Alleinerziehend in den Job : Ausbildung trotz Kind

Dank Beraterin Astrid Nielsen von Frau & Beruf (l.) kann Nele Marks (r.) Mutterschaft und Ausbildung unter einen Hut bringen. Sehr zur Freude von Gleichstellungsbeauftragter Wiebke Tischler.
Dank Beraterin Astrid Nielsen von Frau & Beruf (l.) kann Nele Marks (r.) Mutterschaft und Ausbildung unter einen Hut bringen. Sehr zur Freude von Gleichstellungsbeauftragter Wiebke Tischler.

Nele Marks aus Kellinghusen hat einen Weg mit Perspektive gefunden: Eine Lehrstelle in Teilzeit.

shz.de von
22. August 2018, 12:45 Uhr

Start in eine Ausbildung? Für viele junge Menschen kein großer Aufreger. Nele Marks hingegen strahlt mit der Sonne um die Wette. Für sie ist der Einstieg in die qualifizierte Berufsausbildung ein großer und wichtiger Schritt. Die alleinerziehende junge Mutter von zwei kleinen Mädchen, vier und fünf Jahre alt, geht einen besonderen Weg. Sie absolviert die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in Teilzeit. „So kann ich auch meinen familiären Verpflichtungen nachkommen“, sagt sie.

Auf die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung machte sie die Beratung von Frau & Beruf im Kreis Steinburg aufmerksam. Astrid Nielsen von der Beratungsstelle und Wiebke Tischler, Gleichstellungsbeauftragte im Amt Kellinghusen, teilen die Freude der jungen Frau. In gewisser Weise stehe Marks’ beruflicher Werdegang als Beispiel für die derzeitige Entwicklung, sagt Nielsen. Früher habe sie Frauen beraten, die nach lange Unterbrechung durch eine Familienzeit wieder den Anschluss an das Berufsleben finden wollen. „Heute sind es vermehrt junge Frauen in Elternzeit, die nach ein oder drei Jahren wieder einsteigen wollen.“ Dazu gehört auch die Zielgruppe junger Mütter, die eine Ausbildung in Teilzeit machen. Die Beratung könne immer nur den Anstoß zu weiteren Schritten geben, stellt Nielsen heraus. „Der Ansatz ist, Frauen so zu stärken, dass sie sich auf den Weg machen.“

Die meisten fänden über Mundpropaganda den Weg zur ihr. „Manchmal haben Frauen den Hinweis über Jahre an ihrer Pinnwand hängen, bis sie den Entschluss fassen, zu uns zu kommen“, weiß Nielsen. Das sei auch richtig so, denn in jedem Fall gelte: „Die Frau bestimmt das Tempo.“

Ein gemeinsam erarbeitetes Profil zu Beginn der Beratung zeige, was geht, sagt Nielsen. „Im Vordergrund steht, eine realistische Perspektive zu entwickeln.“ Dies beinhalte auch, Institutionen zu finden, die weiterhelfen, wie etwa Bildungseinrichtungen, Jobcenter, Unternehmen oder Handelskammern. Niedrigschwellig hält die Einrichtung ihr Angebot durch regelmäßige Termine vor Ort. „Es ist toll, das die Beratungsstelle raus aufs Land kommt und individuelle Gespräche nachmittags anbietet“, erklärt Tischler.

Sinnvoll wäre auch eine Beratung in Schulen, sagt Nele Marks. Als sie seinerzeit schwanger in einer 12. Gymnasiumsklasse saß, habe sie keine Ahnung gehabt, wie es beruflich weitergehen könnte. „Da habe ich mich ziemlich allein gelassen gefühlt.“ Sie verließ die Schule mit dem Abschluss Fachabitur und durchlebte anschließend die Erfahrung vieler junger Mütter: Obwohl sie ihre kleinen Töchter abgöttisch liebt und einen „supertollen Kontakt“ mit dem Papa hat, sackt ihr Selbstwertgefühl in den Keller. „Ich dachte, ich bin alleinerziehend und es klappt nichts.“ Hinzu kam die zum Teil offene Geringschätzung gegenüber der alleinerziehenden „Rabenmutter“. Eindeutig ein Fall für die rote Karte, so die drei Frauen. „Wenn jungen Müttern aus der Gesellschaft heraus der Eindruck vermittelt wird, sie seien weniger wert, macht das sehr betroffen“, unterstreicht Tischler.

Aus dem Tief heraus zog sich Nele Marks mit Unterstützung von Astrid Nielsen: Sie ging zur Beratung von Frau & Beruf und erfuhr dort von der Teilzeitausbildung für junge Mütter. „Die Beratung hat mir unheimlich viel Stärke gebracht“, sagt Marks. Um ganz sicher zu sein, dass sie die Ausbildung als Alleinerziehende schaffen würde „und auch als Versicherung für meinen Chef“, startete sie den Weg ins Berufsleben mit der Einstiegsqualifizierung, einer Mischung aus Lernen in der Berufsschule und Arbeiten im Unternehmen. Heute versichert die stolze Mutti und Auszubildende: „Für mich ist es genau richtig gelaufen.“

Kostenlose und individuelle Beratung: Die Beratungsstelle Frau & Beruf im Kreis Steinburg läuft unter Trägerschaft der Entwicklungsgesellschaft Brunsbüttel (Egeb) in Partnerschaft mit dem Volkshochschulverein des Kreises Steinburg. Hauptaufgabe ist eine kostenlose, neutrale sowie individuelle und vertrauliche Beratung zur beruflichen Orientierung von (Wieder)-Einsteigerinnen in den ersten Arbeitsmarkt. Beratungsorte sind Itzehoe, Glückstadt, Kellinghusen und Schenefeld. Kontakt telefonisch von Montag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr 04821/403028-54, E-Mail: beratung@frauundberuf-egeb.de, nielsen@frauundberuf-egeb.de


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