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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 06:13 Uhr

INTEGRATION : Austausch der Kulturen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Beim „Dialog in Deutsch“ in der Stadtbibliothek Itzehoe sollen Deutsche und Migranten miteinander ins Gespräch kommen.

von
erstellt am 14.Mai.2014 | 05:00 Uhr

An der Volkshochschule machen sie einen Sprachkurs, knüpfen erste Kontakte, lernen bei Ausflügen in die Stadt und Umgebung ihre neue Heimat kennen. Doch wenn der Kurs endet, sind die Migranten traurig. „Sie fallen in ein Loch“, weiß VHS-Leiterin Corinna Ahrens-Gravert. Wie schön wäre es, wenn sie einen festen Treffpunkt hätten, einen Ort der Begegnung, an dem sie ihre Deutschkenntnisse verfestigen, ihre Kontakte vertiefen, neue Erfahrungen sammeln können.

Diesen Treffpunkt will die Stadtbibliothek nun mit dem „Dialog in Deutsch“ schaffen. Das Konzept werde von den Bücherhallen Hamburg schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich betrieben, erklärt Patricia Fasheh. Als Andrea Schlemminger von der VHS mit einer Asylbewerbergruppe, die am Orientierungs- und Deutschkurs teilnahm, die Stadtbibliothek besuchte, kam man ins Gespräch – und die Idee, den „Dialog in Deutsch“ auch in Itzehoe zu ermöglichen, wurde geboren.

„Es soll eine kostenlose Gesprächsgruppe sein für Menschen mit Migrationshintergrund, die schon ein bisschen Deutsch können“, erklärt Patricia Fasheh. Ab morgen können sie sich jeden Donnerstag von 14.30 bis 15.30 Uhr – bei Bedarf auch länger – treffen und klönen, aber auch ihr Wissen vertiefen und vielleicht sogar Freundschaften knüpfen. Ganz zwanglos und niedrigschwellig, ohne Anmeldung. „Die Bibliothek soll Aufenthaltsort sein, aber auch Lernort“, erklärt die Mitarbeiterin. „Wir haben die entsprechenden Medien hier, die genutzt werden können.“ Für den Anfang habe man sich Themen überlegt, über die geredet werden kann, doch „es wird sich bestimmt auch ganz viel von selbst ergeben“. Treffpunkt ist direkt neben dem Kinder-Bereich, so dass auch Kinder mitgebracht und beschäftigt werden können.

Auch deutsche Muttersprachler sind dazu eingeladen, damit ein Austausch der Kulturen stattfinden kann, betont Bibliotheksleiterin Traute Jankowski-Seebandt. Denn das Projekt wird zwar intensiv von Patricia Fasheh und der Auszubildenden Saskia Maier begleitet, doch auf lange Sicht ist angestrebt, dass Ehrenamtler die Betreuung in die Hände nehmen.

Der Kontakt zu Deutschen sei entscheidend, weiß Andrea Schlemminger. „Es ist wichtig, Kontakte herzustellen, damit die Migranten mit der deutschen Gesellschaft in Berührung kommen. Die, die Kontakte haben, blühen auf und ihr Deutsch wird immer besser.“ Die Treffen seien eine sehr schöne Ergänzung zum Angebot der VHS, meint Corinna Ahrens-Gravert. Es sei auch wichtig, dass die Migranten die Bücherei als Aufenthaltsort kennen lernen. „Einige, die aus dem Kreis kommen, müssen manchmal warten, bis ihr Bus fährt. Sie sagen dann vielleicht: ‚Dann gehe ich so lange noch in die Bibliothek‘.“

Man wolle zum einen für eine Willkommenskultur sorgen, betont Traute Jankowski-Seebandt. „Über persönliche Kontakte kommt ein Miteinander zustande. Und das ist es doch, was wir wollen.“ Davon profitierten alle Seiten. „Diese Menschen habe auch einen ganz großen Erfahrungs- und Wissensschatz, den wir noch gar nicht kennen und nutzen.“ Doch auch die Bücherei selbst habe etwas davon. „Wir können für die Bibliothek eine sehr viel gezieltere Bestandsaufnahme machen: Was wird gebraucht, welche Sprachen sind überhaupt gefragt?“, erklärt Patricia Fasheh.

„Es befruchtet sich gegenseitig“, ist Traute Jankowski-Seebandt überzeugt. Und die Erfahrungen in Hamburg seien durchweg positiv. „Das macht wirklich Mut.“

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