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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 08:17 Uhr

Ausbildungsbereitschaft ist hoch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dennoch sind 200 Schulabgänger ohne Lehrstelle und auch Betriebe suchen noch Azubis

Die Ausbildungsbereitschaft in den Kreisen Dithmarschen und Steinburg ist hoch. Höher, als in den meisten anderen Regionen. Die Quote (Anteil der Auszubildenden an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten) liegt bei 8,7 Prozent. Landesweit beträgt sie lediglich 6,8 und bundesweit 5,6 Prozent. 480 junge Frauen und Männer haben im Kreis Steinburg bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) einen Ausbildungsvertrag in diesem Jahr unterschrieben, 472 in Dithmarschen. Mehr als im vergangenen Jahr.

Dennoch konnten nicht alle Ausbildungsstellen besetzt und nicht alle Bewerber vermittelt werden. 1697 Ausbildungsstellen wurden der Agentur gemeldet – in Dithmarschen nur 13,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur 3,5 Prozent mehr in Steinburg. Aber noch immer sind fast 200 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Auf der Beliebtheitsskala ganz oben steht der Verkäufer, gefolgt von Kaufleuten im Einzelhandel und dem Fachverkäufer Bäcker. Zwar werden auch in diesem Bereich noch Azubis gesucht. Aufgrund der mangelhaften Infrastruktur ist es für die Jugendlichen aber oft unmöglich, auch zum Ausbildungsbetrieb zu gelangen. „Für die jungen Leute, die aktuell noch auf der Suche nach einer Ausbildung oder einer Bildungsmöglichkeit sind, werden wir unsere Bemühungen gemeinsam mit den Kammern fortführen und versuchen, auch diesen Jugendlichen ein passendes Angebot anzubieten. Eine abgeschlossene Ausbildung ist noch immer der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit“, betonte Ronald Geist, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Heide, bei der gestrigen Pressekonferenz.

Die Suche nach der passenden Ausbildung ist nicht einfach. Die Agentur für Arbeit hat daher ihre Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert. Im RBZ in Itzehoe wird zum Beispiel jede Woche eine persönliche Beratung für die Schüler angeboten. „Kein Jugendlicher soll zwischen Schule und Ausbildung verloren gehen“, betont Geist. Schüler sollten nicht nur einen, sondern am besten drei Berufswünsche haben. „Das erhöht die Ausbildungschancen deutlich“, macht Dr. Paul Raab von der IHK in Steinburg deutlich. „Eine duale Ausbildung muss sich nicht hinter einem Studium verstecken.“ „Wichtig ist, etwas zu suchen, was zu einem passt“, ergänzt Telsche Ott von der IHK in Heide.

Auffällig sei in diesem Jahr gewesen, dass mehr Abiturienten die Berufsberatung nicht nur mit dem Wunsch nach einem Studium aufgesucht hätten, sondern auch Interesse an betrieblichen Ausbildungsplätzen und auch dualen Studiengängen hätten. „Immer mehr Betriebe gehen auch Kooperationen mit Schulen ein“, so Paul. Der Fachkräftebedarf ist groß. Auch schwächere Schüler hätten jetzt eine Chance, betont Telsche Ott. Viele Unternehmen würden niederschwellige Berufsausbildungen wie Lagerlogistiker anbieten.

Besonders betroffen vom mangelnden Interesse der Schulabgänger ist die Gastronomie. Eine Branche, die so händeringend nach Auszubildenden sucht, dass sie sogar im Ausland darum wirbt. In diesem Jahr haben zum ersten Mal junge Spanier in Dithmarschen ihre Ausbildung begonnen. Einfach ist es für die Südeuropäer aber nicht. Sieben waren es am Anfang. Vier sind bisher geblieben. Ott: „Eine Lösung kann dies nicht sein.“ Erforderlich sei eine Verbesserung des Images. „Die eigene Ausbildung ist weiterhin die beste Möglichkeit der zukünftigen Fachkräftesicherung und somit auch ein wichtiger Standortfaktor. Jugendliche, die keine Ausbildung finden und deswegen die Region verlassen müssen, fehlen uns als zukünftige Fachkräfte“, weiß Geist.

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erstellt am 03.Nov.2014 | 12:26 Uhr

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