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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 07:20 Uhr

Absage : Aus für Krempes Traditions-Flohmarkt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach 43 Jahren findet in diesem Jahr in Krempe erstmals kein Flohmarkt an Himmelsfahrt statt – Grund sind zu hohe Auflagen für den Bürgerverein.

Im Mai 1974 rief Krempes damaliger Bürgermeister und Vorsitzender des Bürgervereins, Josef Lorenz, die heimische Geschäftswelt auf, sich aktiv am ersten Himmelfahrtsflohmarkt zu beteiligen. Anlass waren die Festwochen zum 100-jährigen Bestehen des TuS Krempe. Über die Jahre und Jahrzehnte hat sich der Flohmarkt zu einer echten Institution entwickelt. Bis zu 20  000 Gäste konnte der Bürgerverein auf dem Areal am Burggraben, rund um die Kircheninsel und auf dem historischen Marktplatz begrüßen. Doch nun, nach 43 Jahren, fällt der Himmelfahrtsflohmarkt in der kleinen Marschenstadt erstmals aus. Aus Sicht des Bürgervereins stellte das Amt zu strenge und weitreichende Bedingungen. Auch die Parkplatzsituation sei „unbefriedigend geregelt“, sagt der Vereinsvorsitzende Jürgen Bahnsen.

Der Himmelfahrtsflohmarkt gehörte zu den wichtigsten Terminen im Kremper Jahreskalender. Sein großes Plus: Dort hatten stets die privaten Anbieten das Sagen, kommerzielle Händler waren nur für die Imbiss- und Getränkestände verantwortlich. Ob es den Flohmarkt im kommenden Jahr wieder geben wird, steht in den sprichwörtlichen Sternen. Dieses Jahr „wir der Markt definitiv ausfallen“, betont Jan Leineweber, stellvertretender Bürgervereinsvorsitzender.

Noch Mitte März sah es deutlich positiver aus. Der Vorstand traf sich mit Vertretern der örtlichen Feuerwehr, um deren Mitwirken zu erbitten. Trotz der für den kompletten Mai geplanten Sperrung der Umgehungsstraße sei man „da noch auf einem guten Weg gewesen“, betont Leineweber. Es folgte ein Treffen im Amt Krempermarsch mit Ordnungsamtsleiter Uwe Schütt, Marco Mein von der Polizei und Wehrführer Christian Runde, an dem für den Bürgerverein Bahnsen und Leineweber teilnahmen. „Und da bekamen wir dann eine Liste mit Forderungen überreicht, die wir nicht erfüllen können“, sagt Bahnsen.

Gefordert wird unter anderem, dass der Bürgerverein Halteverbotsschilder organisiert, zusätzliche volljährige Ordnungskräfte mobilisiert und die Halteverbotsbereiche in der Stadt durch Ordner überwacht. „Außerdem hätten wir bei Schwartkop nur einen Großparkplatz ausweisen können“, sagt Leineweber. Bei Sky und Butzkies hätten lediglich einige Händler parken dürfen – und auch dass nur unter Auflagen. Da während der Sperrung der Umgehungsstraße auch der Verkehr durch Teile Krempes geleitet werden soll, wäre auch innerorts ein Parken unmöglich gewesen. Alles in allem wären auf den Bürgerverein neben dem deutlich größeren Aufwand auch erhebliche Mehrkosten zugekommen. „Dabei ist der Markt jetzt schon die einzige Veranstaltung, mit der wir noch ordentlichen Gewinn machen“, sagt Schriftführerin Astrid Bahnsen. Unterm Strich habe der Bürgerverein 2016 sogar mit all seinen Events wie Laternenlauf, Oldtimertreffen und der Weihnachtsbeleuchtung knapp hundert Euro Verlust geschrieben. Mehrkosten für den Flohmarkt würden dieses Minus noch vergrößern.

Der Wegfall des Flohmarktes habe direkte finanzielle Auswirkungen, betont Jürgen Bahnsen. Spenden gingen im Vorjahr an den Jugendraum (500 Euro), die Feuerwehr (700 Euro) sowie den Brandbekämpfer-Nachwuchs (200 Euro). Einrichtungen, denen nun der Wegfall dieser Spenden droht. „Außerdem müssen wir mal sehen, ob wir uns die rund 1800 Euro teure Weihnachtsbeleuchtung noch leisten können“, deutet Leineweber weitere Konsequenzen an. Hart trifft das – zumindest vorläufige – Aus des Marktes auch den Mann, der über viele Jahre hinweg eine Art Cheforganisator war. Peter Rehfeld, einst auch Vorsitzender des Bürgervereins und dem Flohmarkt noch immer eng verbunden, tut es „sehr weh“, dass die Veranstaltung abgesagt wurde. In einem Brief an Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) will er erfragen, ob dieser Möglichkeiten sieht, „den Flohmarkt im nächsten Jahr wieder aufleben zu lassen“.

„In Krempe gehen die Lichter aus“, sagt Rehfeld. Die Auflagen der Behörden seien so umfangreich geworden, „dass es dem Bürgerverein nicht möglich ist, diese zu erfüllen“. Verkündet wurde das Aus bereits während der Hauptversammlung des Vereins am 30. März, nachdem sich der Vorstand einen Tag zuvor während einer Sitzung zu dem Schritt entschlossen hatte. Vom Aus des Marktes sind auch andere Vereine und Institutionen betroffen, so etwa der TuS Krempe und der Kirchenkreis, der im Gotteshaus parallel zum Flohmarkt immer einen florierenden Kaffee- und Kuchenverkauf organisiert hatte. Mehrarbeit hat der Verein übrigens trotz des Ausfalls. „Wir müssen jetzt unzählige Standbetreiber kontaktieren und auch Geld zurück überweisen, das schon als Standgebühr bezahlt wurde“, sagt Astrid Bahnsen.

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