Marschbahn : Bahn: Glückstädter kämpfen weiter

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Neuvergabe Strecke Marschbahn: Bürgermeister hält die Auswirkungen für einen „Tod auf Raten“ für die Elbestadt

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16. Juli 2015, 08:00 Uhr

„Bei mir überwiegt die Enttäuschung“, sagt Bürgermeister Gerhard Blasberg. Denn seit gestern steht es fest: Es werden nur noch sieben Züge der Marschbahn in Glückstadt halten. Das ist das Ergebnis der Sitzung des Wirtschafts- und Finanzausschusses des Landtags in Kiel. Dort wurde nichtöffentlich entschieden, wer auf der Strecke ab 2016 fährt: Es ist die Bahn-Tochter „DB Regio“, die gegen die Nord-Ostseebahn und einem weiteren Bieter die Ausschreibung gewonnen hat, welche aber zehn Tage Zeit haben, Einspruch einzulegen.

Insider sagen, dass das Land mit dem Bahn-Angebot vier Millionen Euro spart, die diese aber nicht für zusätzliche Halte in Glückstadt ausgegeben wird. Denn in der Elbestadt gibt es künftig nur noch sieben Halte.

„Wir hatten uns mehr erhofft“, sagt Blasberg auch im Namen der Arbeitsgruppe Bahn. Damit ist die kontinuierliche, schnelle Anbindung an Hamburg weg. Das ist ein Schlag ins Kontor. Das ist für die Stadt der Tod auf Raten.“ Er sieht es so, dass die Stadt jetzt von der Marschbahn abgekoppelt ist. „Das ist ein erheblicher Rückschritt“, sagt er dazu, dass die Marschbahn bis Dezember 2014 in Glückstadt gehalten hat – bis auf ganz wenige Ausnahmen im Sommer.

Der Bürgermeister wird nicht aufgeben, dass kündigt er an. „Wir werden weiter Vorschläge in Kiel unterbreiten. Dort ist angekommen, dass wir gekämpft haben“, sagt er zu den Zugeständnissen, dass es morgens und später am Abend noch insgesamt sieben Halte geben wird.

Erschwerend kommt für ihn hinzu, dass der Start der Nordbahn im Dezember 2014 auf der Strecke Itzehoe-Hamburg ein „unglücklicher Start“ war (wir berichteten). „Nicht alle Probleme sind gelöst.“

Blasberg gehört zur Arbeitsgruppe Bahn, deren Mitglieder Politiker aller Parteien sowie Bahn-Experten sind. Zu ihnen gehören: Hartmut Sierck (SPD); Krafft-Erik Rohleder (CDU), Stefan Goronczy (FDP), Christine Berg (Grüne) und Siegfried Hansen (Piraten) sowie Pendler Heiko Schlüter und Bahn-Experte Lutz Thieme.

Sie haben gemeinsam eine Presseerklärung herausgegeben, indem sie versprechen gemeinsam für die Bürger – die Pendler – für eine bessere Bahnanbindung zu kämpfen. „Sieben Halte der Marschbahn sind gut, aber nicht gut genug“, teilen sie mit.

„Die Landesregierung ist jetzt in der Pflicht, die durch die Ausschreibung erzielten finanziellen Ressourcen für weitere Nordbahnzüge zwischen Itzehoe und Hamburg-Altona einzusetzen“, erklären die Mitglieder der Arbeitsgruppe. Sie wollen weiterhin bei der Landesregierung dafür kämpfen, dass Glückstadt eine ganztägige halbstündige Bahnanbindung nach Hamburg beziehungsweise Itzehoe behält.

Auch Vertreter der Oppositionsparteien auf Landesebene kritisierten die Entscheidung. Der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp sagt: „Das Ergebnis des amateurhaften Vergabeverfahrens im Netz West ist ein Schlag für alle Pendler an der Westküste.“ Es sei peinlich. „ Das Ergebnis der Ausschreibung bedeutet, dass es bis 2026 keine zusätzlichen Bahnhalte in Glückstadt und Tornesch geben wird. Die Pendler sind die Leidtragenden dieser dilettantischen Ausschreibung. Das Angebot wird auch nicht attraktiver, wenn man bei einer Fahrzeit von drei Stunden auf ein Catering verzichtet“, so Arp.

„Nach unserer Auffassung hätte zuerst verhandelt werden müssen und dann entschieden. SPD, Grüne und SSW geben dem Verkehrsminister Rückendeckung dafür, es genau anders herum zu machen.“

Landtagsabgeordneter Patrick Breyer (Piraten) hat in Kiel gegen die Neuvergabe des Streckennetzes gestimmt. Ein Grund: „Mit Glückstadt ist eine Stadt in der Metropolregion ohne Not von der Marschbahn-Anbindung abgehängt worden. Überzogene Wartezeiten in Altona und ein eingesparter Zug sind die Ursache dafür. Da helfen auch weitere Gespräche nicht. Die Landesregierung hat die Vergabe dennoch durchgesetzt und steht deshalb in der Verantwortung, die Anbindung Glückstadts anderweitig zu verbessern.“

Dass nur noch sieben Halte bleiben, bezeichnet der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voss „als Wermutstropfen für die Region“. Er spricht von „Fahrplanzwängen“. Weitere Halte in Glückstadt würden an verschiedenen Problemen im Netz haken: Am Netzknoten Heide und dort dem Anschluss zu den Zügen nach Büsum. „Zu eng ist auch der Knoten Elmshorn.“ Trotzdem verspricht er: „Wir werden dran bleiben, diese Hindernisse für weitere Halte der Marschbahn in Glückstadt zu begegnen. Die Einsparungen bei der Ausschreibung können helfen, dass zusätzliche Züge der Nordbahn auf der Strecke Itzehoe-Hamburg für Glückstadt zu einer Taktverdichtung führen. Die finanziellen Gestaltungsräume bieten hierfür eine Grundlage.

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