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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 02:41 Uhr

Freiwillige Feuerwehr : Bald droht der Kollaps

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Glückstadts Wehrführer Ties Tiessen warnt. Er sieht einen Personalengpass auf die Feuerwehr zukommen und fordert von der Politik, Anreize zu schaffen.

von
erstellt am 16.Feb.2015 | 17:07 Uhr

Es brennt – und keiner kommt zum Löschen. Dies könnte schon bald drohen. Denn die Glückstädter Feuerwehr hat zwar 65 Mitglieder, aber viele von ihnen können tagsüber nicht mit ausrücken. Sie müssen arbeiten. „Was uns zurzeit rettet, sind die Schichtgänger“, sagt Wehrführer Ties Tießen. Der 59-Jährige macht sich Sorgen um die Zukunft. Denn viele Bürger nähmen die ehrenamtlich geführte Feuerwehr als selbstverständlich hin, seien nicht bereit sich zu engagieren. Auch immer mehr Betriebe sähen es nicht gerne, wenn ihre Arbeitnehmer zum Feuer abgerufen werden. „Auch deshalb wird es immer schwerer, Menschen zu motivieren, bei der Feuerwehr mitzumachen.“

Und die Demographie greift auch in Glückstadt. „Wir haben in Arbeitsgemeinschaften alles mögliche betrachtet“, sagt Tießen. Er habe schon vor Jahren das Thema angesprochen, doch mit nicht so großem Erfolg. „Wenn die Stadt den Dienstleister Feuerwehr auch in Zukunft haben will, dann muss sie in die Feuerwehrleute investieren.“

Auf den Dörfern sei das Problem noch nicht ganz so groß. „Dort finden sich noch mehr Menschen, die mitmachen. Auch weil dort die Feuerwehr ein Kulturträger ist.“ Doch, so betont Tießen, der im Hauptberuf Feuerwehrmann in Hamburg ist: „Es ist nicht Aufgabe der Feuerwehr, Kulturträger zu sein.“

Den Menschen müsste der Gedanke der freiwilligen Wehr klarer sein: „Sie dient dem Selbstschutz, zu dem jeder etwas beitragen muss. Dies ist dem Stadtmenschen heute nicht mehr klar.“ Viele würden ihren Anspruch, nicht dabei zu sein, daraus herleiten, dass sie Steuern bezahlten. „Viele erwarteten einfach, dass die Feuerwehr kommen muss.“

In einer „Schlafstadt“ wie Glückstadt werde es deshalb immer schwieriger, Menschen für den Dienst zu motivieren. Zurzeit bekomme er als Wehrführer tagsüber „irgendwie“ immer noch Leute für einen Einsatz zusammen. Dabei kooperiert Glückstädter allerdings schon mit den Wehren der umliegenden Dörfer. „Teils sogar mit Krempe. Je nach Gebiet und Schadensleistung.“

Die neue Kooperation sehe so aus, dass teilweise auch zusammen geübt werde. Auch die Technik werde weitergegeben. Die Kollmaraner seien bereits in der Lage, technische Geräte und Fahrzeuge der Glückstädter zu bedienen. Wichtig seien auch die Atemschutzträger – dies müssten gesunde, fitte Leute sein, die keine Höhenangst hätten. „Es nützt mir nichts, wenn ich viele Mitglieder habe, aber nur zehn davon sind Atemschutzträger.“ Einig ist er sich mit Amtswehrführer Wolfgang Krause, dass die Kooperation weiter gehen muss. „Wir sprechen eine Sprache“, sagt er zur guten Zusammenarbeit.

Ties Tießen glaubt aber auch, dass es notwendig wird, die Arbeit der Feuerwehrleute zu honorieren. Deshalb will er der Glückstädter Politik eine Idee näher bringen: Eine kleine Betriebsrente von 100 Euro pro Jahr für diejenigen, die länger dabei sind. Sie bräuchte nicht hoch sein, aber eine Anerkennung dafür, dass viel Freizeit geopfert wurde. „Für neue Einsteiger ist es eine Perspektive.“

Eine andere Idee ist nicht ganz uneigennützig: Ein Zuschuss für den Besuch eines Fitness-Studios. Dies gibt es seit Kurzem schon, 30 Feuerwehrleute nutzen das Angebot bereits.

Aber Tießen hat in seiner Feuerwehr auch einiges zu bieten: „Teamgeist und Kameradschaft.“

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