zur Navigation springen

Ausstellung: Ästhetik der menschenleeren Architektur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auf ganz unterschiedlichen Ebenen thematisiert Fotograf Hendrik Spohler in seinen Bildern das wirtschaftliche Verhältnis zwischen Mensch und Flora. Und er zeigt Innenansichten der modernen Industrie- und Datengesellschaft. Das Palais für aktuelle Kunst zeigt die Werke des Fotografen in einer Ausstellung im Rahmen des Kulturmärzes. Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 1. März, um 11.30 Uhr.

„Zu sehen sind unter anderem Bilder aus dem Projekt ,Der Dritte Tag‘ von Hendrik Spohler“, sagt Kuratorin Christiane Opitz. „Die Motive zeigen Monokulturen unter freiem Himmel in den USA oder unter Glas und Plastik in den Niederlanden und Spanien. Die Innenansichten von Forschungsinstituten geben dann weitere Einblicke in jene Orte, an denen immer neue Züchtungslinien entstehen und getestet werden. Orte, wo der Mensch am Ende selbst zum Schöpfer wird, wenn er Gentechnik einsetzt, um den Pflanzen noch profitablere Eigenschaften zu geben.“

Mit den Bildern aus der Serie „Global Soul“ dringt Henrik Spohlers zu den Innenansichten moderner Industrieproduktion vor. Seine präzise dokumentarische Farbfotografie zeichnet aus vielen verschiedenen Produktionsstätten das Bild einer einzigen imaginären Megafabrik. Und nirgends ist ein Mensch.

„Absurd, dass sich der Mensch selbst abschafft“, zitiert Opitz den Fotografen F.C. Gundlach. In den Kompositionen Henrik Spohlers geraten Anlagen und Hallen zur faszinierenden Abstraktion und zeigen eine schwer deutbare Komplexität, die weit über die Bildebene hinausweist. Der Zeit-Journalist Christof Siemes schreibt im Buch zu „Global Soul“: „Henrik Spohler hat sich mit seiner Kamera in den hochglanzpolierten Maschinenraum der Weltseele vorgewagt. Mitgebracht hat er keine endgültigen Einsichten, sondern perfekte Fragen – nach dem modernen Paradies genauso wie nach dessen Abgründen.“

Die Orte des Datenflusses, die Henrik Spohler aufsuchte, sind die Rückseite der Informationsgesellschaft. Normgraue Räume, in denen selbst die farbigen Ethernet-Kabel nicht einmal andeutungsweise die Richtung der verarbeiteten Daten anzeigen. Dort, wo das eigentliche Herz der Informationsgesellschaft schlägt, verlaufen die Prozesse so unsichtbar wie in den Synapsen des menschlichen Gehirns. Gerade dieser Abstraktionsgrad macht die Bilder zur Allegorie für die Gleichzeitig- und Gleichwertigkeit von Daten im digitalen Zeitalter. Und ob im Knotenrechner DE-CIX in Frankfurt, durch dessen Adern immerhin 80 Prozent des deutschen Internetverkehrs laufen, gerade der Zahlungsverkehr für einen Sechserpack Tennissocken abgewickelt oder eine mittelhochdeutsche Seminararbeit verschickt wird? Die ortlosen und menschenleeren Architekturen sprechen von der Ästhetik, die sich dieser Zivilisationsgrad schafft. Die Fotografien entstanden in den Jahren 2000 und 2001.

> Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Feb.2015 | 17:22 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen