Baggern für neue Lebensräume

Machen aus einer weide eine artenreiche Landschaft:Philipp Meinecke (l). und Kåre Fog.
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Machen aus einer weide eine artenreiche Landschaft:Philipp Meinecke (l). und Kåre Fog.

Weidefläche in Reher soll Zufluchtsort für Kammmolch, Neuntöter und Co. werden

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16. Januar 2018, 13:37 Uhr

Mit einem Bagger ist die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein auf eine bisher intensiv genutzte Weidefläche in Reher angerückt. In dem Gebiet entlang der Wasbek sollen in den nächsten Jahren neue Lebensräume für bedrohte Arten entstehen. Die Naturschützer hoffen unter anderem auf die Ansiedlung von europaweit geschützten Laubfröschen und Kammmolchen sowie seltenen Braunkehlchen und Neuntötern.

In dem knapp drei Hektar großen Komplex soll aus dem Wirtschaftsgrünland wieder artenreiches, mageres und frisches Grünland werden – „ein Lebensraum, der in Schleswig-Holstein selten geworden ist“, betont Philipp Meinecke, Maßnahmenmanager der Ausgleichsagentur.
Dafür ergreifen die Naturschützer verschiedene Maßnahmen: Sie legen drei Teiche für das Laichgeschäft von Amphibien an. Mit dem dabei anfallenden Aushub wird ein neuer Knick aufgesetzt. Zum Schluss wird die Fläche eingezäunt und künftig als Sommerweide extensiv genutzt. Ein entsprechender Pachtvertrag sei mit einem örtlichen Landwirt abgeschlossen worden, so Meinecke. Von dem Maßnahmenmix würden auch verschiedene Insektenarten profitieren. Das fördere wiederum die Vogelvielfalt. Bereits vor zwei Jahren hat die Ausgleichsagentur auf der direkt angrenzenden Fläche – ebenfalls drei Hektar – einen neuen Wald gepflanzt. „Ausschließlich mit heimischen Gehölzen wie Rotbuchen und Eichen.“ Der Wald werde forstwirtschaftlich nicht genutzt, er bleibe sich selbst überlassen, betont Meinecke. „Wir schaffen hier neue Natur“, betont Kåre Fog, Mitarbeiter der dänischen Firma Amphi Consult, die das Anlegen der Teiche beaufsichtigt.

Das Gebiet in Reher hat die Stiftung Naturschutz für die so genannten Ökokonten erworben. Als Ökokonto wird die gezielte, vorzeitige Bevorratung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bezeichnet, die bei späteren Eingriffen in Natur und Landschaft als Kompensationsmaßnahmen angerechnet werden können. Mit Hilfe des Ökokontos werden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorgenommen, dokumentiert und verwaltet, bis sie einem späteren Eingriff zugeordnet werden können. „Es gibt genug Vorhabenträger oder Investoren, die dies nicht leisten wollen oder können“, sagt Philipp Meinecke. Diese könnten sich dann bei der Ausgleichsagentur melden. Das könnten große Unternehmen sein, die Ausgleichsgebiete für Strommasten benötigten, oder auch Landwirte, die Kompensationen für einen Stall bräuchten.

„Für den Vorhabenträger bedeutet dies ein Rundum-sorglos-Paket.“ Alle Abstimmungen würden mit der Ausgleichsagentur geführt. Dafür müssten die Investoren dann einen einmaligen Betrag zahlen.

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