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Sicherheitsrisiko : Bäume auf Wrister Deich abgeholzt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vier große Pappeln am Bramauufer sind Geschichte. Die Bäume stellten ein Risiko für den Hochwasserschutz dar und mussten gefällt werden.

Ein Blick von der Bramaubrücke in der Stellauer Straße zeigt eine neue Flussansicht: Wo früher mächtige Bäume für ein idyllisches Uferbild sorgten, ist jetzt nur noch platte, grüne Deichfläche zu sehen. Vier hoch gewachsene Pappeln mussten aus Gründen des Hochwasserschutzes weichen.

Elisabeth Bratschke war entsetzt, als sie den kahlen Uferbereich sah. Die ehemalige Wristerin verknüpft mit dem baumbestandenen Flussabschnitt zahlreiche Erinnerungen an unbeschwerte Kindertage. Ihr Zuhause lag gleich hinter dem Deich, das Bramaugelände wurde vom Nachwuchs als Spiel- und Abenteuergelände genutzt. Heute wohnt Bratschke in Flensburg und ist in der alten Heimat nur noch zu Gast. Das „Missionshaus“ an der Bokeler Straße, in dem sie gemeinsam mit den Geschwistern aufwuchs, ist immer noch in Familienbesitz.

Bei einem Besuch beim Bruder musste sie entdecken, dass von den geliebten Bäumen noch Stümpfe übrig waren. Als Überbleibsel an glückliche Spielzeiten blieb ein Stammabschnitt mit Schaukelresten. Mit eisernen Kettenbändern war das Spielgerät an einer der Pappeln befestigt. „Ich bin im Kreis einer großen Geschwisterschar aufgewachsen“, erklärt Bratschke. Für die Kinder sei der Deich mit der Baumschaukel der schönste Spielplatz gewesen. Kam sie ordentlich in Schwung, schwebte die Sitzfläche immer auch kurz über dem Bramauwasser.

Genau dieses Wasser zeigte sich Weihnachten 2014 von seiner gefährlichen Seite. Seinerzeit trat das sonst so beschauliche Flüsschen in nicht gekannter Weise über die Ufer und überschwemmte Teile des Dorfs. Rund um die Uhr arbeiteten Einsatzkräfte und Freiwillige während der Feiertage daran, die Katastrophe eines Deichbruchs zu verhindern. Die Wrister waren geschockt über das unvorhergesehene Hochwasserereignis. Ein zweites Mal sollte dies nicht geschehen.

Zu den Sicherheitsmaßnahmen zählt auch die durch den zuständigen Deich- und Sielverband Stellau veranlasste Baumfällung. Die Sicherheitsgründe kann Elisabeth Bratschke nachvollziehen. „Aber musste ausgerechnet in der Brutzeit gesägt werden?“, fragt sie. Der Deich- und Sielverband verweist in diesem Zusammenhang auf die hohen Wasserstände in den Wochen zuvor. Da die Pappeln direkt am Deichfuß stehen, sei eine Fällung vor dem ersten März nicht möglich gewesen. Dies akzeptierte auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises und genehmigte die Fällaktion nach Paragraf 39 des Naturschutzgesetztes, welcher Ausnahmen für Maßnahmen vorsieht, die im öffentlichen Interesse zu anderer Zeit nicht durchgeführt werden können.

Nach Auskunft des Wasserbeschaffungsverbands (WBS) „Mittleres Störgebiet“, unter dessen Dach auch der Deich- und Sielverband Stellau angesiedelt ist, wurden die Bäume sorgfältig von einem Fachmann untersucht. Nester von brütenden Vögeln seien nicht gefunden worden, erklärt Wolfgang Möbius. Der WBS-Geschäftsführer macht deutlich: Die Fällung sei notwendig gewesen, um den Hochwasserschutz des Deichs dauerhaft sicherzustellen. Allein die Wurzelbildung der Gehölze habe seine Dichtfunktion massiv eingeschränkt. Außerdem seien die mächtige Bäume gefährlich für die anliegenden Häuser gewesen. Die Pappeln am Fluss sind für die Wrister nun Geschichte und werden nur noch auf alten Fotos zu sehen sein.

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