Aus für den "Stör-Express"

<dick>Verkünden das  Aus für den 'Stör-Express':</dick> Wolf-Dietrich Debus und Walter Grohmann.  Foto: tietje-räther
Verkünden das Aus für den "Stör-Express": Wolf-Dietrich Debus und Walter Grohmann. Foto: tietje-räther

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19. Januar 2010, 04:59 Uhr

KELLINGHUSEN | Der "Stör-Express" ist Geschichte. Vereinschef Wolf-Dietrich Debus und Geschäftsführer Walter Grohmann sind wütend und enttäuscht: Nach zehn Jahren muss der Verein aufgelöst, die drei Wagen verkauft werden. Der Grund: Das Land untersagt weitere Fahrten. Am Wochenende rollten die roten Kleinbusse mit dem markanten gelben Schriftzug zum letzten Mal auf die Piste, unter anderem zur Eisdisco nach Brokdorf. Ab sofort stehen die Räder still, der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr zeigt dem ehrenamtlichen Fahrdienst die rote Karte.

Bereits im Juni 2009 hatte die Landesbehörde dem Verein einen Unterlassungsbescheid zugestellt. Nach zehn Jahren Duldung sollte er plötzlich gegen Landesgesetze verstoßen. "Wir hätten dazu gern einen Richterspruch gehört", sagt Geschäftsführer Walter Grohmann. Da jedoch von vornherein klar gewesen sei, dass der Verein die Gerichts- und Anwaltskosten nicht tragen könnte, sei um Prozesskostenhilfe gebeten worden. Am 14. Januar erreicht Grohmann die niederschmetternde Antwort: Das Verwaltungsgericht lehnte den Antrag ab, der "Stör-Express" ist nun gezwungen , seine Klage zurückzuziehen. "Das bedeutet auch, der Unterlassungsbescheid ist gültig, wir dürfen nicht mehr fahren", erklärt Grohmann.

Es sei denn, der ehrenamtliche Fahrdienst würde in ein gewerbliches Mietwagenunternehmen umgewandelt. "Dann wäre eine kostengünstige Beförderung derzeit 3,50 Euro pro Person aber nicht kostendeckend", errechnete der Geschäftsführer. Die Preise müssten verdoppelt werden. "Dies kann aber nicht in unserem Interesse sein, da wir uns stets für eine kostengünstige Beförderungsalternative eingesetzt haben", sagt Debus.

Erstaunt nehmen die Vereinsoberen in diesem Zusammenhang die Begründung einer Sprecherin des Verkehrsministeriums zur Kenntnis, wonach die Aufsichtsbehörde den "Eindruck" habe, dass der "Stör-Express" gewerbsmäßig Fahrgäste befördere und damit genau wie jeder Taxi- oder Kleinbusunternehmer eine Betriebserlaubnis benötige. "Wird unser Fahrdienst also aufgrund eines Eindrucks still gelegt?", fragt Grohmann. Nicht nachvollziehen kann er außerdem die Begründung mit der Zielsetzung gleicher Chancen für alle Betreiber von Fahrdiensten. "Wo ist denn dann die Chancengleichheit für Jugendliche, deren Eltern sich kein Party-Taxi leisten können?" Unter den insgesamt rund 33 000 Fahrgästen der vergangenen Dekade stellten Jugendliche unter 18 Jahre die stärkste Fahrgastgruppe. Quer durch das platte Land kutschierte der "Stör-Express" die Teenies zu angesagten Discotheken, Parties und Festen. "Die Jugendlichen kommen jetzt nicht mehr günstig und sicher zum Feiern, Berufstätige später abends nicht mehr zur Arbeit und Senioren nicht mehr ins Schwimmzentrum oder zum Einkaufen", bedauert Grohmann. Da das Angebot für Jugendliche vor Ort "mehr als mies" sei, befürchtet Debus sogar vermehrte Frustaktionen aus Langeweile.

Schwer enttäuscht zeigt sich Ehrenamtler Grohmann von der Politik. Außer der Kellinghusener Bürgermeisterin Helga Nießen ist offenbar niemand von den angesprochenen Kreis- und Landespolitikern dem mittlerweile durch große Kundenakzeptanz bestätigten Bürgerbusprojekt beigesprungen. "Und dies, obwohl die Politik stets das Wort von der Stärkung des Ehrenamts im Munde führt." Zehn Jahre harte ehrenamtliche Arbeit und privates finanzielles Engagement sieht Grohmann nun vielmehr mit Füßen getreten.

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