Bahnhof St. Michel - Gemeinde hat kein Interesse an Übernahme

Steht zur Disposition: der St. Michler Bahnhof.  Foto: spill
Steht zur Disposition: der St. Michler Bahnhof. Foto: spill

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17. August 2012, 03:59 Uhr

St. Michaelisdonn | Die Deutsche Bahn beabsichtigt sich von einigen Bahnhofsgebäuden zu trennen. In Schleswig-Holstein sind davon sieben Gebäude betroffen, unter anderem die Station in St. Michaelisdonn.

Mit der Thematik befasst sich derzeit Dr. Valerie Wilms, Bundestagsmitglied und bahnpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/die Grünen. Sie wollte sich einen Überblick von den betroffenen Bahnhöfen verschaffen und besichtigte deshalb auch die Gebäude in Büsum und St. Michaelisdonn.

Beim Letzteren handelt es sich um einen Neubau, in dem ein Bahnhofs-Reisebüro untergebracht ist. "Ich hatte hier ein historisches Gebäude erwartet, wie in den meisten übrigen Orten, wo die Bahn sich von ihren Bauten trennen will", sagte Valerie Wilms überrascht. Meistens hatte sie dann den Kommunen, die ja ein Vorkaufsrecht haben, geraten, das Gebäude zu erwerben. Allerdings sollte der Preis stimmen und das Gebäude sich in ein städtebauliches Konzept eingliedern lassen. "Hier in St. Michel sieht es anders aus, ich kann der Gemeinde nicht raten, das Gebäude zu kaufen", stand für die Bundestagsabgeordnete schnell fest.

Das sah der stellvertretende Bürgermeister Holger Jürgens (CDU) genauso: "Die Gemeinde hat keine Ambitionen das Gebäude zu kaufen, die Folgekosten allein mit der Überdachung wären schon zu hoch." Zudem plane die Gemeinde in dem Bahnhofsbereich auch weiter keine Entwicklungen.

Mit Renate Peters, Inhaberin des Bahnhofs-Reisebüros und Mieterin des Objektes, hat die Bahn derzeit noch keine Gespräche geführt. "Ich weiß offiziell von nichts, der Mietvertrag besteht nach wie vor", erklärt sie.

Für den Freien Gemeindevertreter und Mitglied der Grünen, Rolf von Rhein, ist es für den Ort ein Glück, dass Renate Peters das Gebäude gemietet hat: "Bahnreisende sind nicht auf den Automaten angewiesen, es sind Toiletten vorhanden für eventuelle Wartezeiten." Zudem wird das Tourismusbüro von Renate Peters von hier aus mit verwaltet. "Sollte das alles flach fallen, wäre es ein Verlust für den Ort."

Angeschnitten wurde auch der barrierefreie Zugang zum Bahnsteig, der in St. Michel nicht vorhanden ist. "Die Gemeinde ist am Ball", sagte zwar Holger Jürgens. Aber: "Die Bahn hat uns signalisiert, es könne noch Jahre dauern." Valerie Wilms rät, den Nahverkehrsplan zu überdenken, "den Standort als Knotenpunkt auszuwerten". Zwar sei sie wegen der Folgekosten keine Freundin von Aufzügen, doch ein barrierefreier Zugang müsse auch in St. Michel möglich sein. "Im Zeitalter steigender Spritpreise werden immer mehr Pendler die Bahn nutzen, vielleicht in Verbindung mit einem Elektrofahrzeug."

Holger Dräger, Faktionsmitglied der Grünen im Kreistag, sagte: "St. Michel ist jetzt schon ein wichtiger Knotenpunkt für die Köge und das Industriegebiet Brunsbüttel. Die Gemeinde, das Amt und auch der Kreis müssen sich da Gedanken machen."

Auch wenn die Gemeinde das Bahnhofsgebäude nicht kaufen will, sollte sie es dennoch nicht ganz aus der Hand geben, rät Wilms. "Objekte und Flächen können auch von der Gemeinde übernommen werden und dann an geeignete Investoren weiter verkauft werden, die gut für den Ort sind."

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