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Sommer in Sommerland : Ausgetrocknet: Nur Regen kann helfen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anhaltende Trockenheit führt zu Fischsterben in Siehtwende. Anwohner sind besorgt über mögliche Auswirkungen auf Gebäude.

Das eigentlich ein kleiner Fluss durch den Ortskern von Siethwende fließt, ist im Moment nur noch anhand der Uferböschung zu erkennen. Wasser fließt nicht mehr in der Löwenau. Teichhühner laufen trockenen Fußes von einem Ufer zum anderen. An einigen Stellen glänzt noch ein wenig Nass, aber der Großteil des Flussbettes besteht nur noch aus mit Algen überwuchertem Matsch. „Das ist doch kein Zustand. Die Fische sterben, und die vielen Vögel finden keine Nahrung mehr“, ärgert sich Hans-Hermann Lefenau. Der 69-Jährige lebt seit seiner Geburt direkt an der Löwenau. „Früher war das Wasser klar und es gab hier Fische ohne Ende“, erinnert er sich. „Jetzt bei der Trockenheit muss hier unbedingt Wasser eingeleitet werden, damit nicht alles völlig austrocknet.“

Lefenau macht sich nicht nur Sorgen um die Tierwelt: Er befürchten auch, dass der niedrige Wasserstand negative Auswirkungen auf die angrenzenden Häuser hat. „Wir haben hier Moorboden und die Fundamente der Gebäude sind auf Pfählen gegründet.“ Trocknet der Untergrund aus, kommen die Pfähle in Bewegung, was zu Rissen im Mauerwerk führen kann, meint Lefenau. Mit seinen Befürchtungen steht der Rentner nicht allein. Auch andere Anwohner seien besorgt über die Situation. Helga Ellerbrock, Bürgermeisterin der Gemeinde Sommerland, zu der Siethwende gehört, bemühte sich bereits vor Wochen um eine kurzfristige Lösung: „Leider ist das wegen der ausbleibenden Niederschläge wohl schwierig. Wir als Gemeinde können da nur vermitteln. Zuständig für den Wasserstand ist der Sielverband Rhingebiet.“

Dort sind die Probleme bekannt. Verbandsvorsteher Harald Wendtland sieht allerdings keine Gefahr für die Häuser in Siethwende: „Die Grundstücke werden nicht über die Löwenau entwässert. Der Wasserstand in der Au hat daher nichts mit dem Grundwasserspiegel unter den Häusern zu tun.“ Das Fischsterben würde man allerdings auch beim Verband, der sich um die Entwässerung der Gebiete zwischen Horst und Glückstadt kümmert, gern verhindern. Im Moment sieht Wendtland jedoch keine Möglichkeit etwas an der Situation zu ändern. Laut dem Verbandsvorsteher gäbe es theoretisch drei Möglichkeiten mehr Wasser in die Löwenau zu bekommen, die aber alle nicht kurzfristig umsetzbar sind.

Der kleine Fluss ist nicht mehr Teil des aktuellen Bewässerungssystems Richtung Elbe. In den achtziger Jahren wurde er davon abgekoppelt und ist heute ein „toter Arm“. Allerdings gibt es zwischen der Kreuzung Dückermühle und der Straße Kamerland noch eine Verbindung zum Schwarzwasser und damit zum Schöpfwerk des Rhingebietes in Glückstadt. „Dort befindet sich eine Rückschlagklappe, über die Wasser vom Schwarzwasser in die Löwenau fließen kann“, erklärt Wendtland. Sie ist auch geöffnet, aber der Wasserstand ist zu niedrig, als das viel einlaufen könnte. Damit mehr Wasser bis nach Siethwende fließen könnte, müsste der Pegelstand im Schwarzwasser über das Schöpfwerk deutlich erhöht werden. Das ist laut Wendtland aber nicht möglich, weil sonst niedrig gelegene landwirtschaftliche Flächen etwa im Bereich Engelbrechtsche Wildnis oder Herrenfeld unter Wasser stehen würden. „Wir sind aktuell mit dem Pegel schon an der oberen Grenze. Höher geht es nicht, sonst stehen Gemüsefelder und Weiden unter Wasser.“

Als zweite Möglichkeit könnten Mitarbeiter des Sielverbandes Wasser aus der anderen Richtung, aus Horst, in die Löwenau einleiten. Auch dort gibt es Verbindungen zu dem Wasserlauf. Allerdings herrscht auch im Bereich Horst wegen der geringen Niederschläge in den vergangenen Monaten Wassermangel. Wendtland: „Wenn wir von Horst umleiten, wird es dort zu trocken.“

Dritte Möglichkeit wäre die Au auszubaggern, um sie zu vertiefen und so wieder mehr Wasser aus Richtung Elbe einlaufen lassen zu können ohne die tieferen Äcker und Felder nahe Glückstadt zu überfluten. „Das ist allerdings nicht einfach so möglich, sondern mit großem Aufwand verbunden und könnte frühestens im Herbst durchgeführt werden.“ Außerdem hilft Baggern laut Wendtland immer nur kurzfristig, da die Löwenau aufgrund des moorigen Untergrundes stets sehr schnell wieder verflacht. Eine andere, dauerhafte Lösung sei nur durch größere bauliche Veränderungen am Bewässerungssystem möglich, die komplizierte Planungsverfahren erfordern würden. „Im Moment kann daher nur kräftiger Regen etwas an der Situation ändern.“

Hans-Hermann Lefenau kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Seiner Meinung nach müsste die Löwenau wieder in einen Zustand versetzt werden, so dass sie auch im Sommer Wasser führt. „Eigentlich hieß es seinerzeit als die Au vom Bewässerungssystem abgekoppelt wurde, dass immer Wasser vorhanden sein sollte – auch weil die Überläufe von Hauskläranlagen in den Fluss entwässert werden.“ Der ehemalige Landmaschinenmechanikermeister hofft, dass sich bald etwas ändert. Besonders liegt ihm das Storchenpaar am Herzen, dass auf dem alten Meiereischornstein in Siethwende gebrütet hat.

„Die Störche suchen häufig Nahrung im Uferbereich. In diesem Jahr hatten sie schon Probleme ihre Jungen zu ernähren. Es wäre doch traurig, wenn sie im nächsten Jahr nicht wieder hier brüten, weil sie hier keine Nahrung mehr finden.“

 

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erstellt am 03.Aug.2014 | 08:05 Uhr

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