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Erneuerbare Energien : Bald auch Windenergie aus Brokdorf ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Landeigentümer im Suchgebiet behalten sich Bau von Anlagen vor. Abstimmung in einer Einwohnerversammlung gibt erstes Meinungsbild wider.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2016 | 17:03 Uhr

Bislang hatte die Gemeinde Brokdorf allen Überlegungen für den Bau von Windkraftanlagen eine Abfuhr erteilt. Das könnte sich jetzt ändern. Weil es in der Nachbargemeinde Dammfleth konkrete Planungen für einen Windpark in Possfeld gibt, melden nun auch Landeigentümer in der angrenzenden Gemarkung Siethwende Interesse an. Bei einer Einwohnerversammlung in der Feuerwache fragte Bürgermeisterin Elke Göttsche ein erstes Meinungsbild ab. Ergebnis: Knapp die Hälfte der rund 50 anwesenden Einwohner sprach sich für eine Öffnung der Gemeinde in Richtung Windenergie aus. Lediglich 14 plädierten für eine Beibehaltung der ablehnenden Haltung, die übrigen enthielten sich. Repräsentativ oder gar in irgendeiner Form verbindlich ist die Abstimmung allerdings nicht.

Zuvor hatte der Itzehoer Landschaftsplaner Reinhard Pollok im Auftrag der Gemeinde erläutert, nach welchen Kriterien das Land derzeit Eignungsflächen für den Bau von Windkraftanlagen auswählt. Alle Suchgebiete in Schleswig-Holstein zusammengenommen machten sieben Prozent der Landesfläche aus, wovon am Ende aber nur ein Viertel wirklich bebaut werden dürfe. Einer der Suchräume liegt nördlich von Brokdorf – gemeinsam mit einem Areal auf Dammflether Gebiet. „Wir wissen im Moment nicht, an welcher Stelle und aus welchen Gründen die Gebiete ausgewählt werden“, machte Pollok deutlich, dass alle Planer, Gemeinden, Investoren und Landeigentümer im Dunkeln tappen. Am 22. März soll es im Brunsbütteler Elbeforum eine erste zentrale Informationsveranstaltung für die Region geben. Genaue Planungen würden aber erst im Sommer vorliegen.

Eines stehe allerdings schon jetzt fest: Einfach nur dagegen oder dafür sein reiche nicht mehr aus. Wenn sich eine Gemeinde wie Brokdorf – ob pro oder contra – einbringen wolle, müsse sie gute Begründungen abliefern. Pollok empfahl, alle Argumente – auch die von den Einwohnern – in die Waagschale zu werfen. Bei einem einmal ausgewiesenen Eignungsgebiet habe die Gemeinde dann aber keine Eingriffsmöglichkeiten mehr. Letztlich entscheide dann nur noch der Grundeigentümer, was auf seinem Land passiert.

Mit größter Aufmerksamkeit haben offenbar Landbesitzer im aktuellen Suchraum die Planungen im benachbarten Dammfleth verfolgt. Dort will eine Investorengruppe aus fünf Grundeigentümern auf einer Fläche von 30 Hektar vier 150-Meter-Anlagen errichten. „Bisher haben wir den Brokdorfer Gemeindewillen respektiert. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, eine Realisierbarkeit von Windkraftanlagen in Siethwende zu prüfen.“ So steht es in einem Brief betroffener Landeigner auf Brokdorfer Gebiet, den der Leitende Verwaltungsbeamte beim Amt Wilstermarsch, Heiko Wiese, verlas. „Wegen der Planungen auf Dammflether Seite müssen wir unsere Interesse wahren“, heißt es. Und weiter: „Aus unserer Sicht dürfte es sich nicht so bedeutend auswirken, wenn davor dann noch einige Anlagen mehr gebaut werden. Tatenlos zusehen, bis der Zug abgefahren ist, wollen wir nicht.“ Derzeit, so wurde versichert, gebe es aber noch keinen Planungsauftrag. Versprochen wird auch, dass mehr als die Mindestabstände eingehalten würden und sich auch Bürger mit Einlagen beteiligen könnten. Inwieweit am Ende Dammflether und Brokdorfer Pläne auf einer gemeinsamen Eignungsfläche unter einen Hut zu bringen sind, ist offen. Reinhard Pollok sieht hier durchaus ein gewisses Konfliktpotenzial, wenn es zu keiner gemeinsamen Linie komme.

Bleibt die Frage, ob das Terrain überhaupt zur Eignungsfläche wird. Ein Zuhörer meldete schon mal Bedenken an, weil er dort im vergangenen Jahr eine größere Population von Weißstörchen gesehen habe. Und gerade im Winter gebe es dort Schwärme von großen Greifvögeln.

Unklar ist auch noch, wo und wie die Südlink-Stromtrasse verlaufen wird. Eine Einwohnerin warf zudem ein, dass schon jetzt deutlich mehr Strom produziert werde, als überhaupt gebraucht werde. Spannend würde es auch, wenn die Region in ihrem charakteristischen Landschaftsbild gestört würde. Dazu soll es ein Gutachten geben. Das Argument der Riegelbildung, also eine großflächige Aneinanderreihung von Windrädern, die es zu verhindern gelte, dürfte nach Einschätzung von Reinhard Pollok allerdings kaum greifen. Die Brokdorfer könnten ja immer noch in Richtung Elbe blicken.

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