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Norddeutsche Rundschau

26. September 2017 | 12:59 Uhr

Geschäftsidee : Bambusfahrräder in Serie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

My Boo: Am Dienstag ist Verkaufsstart. Hinter den Fahrrädern aus Ghana stehen mit Maximilian Schay und Felix Habke auch zwei Dithmarscher. Sie werden aus der Region um Brunsbüttel unterstützt.

von
erstellt am 12.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Ihr junges Unternehmen wächst beinahe so schnell wie der Rohstoff, aus dem die Rahmen ihrer Fahrräder gebaut werden: Bambus. „My Boo“ nennt sich das Projekt, das die beiden Studenten Maximilian Schay und Jonas Stolzke seit vorigem Jahr verfolgen. Jetzt sollen die in Ghana gefertigten und in Deutschland mit Edelkomponenten bestückten Zweiräder in die Serienfertigung gehen. Am Dienstag wird der Verkaufsstart im Kieler Wissenschaftszentrum erfolgen – in Anwesenheit von Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Frank Nägele.

Inzwischen haben die beiden Gründer, deren Studium in Kiel ein wenig hinter die Geschäftsentwicklung rücken muss, ihr Team auf fünf Mitstreiter ausgebaut. Grund ist der rasante Vorwärtsdrang von My Boo.


Handarbeit und deutsches Know-how


Fahrräder aus Bambus – in Afrika ist das nicht ungewöhnlich, schließlich wächst das Material vielerorts ganz problemlos. Drei Jahre sind die Rohre alt, aus denen in Handarbeit die Rahmen gefertigt werden. Für My Boo allerdings nach deutschen Qualitätsstandards. Die Räder sind inzwischen sogar qualitätsgeprüft.

Das geht nicht ohne fachkundige Hilfe. So hat der Brunsbütteler Metallbauer Cornils GmbH die Vorrichtungen gebaut, mit denen sich gerade Rahmen aus dem Naturmaterial fertigen lassen. Ebenfalls aus der Schleusenstadt kommt finanzielle Unterstützung und technisches Know-how: Unternehmer Hans Helmut Schramm ist von der Idee begeistert. Bei Wrigge in Schmedeswurth bei Marne werden die fertigen Rahmen lackiert, die Stiftung Mensch in Meldorf baut Metallteile, die als Bindeglieder zwischen Rahmen und Komponenten fungieren. Finisher Sports in Fockbek (Rendsburg-Eckernförde) schließlich baut die Komponenten ein. Die wesentliche Arbeit wird jedoch in Ghana geleistet, im 1000-Seelen-Dorf Aprah.

Zwischen 15 und 20 Rädern beträgt der monatliche Ausstoß der kleinen Produktion, erzählt Maximilian Schay. In Zusammenarbeit mit dem auf Entwicklungshilfe spezialisierten Yonso-Project haben die My Boo-Macher dort inzwischen zehn junge Afrikaner für ihre Werkstatt ausgebildet. Die wurde voriges Jahr eigens gebaut. Nach ghanaischen Verhältnissen werden die jungen Leute dort geradezu fürstlich bezahlt. Das ist die eine Seite von My Boo. Die andere: Ein Teil des Verkaufserlöses fließt in Schulpatenschaften. Block und Bleistift und auch Schuluniformen sind für viele Familien zu teuer. Dank der Bambusräder können Kinder nun in die Schule gehen.

„Es sind mehrere Hundert Euro pro Rahmen, die für das Projekt abfallen“, betont Schay. Das zeigt auch, dass die Bambus-Fahrräder nicht beim Discounter zu finden seien: Zwischen 1980 und 2480 Euro müssen die Kunden je nach Variante auf den Tisch legen. Die Zielgruppe wohnt in der Großstadt und möchte sich beim Radeln von der Masse abheben. Darauf ziehlt auch der Vertrieb ab: „Bis Jahresende wollen wir bundesweit in zehn Städten vertreten sein“, sagt Maximilian Schay. Auch im Ausland besteht bereits Interesse. Es gebe Kontakte nach Chile und Skandinavien, erzählt er. Firmen sind ebenfalls denkbare Kunden: Für die Schrammgroup wird gerade ein Fahrad gefertigt, natürlich in den Farben der Brunsbütteler Reederei.

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