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Interview : Bald schnelles Internet für (fast) alle

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Interview mit Henning Ratjen, Vorsitzender Zweckverband: Noch in diesem Jahr haben die ersten ihren Breitband-Anschluss.

von
erstellt am 25.Aug.2014 | 11:45 Uhr

Das Breitband für alle Steinburger rückt näher. In drei Gebieten im östlichen Kreis wird bereits gebaut, in dieser Woche sollen weitere Ausschreibungen für die Ämter Krempermarsch, Wilstermarsch und Horst-Herzhorn durch den Zweckverband auf den Weg gebracht werden. Verbandsvorsteher Henning Ratjen zeigt sich im Interview mit unserer Zeitung optimistisch und ist zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Arbeiten.

Bis heute war es ein langer Weg, Wie kam es dazu?
Der ZVBS Zweckverband Breitbandversorgung Steinburg wurde im November 2010 von zirka 100 Gemeinden gegründet mit dem Ziel der flächendeckenden Breitbandversorgung im Kreis Steinburg. Die erste Ausschreibung im Jahr 2011 war ernüchternd. Es lag kein Angebot seitens der Bieter vor.
 

Woran lag das?
Wir haben mit der Ausschreibung in 2011 Neuland betreten. Es war die erste Ausschreibung in dieser Form in Schleswig-Holstein. Wir haben Lehrgeld zahlen müssen. Die Ausschreibungen anderer Zweckverbände nach uns haben bereits die ersten Erkenntnisse von uns in ihren Ausschreibungen einfließen lassen. Nachdem wir uns im Verhandlungsteam dann sicher waren, das Modell so verfeinert zu haben, sind wir in die Verbandsversammlung gegangen. Die zweite Ausschreibung für fast 100 Gemeinden in sieben Ämtern wurde beschlossen.


Trotzdem blieben nach der Ausschreibung drei Lose unberücksichtigt. Wie kam es dazu?

Der Markt ist sehr eng. Investoren wollen möglichst schnell erträgliche Renditen sehen. Dies ist jedoch bei Infrastrukturprojekten wie unseres schwer möglich. Die Zahl der Bieter hat sich deshalb von Beginn der Ausschreibungsphase bis zum Ende von fast einem Dutzend auf nur wenige reduziert. Dazu kommt eines: Die Rahmenbedingungen in einer Ausschreibungsphase ändern sich stetig.

Im Ergebnis haben wir seitens des Verhandlungsteams die Empfehlung ausgesprochen, die Lose 1, 2, 3 und 5, also die Ämter Schenefeld, Itzehoe-Land, Kellinghusen und Breitenburg an die SWN Stadtwerke Neumünster zu vergeben, immerhin 63 Gemeinden. Das wirtschaftliche Risiko und damit die Vergabe der Lose 4, 6 und 7, die Ämter Krempermarsch, Wilstermarsch und Horst-Herzhorn, an einen weiteren Bieter war aus unser Sicht zu hoch. Diese Einschätzung wurde durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer untermauert.

In anderen Zweckverbänden in Schleswig-Holstein gibt es hingegen große Probleme, die Einwohner zu begeistern. Wir schaffen Sie das?
SWN ist in diesem Bereich sehr professionell. Aber auch wir bringen uns mit unserem Know-How vor Ort ein. Die Bürgermeister und Gemeindevertretungen kennen die Einwohner und sind stark engagiert. Diese Mischung und gute Produkte zu fairen Preisen sorgen für feine Ergebnisse. Wir sind sehr stolz darauf, in sechs Monaten die Vermarktung in bereits 25 Gemeinden abgeschlossen zu haben.

Sie sprechen immer wieder von weitgehend flächendeckend, was bedeutet das konkret?
Wir haben lernen müssen, dass die Versorgung der letzten fünf Prozent Grundstücke zirka 20 Prozent der Gesamtkosten ausmacht. Das ist nicht zu stemmen. Daher kommt es leider dazu, dass in fast jeder Gemeinde wenige Grundstücke nicht erschlossen werden können. Es geht derzeit nicht anders.

Gibt es aber nicht doch Möglichkeiten, das einzelne Gehöft zu erschließen?

Die gibt es. Zum Beispiel beteiligen sich einige Gemeinden oder die Grundstückseigentümer graben selbst. Es gibt einige Möglichkeiten. Dazu bedarf es eines gewissen Engagements, das ist machbar und es gibt gute Beispiele. Ich habe selbst schon ein Wochenende geschaufelt.

Werden die Ämter Krempermarsch, Wilstermarsch und Horst-Herzhorn auch noch versorgt?
Die Voraussetzung zu einer erneuten Ausschreibung ist die Entscheidung der Gemeinden in den Ämtern, ausschreiben zu wollen. Ende Mai wurde auf einer Informationsveranstaltung für die Gemeindevertretungen die Aussichten und Risiken ausführlich diskutiert und auch abgewogen. Im Ergebnis haben sich alle Gemeinden in den Ämtern für eine neue Ausschreibung ausgesprochen.


Wie sind den die derzeitigen Rahmenbedingungen, gibt es Aussicht auf Erfolg?

Das bisherige Verhandlungsteam ist der Ansicht, dass die Aussichten positiv sind. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens: Unsere Vermarktung funktioniert. Andere Zweckverbände haben zwar vor uns Verträge mit Bietern geschlossen, haben aber Schwierigkeiten, die Vermarktung mit Erfolg abzuschließen. Diesen Erfolg können wir vorweisen. Zweitens: Der ZVBS genießt ein hohes Ansehen, unsere Arbeit und die unserer Berater wird anerkannt. Das wird mit Interesse am Markt aufgenommen.

Was kann schlimmstenfalls in der Ausschreibung passieren?
Schlimmstenfalls kommt es zu keinem Abschluss, weil es wirtschaftlich nicht vertretbar ist oder es werden keine Angebote seitens möglicher Bieter abgegeben. Aber dieses Risiko müssen wir eingehen. Eine neue Ausschreibung ist alternativlos, wenn wir die drei Ämter weitgehend flächendeckend erschließen wollen. Die kleineren Gemeinden werden es allein nicht schaffen.

Das heißt, die Verbandsversammlung muss der Ausschreibung noch zustimmen und dann kann es losgehen?
Ja, auf der Verbandsversammlung am 28. August werden wir die Weichen stellen für die Ausweitung des Bauvolumens in diesem Jahr – wir wollen schneller bauen, analog unserer Vermarktungserfolge, dazu bedarf es einem Nachtragshaushalt für 2014, so dass wir ohne Verzögerungen in 2015 mit der Umsetzung fortfahre können.

Was geschieht nun in dem ersten Abschnitt, in dem bereits gebaut wird?
Die Umsetzung geht zügig voran. Die ersten Technikstandorte werden errichtet, Hausanschlüsse erstellt und Glasfaser eingeblasen. Wir rechnen damit, dass Anfang November im Abschnitt 1, also um das Gebiet Sarlhusen und Rosdorf, die ersten Haushalte aufgeschaltet werden. Bei optimalen Wetterbedingungen werden die Abschnitte 1 und 2 bis Ende Dezember 2014 fertig gestellt.

Wird es in diesem Jahr noch weitere Vermarktungsaktionen geben?
Ja, wir werden in Kürze mit der Vermarktung in den Gemeinden Puls, Reher, Warrringholz, Oldenborstel und Christinenthal beginnen.

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