Baby kommt auf Landstraße zur Welt

Marco Magnussen, Daniel Döring und Nina Döring (v.l.) mit Baby Bonnie.
Marco Magnussen, Daniel Döring und Nina Döring (v.l.) mit Baby Bonnie.

Drei junge Autofahrer werden bei Flensburg unfreiwillig zu Geburtshelfern

shz.de von
26. Januar 2018, 17:38 Uhr

Friedlich schlummert die gerade mal zwei Wochen alte Bonnie in den Armen ihrer Mutter. Jetzt ist es kaum zu glauben, aber dieses tiefenentspannte Baby hatte es besonders eilig, auf die Welt zu kommen und das dann auch noch am Straßenrand zwischen Großenwiehe und Wanderup. In die Flensburger Diako hatten es Vater Daniel Döring und Mutter Nina nicht mehr rechtzeitig geschafft und so wurden Marco Magnussen (34), Nele (21) und Lea Petersen (19) zu Geburtshelfern.

Jetzt sind die drei nach Lindewitt gekommen, um die Familie das erste Mal nach der Geburt zu besuchen und von den bewegenden Minuten an der L 12 zu berichten. Ihre Gesichter leuchten, wenn sie von dem Donnerstag vor zwei Wochen sprechen.

Eigentlich hatte der 11. Januar ganz ruhig begonnen, erzählt Nina Döring. Die 30-Jährige war schon mit Wehen aufgewacht: „Die waren aber noch nicht so schlimm. Also haben wir uns etwas Zeit gelassen“, sagt die dreifache Mutter. Doch gegen 8.30 Uhr ging es richtig los. Die Wehen kamen im Abstand von vier Minuten. Die Mutter wusste: Jetzt muss es schnell gehen. Die Stimmung im Auto war angespannt. Kurz hinter Großenwiehe musste Daniel Döring anhalten: „Nina schrie: Sie kommt jetzt“, erinnert er sich.

Zur gleichen Zeit waren die Schwestern Nele und Lea Petersen unterwegs zur Berufsschule nach Flensburg, als ihnen das Auto mit eingeschalteter Warnblinkanlage auffiel. „Ich finde es ganz normal, dass man dann nachfragt, ob man helfen kann“, sagt Nele Petersen. Der panische Blick von Daniel Döring habe Bände gesprochen. „Er antworte nur: Meine Frau bekommt ein Baby im Auto“. „Ich habe sofort einen Notruf abgesetzt“, sagt Nele Petersen. Der Mitarbeiter in der Harrisleer Leitstelle gab präzise Anweisungen, was zu tun war und alarmierte einen Rettungswagen sowie Notarzt.

Und so nahm die Geburt ihren Lauf, mit Nele Petersen am Telefon, die die Anweisungen an Daniel Döring weitergab. Eine stressige Situation: „Daniel sagte: Der Kopf kommt. Ich schrie ins Telefon: Der Kopf kommt.“

In der Zwischenzeit hatte auch Marco Magnussen angehalten. „Ich dachte, es sei ’ne Panne“, sagt er. Schnell erklärte ihm Lea Petersen aber, dass im Auto gerade ein Kind geboren wurde. „Ich habe dann das Warndreieck ausgepackt, die Autos abgesichert und Decken aus meinem Auto geholt.“ Die wurden auch dringend gebraucht, denn um 9.03 Uhr – nur zwei Minuten nach dem Notruf – kam Bonnie zur Welt. Die Helfer wickelten das Baby in die Decken und warteten auf den Rettungswagen, der nach wenigen Minuten den Geburtsort erreichte. Nele und Lea Petersen machten sich auf den Weg in die Schule. Marco Magnussen blieb noch, bis der Notarzt eintraf. „So ein Erlebnis verändert das Leben“, sagt Lea Petersen.

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