Naturschutz : Bäume weichen für neue Tierarten

Besprechen den Fortgang der Arbeiten (v.l.): Antje Zimmermann, Tim Draeger, Förster Hinrich Schmidt-Harries und Ute Lange-Friedrichs von der unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Steinburg.
Besprechen den Fortgang der Arbeiten (v.l.): Antje Zimmermann, Tim Draeger, Förster Hinrich Schmidt-Harries und Ute Lange-Friedrichs von der unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Steinburg.

Die Stiftung Naturschutz lichtet Waldflächen in der Nordoer Heide. Dort soll neuer Lebensraum für seltene Reptilien und Insekten entstehen.

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05. Januar 2017, 12:00 Uhr

Bisher sucht man den Schmalbindigen Taumelkäfer vergebens in der Nordoer Heide. Doch das soll sich ändern. Die Stiftung Naturschutz will das Insekt in der Dünen- und Heidelandschaft ansiedeln. Auch Zauneidechse, Große Moosjungfer und der Breitrandkäfer sollen in dem Naturschutzgebiet heimisch werden. Doch dafür müssen einige Flächen durchforstet werden. „Wir brauchen mehr Platz für Tiere und Pflanzen, deren Lebensraum lichtdurchflutet sein muss“, sagt Antje Zimmermann, als Flächenmanagerin zuständig für die Steinburger Gebiete der Stiftung.

Seit Anfang der Woche lichtet die Firma Tim Draeger aus Kückels (Bad Segeberg) deshalb auf mehreren Flächen – insgesamt 13 Hektar – die Waldbestände aus Fichte und Kiefer sowie Pappel und Eiche stark aus. Auf den Dünen bleiben nach den Sägearbeiten nur einzelne, besonders breitkronige Bäume stehen. Dazwischen wird Platz geschaffen für Heidelbeere, Besenheide und Drahtschmiele. Auch der Heideweiher Krummschliet erfährt eine Verjüngungskur. Die Uferränder werden vom Baumbewuchs befreit, damit sich der Laubfall ins Gewässer reduziert und das Wasser wieder klarer wird. „Später soll die Wasserstelle auch noch entschlammt werden“, sagt Ante Zimmermann. Hinrich Schmidt-Harries, Revierförster des Bundesforstbetriebs Trave, begleitet die Arbeiten. Bezahlt werden sie über den Erlös aus dem Holzverkauf. Tim Draeger übernimmt mit seiner Firma die Auslichtung und vermarktet das Holz. „Um möglichst bodenschonend arbeiten zu können, setzen wir nur den kleinen Zehn-Tonnen-Bagger ein“, beschreibt Draeger seine Tätigkeit.

Hauptaugenmerk legt die Stiftung neben den beiden Käferarten auf die europaweit geschützte Zauneidechse und die Große Moosjungfer – eine Libelle, die dort eines ihrer letzten Vorkommen in Schleswig Holstein hatte. Um diese Arten dreht sich das 2016 gestartete Projekt „Frosch und Freunde“ der Stiftung Naturschutz, das wassergeprägte Lebensräume optimieren soll. Die Stiftung beteiligt sich damit an einem EU-finanzierten Projekt mit 38 Teilnehmern in Schweden, Dänemark und Deutschland. Dabei geht es vor allem um Amphibien, die zum Fortbestand Gewässer in sandigem Untergrund benötigen. Dazu zählen Kreuz-, Knoblauch- und Wechselkröte, die bereits 2009 dort viele neue nasse Wohnräume bekommen haben. Lebensräume sollen diese Arten nicht nur im Heideweiher Krummschliet finden, sondern auch in den zahlreichen anderen Tümpeln, die die Stiftung in den vergangenen Jahren hat anlegen lassen. Außerdem sollen die für die Zauneidechse wichtigen besonnten Dünenhänge wiederhergestellt werden. Bislang kommt diese Art im Gebiet nicht vor, soll aber wegen der optimalen Bedingungen in der Nordoer Heide wieder angesiedelt werden.

Die offenen Heiden und Wälder des ehemaligen Standortübungsplatzes Breitenburg Nordoe stehen als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) und als Naturschutzgebiet unter zweifachem Schutz. Im Managementplan für dieses Gebiet ist festgelegt, dass der Baumbewuchs auf den ehemaligen Dünenflächen regelmäßig ausgedünnt werden soll. Bereits 2009 richtete die Stiftung Naturschutz in der Nordoer Heide eine Weidelandschaft ein, in der die robusten Galloways, Highlands und Exmoorponys den wesentlichen Teil der Heidepflege übernehmen. Das reicht aber nicht aus. Da sich das Gebiet einige Jahre selbst überlassen war, hatten sich unter anderem die Kiefern stark ausgebreitet. Zum Managementplan gehört auch das 2011 begonnene Projekt „Life Aurinia“. Darin geht es um die Wiederansiedlung des Goldenen Scheckenfalters. Auch dafür mussten erst Lebensräume geschaffen werden. Die Ansiedlung ist mittlerweile geglückt, der Schmetterling fliegt wieder in der Nordoer Heide.

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