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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 07:33 Uhr

Großbaustelle : B 431: Anwohner sind genervt

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Raser und Lkw auf den schmalen Umleitungsstrecken sorgen für Unfrieden / Am 8. August soll Fahrt durch Neuendorf wieder frei sein

Hinterm Reetdachhaus von Katrin Blodau liegt eine Scheune, dahinter erstrecken sich Felder, auf der gegenüberliegenden Straßenseite sieht es genauso aus, nur ohne Scheune. Idyllisch ist es: „Wir wohnen hier, weil es schön ruhig ist.“ Aber wenn die junge Mutter mit ihrem fünf Monate alten Sohn Henner spazieren gehen will, dann packt sie Kind und Wagen ins Auto und fährt zu ihren Eltern nach Klein Nordende. Denn ihre idyllische Wohnstraße Moorhusen in Neuendorf ist zur Umleitung für die Bundesstraße B 431 geworden. „Vormittags ist das ganz schlimm“, klagt Blodau: „Die Pkw sind nicht das Hauptproblem, es sind die großen Dinger und Raser.“ Tieflader, große Lkw – auf der kleinen Straße hat sie schon vieles gesehen: „Ich habe hier heulend zu Hause gesessen“, berichtet sie. Henners Kinderzimmer liegt zur Straße, wenn das Babyfon anschlägt, muss sie erst horchen, ob das Kind weint oder ein lautes Auto die Straße entlang fährt.

In Neuendorf wird eine Brücke im Zuge der B 431 erneuert, dadurch ist die Verbindung von Elmshorn nach Kollmar und Glückstadt unterbrochen. Wer aus Elmshorn in der Verlängerung der Schulstraße auf die B 431 fährt, wird an den Ecken Flamweg und Kirchensteig auf die Sperrung hingewiesen. Die Schilder sind allerdings für Ortsfremde im Vorbeifahren schwer zu erfassen. An der Raaer Dorfstraße und in Neuendorf an der Einmündung Moorhusen stehen dann Absperrungen samt Sackgassenschildern auf der Straße. Letzte Möglichkeit ist das Abbiegen nach Moorhusen, diese Umleitung empfiehlt auch das Navigationsgerät.

Aber die Straße ist nicht dafür ausgelegt, so viel Verkehr aufzunehmen, schon gar keinen Schwerlastverkehr. Maximal 5,5 Tonnen und 30 Stundenkilometer, darauf weisen am Anfang der Straße gleich doppelte Schilder hin. Trotzdem: „Rasen tun die“, schimpft eine Anwohnerin. Ihr Mann zeigt auf eine Baumreihe in der platten Landschaft, die Grüne Straße, einen kleinen Weg in Richtung Langenhals: Da schicken die Navigationsgeräte Autofahrer lang. „Vorgestern stand da ein dreiachsiger Lastzug drin“, erzählt er: „Gestern Morgen ist eine Frau in den Kanal gefahren.“ Immerhin, seit am Wochenanfang eine Absperrbake am Eingang der Straße aufgestellt wurde, kämen weniger Lastwagen durch Moorhusen.

Ein Stück weiter, in der Raaer Dorfstraße, sieht das anders aus: „Von 100 Autos sind 60 Lastwagen“, schätzt Ute Senff. Sie hat einen Reiterhof an der Straße und beschreibt die Verkehrslage: „Massen, soetwas habe ich noch nicht gesehen.“ Vor allem Wochenenden seien eine „Katastrophe, wenn alle nach Kollmar oder Glückstadt wollen.“ Ihr Urteil über das Baustellenmanagement: „Wie kann man eine Umleitung so bescheuert machen?“

Wer an der ersten Absperrung in die Raaer Dorfstraße einbiegt, landet wieder in Elmshorn; Lastwagen allerdings werden am Denkmal geradeaus geschickt in den Raaer Lander, eine schmale, gewundene Straße, die in die Siethwender Chaussee mündet. Ohne Navigationsgerät wird es schwierig, nach Kollmar oder Glückstadt zu finden.

Ein Radlerpärchen steht an der Ecke Moorhusen ratlos vor der Absperrung. Sie rätseln, „wie wir jetzt nach Glückstadt kommen, da steht unser Auto“. Sie wollen es über Moorhusen versuchen und nehmen es sportlich: „Wir kriegen unsere 100 Kilometer noch voll.“ Gelassen sieht es auch der Anwohner in Moorhusen: „Man sieht dolle Autos, offen und geschlossen“, er beobachtet Wohnmobile aus Holland, Dänemark und Schweden.

Der Silberstreif am Horizont: Ende kommender Woche, am 8. August, soll die Fahrt über die B 431 durch Neuendorf wieder frei sein.

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