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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 18:43 Uhr

Bald wieder freier Markt für die Milch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburger Landwirte begrüßen die Abschaffung der Milchquote / Bauernverband sieht Betriebe gut vorbereitet für Neuregelung ab April

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2015 | 16:33 Uhr

Schwieriger Start ins neue Jahr für die Milchbauern: Ein dramatischer Preisverfall von knapp 20 Prozentpunkten im Vergleich zum Januar 2014 bedeutet für die Bauern deutlich geminderte Einnahmen. Ab April 2015 müssen sich die Milcherzeuger zudem grundlegend veränderten Marktbedingungen stellen. Dann läuft die seit 1984 bestehende Quoten-Regelung für die Milchproduktion (siehe Info-Kasten) aus. Marktkenner erwarten, dass dies zu stärkeren Preisschwankungen führen wird.

Eigentlich war die Milchquote seinerzeit eingeführt worden, um die landwirtschaftlichen Betriebe vor zu starkem Wettbewerb zu schützen und Preisschwankungen zu minimieren. Positiv ausgewirkt hat sich der staatliche Eingriff nach Meinung vieler Bauern aber nicht. „Ich werde die Milchquote auf keinen Fall vermissen“, sagt Thies Magens. Der 30-jährige Landwirt aus Kollmar melkt 280 Kühe. Sein Betrieb gehört damit zu den größten Milcherzeugern im südlichen Kreis Steinburg. Er begrüßt, dass ab April Angebot und Nachfrage darüber entscheiden, wie viel Milch ein Betrieb produzieren kann und will. „Wir können uns nicht vom Weltmarkt abkoppeln“, sagt Magens. Um mit seinem Betrieb expandieren zu können, musste er bisher Quoten-Kontingente zukaufen oder pachten – „ein teurer und begrenzender Faktor“.

„Die ganz große Mehrheit unserer Milcherzeuger sieht das Auslaufen als den richtigen Weg an“, berichtet Peter Mau-Hansen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Steinburg. Mau-Hansen erwartet keinen radikalen Umbruch: Der Wechsel vom Quotensystem zum freien Markt sei in den vergangenen Jahren durch schrittweise Erhöhung der Obergrenzen schonend vorbereitet worden. „Aber es wird künftig sicherlich stärkere Preisschwankungen am Markt geben.“ Das Geschäft werde „anspruchsvoller“. Thies Magens erwartet eine ähnliche Entwicklung wie in anderen, auch bisher schon weniger reglementierten Bereichen der Landwirtschaft: „Wir kennen das zum Beispiel vom Schweinefleisch. Geld wird in Hochpreis-Phasen verdient. Wenn der Preis sinkt, muss man den Atem haben, um durchzuhalten.“

Die große Mehrheit der 550 Milchviehbetriebe im Kreis Steinburg hätten sich auf das Auslaufen der Quote bereits vorbereitet. „Nur die, die nicht vorgesorgt haben, könnten ernste Probleme bekommen“, sagt Mau-Hansen. Effizienzsteigerung und der Ausbau von mehreren wirtschaftlichen Standbeinen seien geeignete Mittel, um die Betriebe auch zukünftig wettbewerbsfähig zu halten. Thies Magens hat beispielsweise in eine Bio-Gasanlage investiert, um neben seinen traditionellen Produkten Milch und Getreide auch Energie zu erzeugen.

„Die Abschaffung der Quote ist keine Gefahr für die Milcherzeugung in unserer Region“, sagt Mau-Hansen. Andere Risiken seien bedeutender: Die Embargo-Politik gegenüber Russland und das weltweit sehr gute Ertragsjahr 2014 setzten im Moment den Milchpreis und damit die Erzeuger unter Druck. Im Januar gab es allerdings vorerst eine leichte Erholung, wie Fachmedien berichten. Der derzeit schwache Euro helfe dem Milchexport auf die Sprünge und stabilisiere so den Milchpreis etwas, heißt es.

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