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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 09:39 Uhr

PRAKTIKUM : Aus Japan in die Itzehoer Backstube

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rund 9000 Kilometer reiste Sayuri für ihr Praktikum an: Die 16-Jährige kommt aus Kyoto in Japan und schnuppert in Itzehoe ins Bäckerhandwerk hinein.

Eine braune, süß duftende Teigmasse liegt auf der Arbeitsfläche. Daneben steht eine Waage, davor die 16-jährige Sayuri neben Bäckermeister Jörg Frähmcke. Er legt Teig auf die Waage, bis die Digitalanzeige den richtigen Wert zeigt. Sayuri schaut aufmerksam zu, dann ist sie an der Reihe. Mit flinken Händen teilt sie die Rumkugel-Masse in gleich große Portionen.

Sayuri Watanabe absolviert ein Praktikum in der Bäckerei und Konditorei Frähmcke in der Breiten Straße. An sich nichts Besonderes, doch Sayuri kommt aus Japan. Der Kontakt kam über die Meisterschule in Weinheim zustande, an der Frähmcke 2002 seinen Meistertitel machte und die eine Kooperation mit den japanischen Kollegen pflegt. Einer seiner Mitabsolventen lernte Sayuri und ihre Familie in Japan kennen – und empfahl ihr ein Praktikum in Itzehoe. Schließlich seien „die Rohstoffe überall gleich“, so Frähmcke. In seinem Betrieb werde alles von Hand „ohne viel Maschineneinsatz“ gemacht. Somit lerne Sayuri Dinge, die sie überall auf der Welt wieder anwenden kann.

Nur wenige Monate nach dem ersten Kontakt steht der Teenager in der Itzehoer Backstube – und spricht kaum ein Wort Deutsch, nur wenige Brocken Englisch. „Die Verständigung funktioniert nach dem Motto vormachen und nachmachen“, so Frähmcke. Das meiste verstehe sie mithilfe von Gestik, erklärt Sayuri mit Übersetzungshilfe von ihrer Mutter Setsuko. Der Rest sei spätestens beim Zuschauen klar geworden.

Für das Praktikum hat sie sich entschieden, „weil sie interessiert an Kuchen und Brot ist“, wie sie selbst sagt. „Wenn man für ein Praktikum solche Wege auf sich nimmt, muss man schon wirkliches Interesse haben“, meint Frähmcke und bescheinigt seiner Praktikantin eine hohe Auffassungsgabe. Alles in der Herstellung vom Teig mischen bis Croissants formen ist neu für Sayuri. Gebäck spritzen „war schwierig“, erklärt die Schülerin, das Garnieren mit Marmelade dagegen „viel einfacher“. Ihr erstes Praktikum überhaupt gefalle ihr „sehr gut“. „Ich bin müde, aber es hat viel Spaß gemacht!“, sagt sie. Vielleicht möchte sie später den Beruf des Konditors ergreifen.

Bis dahin arbeitet sie in ihrer Heimatstadt Kyoto an ihrem Schulabschluss und spielt in ihrer Freizeit Ping-Pong. In der Millionenstadt herrscht die höchste Dichte an Bäckereien im Land, drei davon seien deutsch, berichtet ihre Mutter Setsuko Watanabe. Bevorzugt werde Weißbrot gegessen, gern belegt mit Majonaise, Zwiebeln und Wiener Würstchen.

Von den Besonderheiten der deutschen Kultur konnten sich Sayuri und ihre Mutter auf einer zweiwöchigen Rundreise durch die Republik – von Flensburg bis Würzburg, von Köln bis Dresden – ein Bild machen. Sayuris Highlight dabei: Der Kölner Dom. Ihre Mutter meint: „Die Straßen in Itzehoe sind am schönsten.“

Das Praktikum war für Sayuri der Höhepunkt der Reise. Nach ihrem letzten Tag zwischen Mehl, Zucker und Hefe geht es für sie morgen zurück nach Hause.

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