Kulturbilanz in Wilster : Barfuß in die Konzertpause

Moderne Songwriterin: Namoli Brennet im Kulturhaus.
Moderne Songwriterin: Namoli Brennet im Kulturhaus.

Anton Brade, Leiter des Kulturhauses in Wilster, zieht eine positive Saison-Bilanz.

shz.de von
26. Mai 2018, 08:06 Uhr

Barfuß geht es besser! Im letzten Teil des Konzerts im Kulturhaus treten Namoli Brennet und Bassistin Amy Zapf ihre Looper direkt mit den Zehen – und mit noch mehr Gefühl. Zwei ungewöhnlich eingesetzte Gitarren, mit diesen technischen Stationen vervielfacht und akzentuiert, unterstreichen den atemberaubenden Ausdruck der amerikanischen Singer-Songwriterin Namoli Brennet. Ihre Wurzeln liegen in der Wüste von Arizona, liegen beim Folk, Jazz und Blues. Mittlerweile lebt sie in der Einsamkeit von Iowa und tourt seit vier Jahren regelmäßig durch Deutschland. Dies verdankt die Profimusikerin der Partnerschaft mit Amy Zapf aus Berlin, die sie jeweils begleitet. Zapf gastierte bereits mit anderen Bands in Wilster und gilt als feste Größe in der deutschen Musikszene. Sie nahm für Brennets Lieder und Balladen ihre Bassgitarre stark zurück und akzentuierte nur mit sanften Schwelltönen, ähnlich Steel-Guitar-Effekten in der Country-Musik.

Brennet verkörpert mit ihrem Stil das moderne amerikanische Songwriting. Sie erzählt in ihren selbst getexteten und arrangierten Liedern von den kleinen Dingen des Alltags, auch von gebrochenen Persönlichkeiten, die dennoch Mut machen, oder von besonderen Begegnungen. Sogar Ötzi kreuzte ihren Weg, zumindest mental. „Was ist ihm passiert?“, fragt sie sich und das Wilsteraner Publikum und testet singend mögliche Antworten. Sie agiert mit einer phänomenalen Perkussion, nutzt Hall- und Echoeffekte ihrer Akustik-Gitarre, singt mal sanft-melancholisch, mal leidenschaftlich-ironisch mit viel Verve und teils sogar Vibrato in der Stimme.

Die preisgekrönte US-Künstlerin, die zu den besten nordamerikanischen Folk-Rock-Musikern gehört, rundete die Liste der Geheimtipps großer Namen ab, die nun auch Wilster als Tourneestation in die Welt tragen. Mehrere ihrer zwölf CDs wurde von diversen US-amerikanischen Radiostationen unter die Topalben des Jahres gewählt.

Mit Brennets Auftritt endete die Konzertsaison im Kulturhaus, das wegen der WM in eine vorgezogene Sommerpause geht. Im Programm stehen nun nur noch einige Aufführungen der beiden Hausproduktionen „Liesl und Karl“ sowie „Die Sterne der Nacht“, die beim Publikum auf große Resonanz stoßen.

Insgesamt sei das Gastspiel-Programm gestrafft worden zugunsten einer vielfältigen Mischung mit eigenen Inszenierungen und Theaterprojekten, zog Kulturhausleiter Anton Brade eine Saisonbilanz. Die Besucher honorierten den Lokalbezug. Bei der vergangenen Vorstellung der Frauen-Rock-Show hätten sie sogar mitgetanzt und mitgesungen, freute sich der umtriebige Regisseur.

Im Herbst sollen Bands wie die Rag Dolls (24. November) mit Amy Zapf oder die Silverettes (zur Musiknacht am 7. September.) auf vielfachen Wunsch des Publikums erneut auftreten. Zudem kooperiert das Kulturhaus mit lokalen Veranstaltern, die auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Der Verein SoMo (Sonntag Morgen e. V.), der laut seinem Facebook-Eintrag den „musikalischen Horizont“ in der Region erweitern möchte, holt für den 24. September die Band Blaque Rabbit nach Wilster.

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