Hochwasser : Ausbaggern ist Quatsch

Zurzeit ist die Stör keine Gefahr, sie führt derzeit extremes Niedrigwasser. Gegen das Hochwassetr hilfe nur eine Aufweitung in diesem Bereich.
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Zurzeit ist die Stör keine Gefahr, sie führt derzeit extremes Niedrigwasser. Gegen das Hochwassetr hilfe nur eine Aufweitung in diesem Bereich.

Experten befürworten bei Einwohnerversammlung Profilausweitung der Stör im innerstädtischen Bereich.

shz.de von
03. Juli 2015, 17:30 Uhr

„Durch die Versandung der Stör wird die Strömung gebremst, nach 50 Jahren müssen endlich wieder die Bagger anrollen.“ Keine Hochwasser-Diskussion ohne diese Lokalexpertise aus der Bürgerschaft. Mit Applaus aus dem Publikum bedacht wurde die alte Forderung auch in der jüngsten Einwohnerversammlung. Nach einer Sitzung der Arbeitsgruppe Hochwasser hatten sich dazu Volker Petersen und Frank Krüger vom Umweltministerium, Michael Ahne und Andreas Fischer vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Dr. Thorsten Evertz von der Wasser & Plan GmbH sowie Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) und Volker Ballin (Kellinghusener Liste) Vorsitzender des Umweltgremiums, eingefunden.

Antwort aus der Expertengruppe zur Baggerthese: „Ausbaggern ist Quatsch“, man kann die Physik nicht ändern. Deutlich machten dies auch die Ausführungen von Dr. Thorsten Evertz. Danach müssen sich die Befürworter von der Baggerei als Allheilmittel gegen Störfluten verabschieden. Als ebenso vernachlässigenswert stellte der Fachmann die Erweiterung des Brückenbaus an der B 206 sowie einen Durchstich kurz vor dem Hafen dar. Seine wissenschaftlichen Untersuchungen auf Grundlage des vergangenen Weihnachts-Hochwassers belegen, dass insbesondere das Ausbaggern - mit regelmäßigen Wiederholungen – viel Geld kostet, aber wenig nachhaltig ist. Evertz machte den Besuchern im Bürgerhaus anhand seines hydrodynamischen Modells klar, dass der Knackpunkt des Flutszenarios vielmehr im innerstädtischen Bereich liegt. „Das, was die größte Auswirkung hat, liegt direkt vor ihrer Tür.“ Zur Erinnerung: Eine deutliche Absenkung des Hochwasserscheitels durch eine Profilaufweitung hatte vor mehr als zehn Jahren auch das Gutachten der TU Hamburg Harburg dargestellt. Auf Messziffern aus den 50er und 60er (Bagger)-Jahren konnte sich der Fachmann bei den Computerberechnungen zwar nicht stützen, vorhanden sind aber verlässliche Daten aus den Jahren ab 2000. Die zeigen an, dass es eine kontinuierliche Versandung des Flussbetts schlicht nicht gibt. Es klinge unbequem, aber im simulierten Vergleich zwischen Baggerzeiten und dem Zeitraum 2000 bis 2013 sei die Störsohle –mit Auf- und Ablandungen - quasi stabil, so Evertz. Außerdem müsste die Stadt die für die zirka alle fünf Jahre erfolgenden Flussvertiefungen in die Kasse greifen, erklärte Pietsch. Der Bund sei nur für eine mittlere Hochwasserlinie zuständig, die stelle vor Ort aber kein Problem dar. „Diese Kosten stehen in keinem Verhältnis zu anderen Maßnahmen, die eine Absenkung erreichen können.“

Eine der Alternativen sei die Pflege des Uferbereichs. Anders als Anlieger in der Versammlung behaupteten, seien sie sehr wohl dafür zuständig, machte Pietsch klar. Zur Aufweitung des innerstädtischen Flussprofils strich er heraus: Seit rund 20 Jahren arbeite die Stadt am zentralen Punkt Innenstadt. Allerdings könne sie keinen Eingriff in Privatgebiete Dritter vornehmen. Anlässlich eines vom Land finanzierten, jetzt von Evertz in Angriff genommenen neuen Hochwasser-Gutachtens würden die Privateigner beider Ufer im betroffenen Flussabschnitt erneut zum Gespräch gebeten. Komme es wieder zu keiner Einigung, so Pietsch, bliebe nur das Planfeststellungsverfahren.

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