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Findelkind in Hohenlockstedt : Baby vor Haustür abgelegt – Polizei hat Mutter gefunden

vom

Ein 39-Jähriger hört vor seiner Tür Babygeschrei. Als er die Tür öffnet, findet er einen kleinen Jungen.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 17:19 Uhr

Hohenlockstedt | Im Fall des Findelkindes aus Hohenlockstedt hat die Polizei am Dienstagnachmittag die Mutter ermittelt. Es handelt sich um eine junge Frau aus dem Kreis Steinburg. Das teilte die Polizei mit. Das Motiv ihres Handelns ist bisher noch unklar. Weitere Auskünfte von Polizei und Staatsanwaltschaft wird es zunächst nicht geben.

Der neugeborene Junge war am Montagabend gegen 17.30 Uhr von einem Bewohner entdeckt worden. Anwohner Alexander Hahn (39) hörte ein Wimmern und Weinen. Vor seiner Haustür in der Helgolandstraße in Hohenlockstedt (Kreis Steinburg) hatte jemand das Kind abgelegt. Das Baby habe lieblos eingewickelt in einen Kapuzenpullover und einem Unterhemd und ohne Windel auf den Stufen im Regen gelegen. „Hätte ich die Schreie nicht gehört, hätte das in einer Katastrophe enden können“, ist der selbstständige Handwerker geschockt. Er war gerade bei der Hausarbeit, als er das Weinen vernahm. „Ich dachte, dass das Schreien aus der Nachbarschaft kommt, jemand vielleicht Besuch hat. Es war purer Zufall, dass ich doch nachgesehen habe.“

Alexander Hahn fand das Neugeborene vor seiner Haustür.

Alexander Hahn fand das Neugeborene vor seiner Haustür.

Foto: Michael Ruff

Der 39-Jährige nahm den kleinen Jungen sofort an sich und alarmierte die Polizei. Die Geburt des Säuglings soll noch nicht allzu lange zurückliegen. „Es sieht so aus als sei es am Montag geboren worden“, erklärte Dr. Georg Hildebrand, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Itzehoe, wo der Junge betreut wird. An der Kleidung, in die das Neugeborene eingewickelt war, waren Blut und Wundwasser, erinnert sich Hahn. „Ich habe das Kind sofort mit nach oben genommen und geguckt, ob es verletzt ist.“ Die Nabelschnur war mit einem Plastikverschluss für Gefrierbeutel notdürftig abgeklemmt. „Das sah nicht gut aus. Aber ansonsten war das Kind rosig und machte einen guten Eindruck. Ich bin froh, dass es bei mir abgegeben wurde und ich mich rechtzeitig kümmern konnte.“

Ein Rettungswagen brachte das Kind in ein Krankenhaus. Laut Hildebrand ist das Baby wohlauf und trägt mittlerweile den inoffiziellen Namen Hannes. Das Jugendamt des Kreises Steinburg wird voraussichtlich die Vormundschaft für den Kleinen übernehmen.

Alexander Hahn kann die Mutter, die ihr Kind einfach aussetzte, nicht verstehen. „Das muss in unseren Land doch nicht sein. Es gibt Babyklappen und jede Menge Hilfe.“ Kinder großzuziehen sei nicht leicht, Hahn weiß wovon er spricht. Um seine zwei Kinder (8 und 10) kümmert er sich allein, arbeitet außerdem als selbstständiger Raumausstatter. „Auch wenn es manchmal schwer ist, meine Kinder würde ich um nichts in der Welt weggeben.“ Dass ihn der Vorfall so berührt, hätte er nicht erwartet. „Aber ich habe die ganze Nacht kein Auge zu bekommen.“

Auch im Internet bewegt der Fall des kleinen Hannes die Menschen. Alexander Hahn postete noch am Montagabend das Schicksal des Findelkindes. Innerhalb nur weniger Stunden wurde der Post bereits mehrere Tausend Mal geteilt. Bereits am Montagnachmittag sei das Baby vor dem Penny-Markt in Hohenlockstedt mit einer etwa 50 bis 60 Jahre alten Frau gesehen worden, die es in einem Kinderwagen teilweise unbeaufsichtigt vor dem Supermarkt stehen ließ.

Der 39-Jährige ist entsetzt, dass jemand sein Kind so weggibt.

Der 39-Jährige ist entsetzt, dass jemand sein Kind so weggibt.

Foto: Screenshot/Facebook

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