. Als in den 60er Jahren die Schulpflicht eingeführt wurde, wurde ihnen der Stempel „bildungsunfähig“ aufgedrückt. „Dann kam die Schulpflicht für alle, das heißt das Recht auf Beschulung für alle.“ Integration brachte zwar mehr Gleichberechtigung, doch erst die 2009 im deutschen Gesetz verankerte Inklusion sicherte das Recht auf die gleichberechtigte Teilhabe aller Bürger am öffentlichen Leben. Damit sei schon viel erreicht, „aber es gibt noch viel zu tun“.

Kontakt: haeberlein.dietrich@t-online.de

 

 

 

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erstellt am 06.Jan.2014 | 05:00 Uhr

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