Lebensmittelhygiene : Bäcker kämpft gegen Behörde

Reinhold Witt ist ein streitbarer Bäcker.
Reinhold Witt ist ein streitbarer Bäcker.

Reinhold Witt hat seit Jahren Probleme mit den Lebensmittelkontrolleuren. Zwei Gerichtsverfahren hat der Glückstädter Bäcker bereits verloren. Doch er kämpft weiter. Die Staatsanwältin hält ihn für „beratungsresistent“.

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10. November 2013, 08:00 Uhr

Reinhold Witt (75) liegt seit Jahren im Clinch mit dem Veterinäramt. Der Glückstädter Konditormeister akzeptiert die Kontrolleure nicht, die seinen Betrieb prüfen. „Sie sind keine Fachleute.“ In einem besonderen Fall ging er jetzt vor Gericht. Allerdings verlor er, auch das Berufungsverfahren vor dem Landgericht. „Sie wollen meinen Betrieb kaputt machen“, sagt Witt über die Kontrolleure.

„In der Lebensmittelhygiene gibt es Vorschriften“, sagt dagegen Dr. Hans Treinies, Leiter des Veterinäramt. „Und diese müssen eingehalten werden.“ Die letzte Kontrolle bei Bäcker Witt sei in Ordnung gewesen. „Schade, dass er nicht sagen kann, jetzt ist gut. Für uns ist es jetzt gut.“ Zudem stellt sich Dr. Treinies vor seine Mitarbeiter. „Sie absolvieren eine lange, fundierte Ausbildung. Voraussetzung dafür ist, dass sie Meister im Lebensmittelhandwerk sind. Danach folgt eine zweijährige Ausbildung in Theorie und Praxis, unter anderem an der Akademie für öffentliche Gesundheit in Düsseldorf.“

Die Situation spitzte sich für Reinhold Witt im vergangenen Jahr zu. Er war wegen eines Herzinfarktes seit Ende Mai im Krankenhaus, als zwei Kontrolleure im Juni 2012 in sein Haus kamen. Das Geschäft war geöffnet. Die Mitarbeiter des Veterinäramtes stellten „katastrophale hygienische Mängel“ fest, wie es später vor dem Amtsgericht laut Staatsanwältin Dr. Sandra Nehlep hieß.

Reinhold Witt hielt im Gerichtssaal in der mehrstündigen Verhandlung dagegen: Er sei im Krankenhaus gewesen, in der Backstube würden außer ihm und einer Hilfskraft keiner arbeiten. Vielmehr habe er vom Krankenbett seine Frau angerufen und gebeten, alles in das Kühlfach zu stellen. Weil er nicht da war, hätte auch keiner sauber machen können. Sauber sei es sonst immer.

Den Kontrolleuren des Veterinäramtes unterstellte er vor Gericht, unsachgemäß gearbeitet und falsche Behauptungen aufgestellt zu haben. „Brotkäfer gibt es in meinem Betrieb nicht.“ Die habe einer der Kontrolleure mitgebracht, behauptete Witt vor Gericht. „Er hatte sie in der Tasche.“ Zudem unterstellte er den beiden Männern vom Veterinäramt, fachlich nicht kompetent zu sein. Wenn jemand bei ihm kontrollieren wolle, dann sollte es ein Fachmann sein, der etwas von Bäckereien versteht.

In diesem Punkt sind dem Glückstädter Bäckereibesitzer die Ämter bereits vor dem Gerichtstermin entgegengekommen. Er hatte eine Überprüfung von der Landesbehörde aus Kiel gefordert. Doch auch über deren Vertreter war Reinhold Witt entsetzt, als es ums Fachliche ging. Die Vertreterin der Fachaufsichtsbehörde habe ihm erklärt, dass sie zum ersten Mal eine Backstube kontrolliere. Und ihr Begleiter sei Chemiker gewesen.

Strittig sind für den Glückstädter auch die 157 Fotos, die die Kontrolleure als Beweismittel für Hygienemängel dem Gericht vorlegten. Sie könnte er widerlegen, sagte Witt vor Gericht.

Die Staatsanwältin hatte ihm vorgeworfen, dass er beratungsresistent sei. Er habe nicht zum ersten Mal Probleme mit den Mitarbeitern der Behörde gehabt. Auch dies kann Witt nicht akzeptieren: „Ich arbeite anders als andere Bäckereien. Ich arbeite nicht mit Fertigprodukten, sondern auf natürliche Art.“

Strittig war vor Gericht die Frage, ob in der Zeit seiner Krankheit in der Bäckerei gearbeitet wurde. Reinhold Witt sagt Nein, der eine Kontrolleur sagte aus: Ein anderer Bäcker habe dort seines Wissens nach ausgeholfen. Dies sagte er auch vor dem Landgericht aus. Reinhold Witt hat ihn jetzt in Folge wegen Falschaussage angezeigt.

Trotz der Niederlagen vor Gericht: So schnell will Witt nicht aufgeben. Jetzt hat er sich an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt. Da er sich seit Jahren mit den Vertretern des Veterinäramtes streitet, hat er sich auch an die Landräte – angefangen bei Dr. Burghard Rocke – als auch an die verschiedenen Ministerien gewandt. „Bis hin zu Torsten Albig.“ Manche haben ihm gar nicht geantwortet. Der jetzige Landrat hat ihm sogar mitgeteilt, dass er keine Briefe mehr von ihm beantworten wird.

Was Reinhold Witt aber freut: „Bei der jüngsten Kontrolle gab es keine Beanstandungen.“

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