Schießsport in Itzehoe : Ausgeschossen: Verein gibt auf

Zusammen 91 Jahre Schützengilde: Ehrenmitglied Rolf Danner, Oberschützenmeisterin Marion Mohr und Liquidator Klaus Joachim Henck (r.) auf dem nicht mehr genutzten Schießstand.
Zusammen 91 Jahre Schützengilde: Ehrenmitglied Rolf Danner, Oberschützenmeisterin Marion Mohr und Liquidator Klaus Joachim Henck (r.) auf dem nicht mehr genutzten Schießstand.

Wellenkamper Schützengilde vor der Auflösung. Gelände und Grundstück fallen zurück an die Stadt.

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17. Juli 2018, 05:01 Uhr

Der letzte Schuss ist vor Monaten gefallen. Wo vorher viele Ehrentafeln an den Wänden hingen, sind nur noch weiße Flecken. Das Vereinsheim der Schützengilde Wellenkamp Itzehoe von 1959 am Wolterskamp wird ausgeräumt. In einigen Monaten wird der Verein Geschichte sein.

„Bis 2010 war hier immer guter Betrieb“, sagt Klaus Joachim Henck. Eine gute Gemeinschaft habe es gegeben, es wurde viel geschossen und gefeiert – „das Vereinsleben war intakt“, sagt der 72-Jährige. Nun ist der Schatzmeister zum Liquidator bestellt und bildet mit Schriftwart Finn Schamerowski, Oberschützenmeisterin Marion Mohr, und Jugendleiter Jan-Hendrik Neumann den letzten Vorstand der Gilde, die 2014 mit Gerd Scholz und Ilse Pede ihr letztes Königspaar hatte.

Ein Grund für das Aus: „Es wollen alle nur schießen und gemütlich zusammen sein, aber keine Verantwortung übernehmen“, sagt Ehrenmitglied Rolf Danner (72). Doch selbst das Schießen wurde weniger, die geforderten Teams im gleichen Alter waren nicht mehr zu bilden. So seien Mitglieder zu anderen Vereinen gegangen, sagt Henck. Die Zahl der Aktiven in Wellenkamp schrumpfte auf eine Handvoll. Einnahmen fehlten, der Plan für dieses Jahr sah bei Ausgaben von 11 000 Euro ein Minus von 6000 Euro vor – „wenn wir weitergemacht hätten, würden wir ausbluten“.

Im Februar wurde die Auflösung des da noch rund 100 Mitglieder starken Vereins beschlossen. Schwund habe es schon zuvor gegeben nach einer Fehlinformation, wonach der Verein, also die Mitglieder, den Rückbau des Vereinsheims auf dem gepachteten städtischen Grundstück bezahlen müsse. Stimmt nicht, die Stadt wird das Areal mit Gebäude übernehmen. Es gebe bereits einen Interessenten dafür, so Frank-Dieter Simon aus dem Rathaus. Das Ziel sei nicht Wohnbebauung, „ein anderer Verein ist insbesondere an der Nutzung des Gebäudes, aber auch von Teilen des Grundstückes interessiert“. Ob diese Nutzung funktioniere, werde derzeit geprüft.

Für die Schützen bleibt nur das Ausräumen, im Herbst soll Übergabe sein. „Jeder Verein hat uns beneidet um die Räumlichkeit und die zehn Schießstände“, sagt Danner. Er macht bei den Lola-Sportschützen weiter, mit denen zuvor gemeinsam Teams gebildet wurden. Und er ärgert sich, dass nach dem Verbandsliga-Aufstieg unter dem Namen Wellenkamp wieder in der niedrigsten Liga gestartet werden muss.

Ebenfalls ärgerlich: Vieles im Schützenheim ist noch wie neu, weil es nach dem Brand im Jahr 2009 erneuert wurde. Doch es wird nicht mehr benötigt, ebenso wie viele Erinnerungen. Königsketten und Fahnen gingen laut Henck ins Stadtarchiv, der Rest komme auf den Müll. „Das will keiner mehr haben – eine Schande.“ Die Abwicklung des Vereins, da sind sich Henck und Danner einig, mache keinen Spaß, ganz im Gegenteil: „Das tut richtig weh.“

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