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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 19:01 Uhr

Naturschutz : Bäume unerlaubt abgesägt?

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Glückstädter Naturschützer kritisieren: Auf dem Gelände der ehemaligen Marinekaserne wurden eine Reihe von geschützten Bäumen gefällt

Der Kahlschlag ist nicht zu übersehen: Als Andreas von Hartz seinen Sohn zur Sporthalle im Marineviertel bringt, fällt ihm auf, dass auf dem ehemaligen Kasernengelände kürzlich zahlreiche Bäume gefällt wurden. Was den Glückstädter verwundert: Er hatte sich vor einiger Zeit den gültigen Bebauungsplan für das Gelände gründlich angesehen und ist der Meinung, dass zumindest ein Teil der nun gefällten Bäume dort eigentlich als erhaltenswert eingezeichnet sind. „Ich finde es bedauerlich, dass diese teilweise 70 oder 80 Jahre alten Bäume nun nicht mehr stehen“, sagt von Hartz. „Sie sind sicher nicht ohne Grund als schützenswert in den B-Plan aufgenommen worden.“

Andreas von Hartz bemüht sich um Klärung. Eine Anfrage per Email an das Glückstädter Rathaus bleibt unbeantwortet. Doch bei der Glückstädter Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) stößt er auf offene Ohren. Die NABU-Vorsitzende Dr. Sybille Petersen ist ebenfalls der Meinung, dass eine ganze Reihe von Bäumen nicht hätten gefällt werden dürfen – zumindest nicht ohne Sondergenehmigung in Verbindung mit Neuanpflanzungen. Selbst dann wäre der Verlust der alten Bäume bedauerlich, so Petersen. Sie würden beispielsweise seltenen Fledermäusen als Lebensraum dienen. „Alte Bäume haben im Naturhaushalt eine große Bedeutung, die durch Neuanpflanzungen leider erst nach Jahrzehnten wieder erreicht wird.“

Auch die NABU-Chefin fragt bei den Behörden nach, ob die Baumfäll-Aktion rechtens war – unter anderem bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, die normalerweise für solche Fragen zuständig ist.

„In diesem Fall aber nicht“, erklärt Abteilungsleiter Ulf Schünemann. „Wir sind dort nur in Ausnahmefällen zuständig. Die Situation ist rechtlich schwierig, weil die Bepflanzung durch den Bebauungsplan geregelt ist. Für dessen Einhaltung – auch was Bäume angeht – ist daher die Kreisbauaufsicht in Verbindung mit der Gemeinde zuständig.“ So regele ein Erlass des Umweltministeriums in Kiel die Zuständigkeiten.

Im Kreisbauamt hätte daher eine mögliche Sondergenehmigung für das Fällen der geschützten Bäume erteilt werden müssen. „Das ist aber nicht der Fall“, sagt der Leiter der Bauaufsicht Dirk Johannson. Seine Behörde prüfe nun, ob es zu einem Rechtsverstoß gekommen ist und welche weiteren Schritte notwendig sind.

Der Eigentümer des ehemaligen Kasernengeländes, der niedersächsische Bauunternehmer Jens Lange, bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass auf seinem Grundstück Baumfäll-Arbeiten ausgeführt wurden. „Es gab dort einige Sturmschäden, die beseitigt werden mussten.“ Geschützte Bäume sollten aber eigentlich nicht gefällt werden. Ob es dazu gekommen ist, will Lange selbst vor Ort prüfen. „Ich kann dazu jetzt nichts sagen, weil ich noch nicht in Glückstadt war seit die Arbeiten ausgeführt wurden.“

„Der NABU erwartet, dass für die widerrechtlich gefällten Bäume zumindest zusätzliche Ersatzpflanzungen durchgeführt werden beziehungsweise Ersatzzahlungen zu leisten sind“, sagt Dr. Sybille Petersen. Das hält auch Ulf Schünemann für realistisch: „Wurden Bäume widerrechtlich gefällt, ist ein Ausgleich zu leisten.“

 

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erstellt am 08.Feb.2015 | 16:00 Uhr

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