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Norddeutsche Rundschau

19. November 2017 | 04:17 Uhr

Aus für Nettchen-Open-Air

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anwohner-Ehepaar beschwert sich über zu viel Lärm/ Veranstalter muss beliebte Party am Hafenkopf absagen und ist sauer

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 15:35 Uhr

Sonne, Cocktails, Live-Musik und ein unvergleichlicher Blick auf den Glückstädter Hafen – das Nettchen-Open-Air hat sich in den vergangenen Jahren zum regelrechten Sommer-Event entwickelt. Einmal im Jahr holt Nettchen-Betreiber Henning Plotz dafür einen ganzen Schwung hochkarätiger Bands auf die Bühne und sorgt mit Auftritten von Shanty-Chören, Trommel-Gruppen oder Blasorchestern dafür, dass auf dem Hafenkopf drei Tage lang gefeiert wird. Dafür ist der Platz an der Hafenspitze, der 2009 mit Fördermitteln des Landes ausgebaut wurde, gedacht. Doch in diesem Sommer bleibt die Bühne leer. Denn weil einem Anlieger-Ehepaar das Fest zu laut war, beschwerte es sich bei der Stadt als Ordnungsbehörde – und bekam Recht.

Der Grund: Das Open Air ist tatsächlich zu laut. Jedenfalls laut Lärmschutzverordnung. Die schreibt vor, dass der Lärmpegel von 8 bis 20 Uhr den Wert von 78 Dezibel nicht überschreiten darf. Zwischen 20 und 22 Uhr liegt die Obergrenze bei 70 und ab 22 nur noch bei 58 Dezibel. Gemessen wurden jedoch Werte, die im Schnitt 10 bis 15 Dezibel darüber liegen. Die Stadt hat deshalb entschieden, dass am Nettchen künftig bis 21 Uhr gefeiert werden darf, danach ist Schluss.

Betreiber Henning Plotz schüttelt darüber nur den Kopf. „Eine Tanzveranstaltung bis 21 Uhr zu machen, ist völliger Quatsch.“ Das Nettchen-Open-Air am zweiten August-Wochenende hat er für dieses Jahr kurzerhand abgesagt, auch wenn es ihm schwer fällt. „Die Bands waren alle schon gebucht und der Shantychor ist besonders traurig, der hat sich so auf den Auftritt gefreut.“

Dass es beim Nettchen-Fest auch mal lauter zugegangen ist, bestreitet er gar nicht. Er sieht das Problem vielmehr in der Gesetzgebung. „Die Lärmschutzverordnung ist so niedrig angesetzt, die kann man gar nicht einhalten. Selbst ein Shanty-Chor ist schon laut.“ Daran müsse dringend etwas geändert werden, findet er, und hat sich deshalb schon an FDP-Politiker Wolfgang Kubicki gewendet.

Um den Geräuschpegel für die Anwohner so niedrig wie möglich zu halten, hatte er extra Lärmschutz-Transparente am Rand des Geländes aufstellen lassen. Geholfen hat es nicht.

Henning Plotz geht dadurch nicht nur das Fest verloren, es fehlen auch die zusätzlichen Einnahmen in der Kasse. Und damit auch den Glückstädtern. Denn einen Teil davon hatte er bisher immer in die Weihnachtstanne und das große Silvester-Feuerwerk am Hafen investiert. Ob er das in Zukunft auch weiterhin tun wird, weiß er noch nicht. Am meisten ärgere ihn, dass einzelne Personen die Möglichkeit hätten, ein ganzes Stadtfest verbieten zu lassen.

Bürgermeister Gerhard Blasberg sieht das Thema etwas anders. „Es gibt immer zwei Seiten der Medaille.“ Aus seiner Sicht hätte das Problem auch anders geregel werden können, wenn beide Parteien zu Kompromissen bereit gewesen wären. So aber bliebe der Stadt keine andere Möglichkeit, als für die Einhaltung der Richtlinien zu sorgen – trotz der Konsequenzen. „Es ist sehr bedauerlich, dass das Fest nicht mehr stattfindet, aber die Verordnung ist eindeutig.“ Für Henning Plotz ist die Sache klar: „Für die Stadt und die Bürger hier geht damit ein Stück Lebensqualität verloren.“

Das Anlieger-Ehepaar wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung zu dem Thema nicht äußern.

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