Bahn: Infos aus erster Hand

Das Bürgerinteresse am Bahn-Thema sprengte die Platz-Kapazitäten des Bürgerhauses.  Foto: gt
Das Bürgerinteresse am Bahn-Thema sprengte die Platz-Kapazitäten des Bürgerhauses. Foto: gt

Fachleute informierten bei Einwohnerversammlung

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16. Juni 2012, 08:15 Uhr

KELLINGHUSEN | Jahrhundertchance oder Millionen schwere Steuergeldverschwendung? Soll die Bahn nach knapp 40 Jahren wieder in die Störstadt kommen oder besser wegbleiben? Im Stundentakt von 5.30 Uhr bis 1.40 Uhr nachts könnten modernste Schienenfahrzeuge Fahrgäste in 45 Minuten von Kellinghusen ab 2015 nach Altona befördern. Doch nicht alle Besucher der eigens zu diesem Thema veranstalteten Einwohnerversammlung nahmen dies begeistert als "Riesenchance" auf. Pro und Kontra äußerten sich in zahlreichen Wortbeiträgen. Nach knapp vier Stunden standen auf dem Merkzettel von Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) Einwendungen, Anregungen sowie die neue Idee von einem flexiblen Shuttle-Bus statt Schiene oder ein möglicher Mix aus beiden.

Beendet war die Sitzung nach dem offiziellen Schlusswort noch lange nicht. Zu später Stunde wurde in Grüppchen vor dem Bürgerhaus weiter diskutiert. Das Stadtoberhaupt hatte den Einwohnern zuvor zugesichert, ergebnisoffen im Dialog zu bleiben. Die Bevölkerung soll überdies in einem neu zu bildenden Arbeitskreis an der Entwicklung des Themas mitarbeiten. Laufende Informationen versprachen überdies Bernhard Wewers, Geschäftsführer der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) und Jochen Schulz, LVS-Fachmann für Bahnhöfe und Strecken sowie Nis Nissen, Geschäftsführer der Nordbahn Eisenbahngesellschaft (NBE). Im überfüllten Bürgerhaussaal meldeten sich auch die Landtagsabgeordneten von SPD und CDU, Birgit Herdejürgen und Heiner Rickers. Die Politiker räumten ein, es sei ihnen wie vielen anderen Bürgern gegangen. Als sie vor Wochen von der Reaktivierung hörten, dachte sie zunächst an einen Aprilscherz. Doch jetzt begrüßten beide das Projekt. Kellinghusen könnte den ersten Schritt auf dem Weg zu etwas ganz Besonderem machen, sprach Herdejürgen von in vielen Bereichen positiven Auswirkungen auf die Stadtentwicklung. Dafür sollten Finanzmittel in die Region gelenkt werden, die sonst woanders hin fließen würden. "Das Bahn-Projekt steht in Konkurrenz zu anderen." Kellinghusen habe es in der Hand: "Ja" oder "Nein", machte die SPD-Politikern deutlich. Wann die Stadt überhaupt einmal in der Situation gewesen sei, dass ihr etwas angeboten wurde, fragte Heiner Rickers. Kellinghusen sollte diese "Jahrhundertchance" wahrnehmen, empfahl er.

In kurzer Zeit hatten sich aber auch - meist nahe der Bahntrasse anliegende Bürger in das Thema eingearbeitet. Eine Initiative bloggte bereits Fragen zu Lärmschutz, Emissionen, Parkprobleme und Kosten für die Stadt und hakte auch in der Versammlung kritisch nach. Ein gänzlich neue Bürger-Idee kam mit dem Thema Shuttle-Bus auf den Tisch. Vor Jahren von Eltern im Schülertransport vergeblich gefordert, könnte das Busvorhaben neu gedacht - mit Mini-Zob, flexiblen Busgrößen und Zeiten - als kompletter Bahnersatz oder Ergänzung eine Chance haben.

Man stehe erst am Anfang, das Thema werde die Stadt noch einige Zeit begleiten, unterstrich der Bürgermeister.

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