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Im Kindergarten : Aus Flüchtlingen werden Freiwillige

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Syrer Ayman Albeda und die Jemenitin Sara Abud absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr im Johanniter-Kindergarten in Wellenkamp.

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erstellt am 21.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Ayman Albeda hält sich die Augen zu. „Such mich, such mich“, ruft der kleine Fiete, und Albeda beginnt, nach ihm zu tasten. „Gefunden“, ruft er nach kurzer Zeit und schließt den Kleinen in die Arme. Das Suchspiel ist in den vergangenen Tagen zu einer von Albedas Lieblingsbeschäftigungen geworden. Vor kurzem begann der 23-jährige Syrer ebenso wie die 21-jährige Jemenitin Sara Abud sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Johanniter-Kindergarten in Wellenkamp. Beide kamen im vergangenen Jahr als Flüchtlinge nach Itzehoe und werden nun ein Jahr lang die Erzieher unterstützen. Aus Sicht der Johanniter ein gelungenes Beispiel für Integration.

Die Freude über seine neue Aufgabe steht Ayman Albeda ins Gesicht geschrieben – noch vor wenigen Wochen hätte er nicht gedacht, dass er so schnell eine Arbeit in Deutschland finden würde. Im September war Albeda einer der ersten Flüchtlinge, die in die Itzehoer Notunterkunft einzogen. Von Anfang an engagierte er sich im Camp-Alltag und unterstützte mit seinen Englisch-Kenntnissen Betreuer und Behörden beim Übersetzen. „Ich habe so viel Hilfe bekommen und wollte etwas zurückgeben“, sagt Albeda.

Eigentlich sollten Sara Abud und er ihren Freiwilligendienst in der Notunterkunft verrichten. Als das Camp Anfang April jedoch kurzfristig stillgelegt wurde, fanden die Johanniter in ihrem Kindergarten eine neue Stelle für die beiden. „Anfangs war ich skeptisch, weil ich noch nie mit Kindern gearbeitet hatte“, sagt Albeda. Aber die Kleinen hätten es ihm leicht gemacht. „Die Kinder haben die beiden Freiwilligen ganz schnell total ins Herz geschlossen“, bestätigt auch die Johanniter-Dienststellenleiterin Ulrike Bessel.

Was die Kleinen nicht wissen: Fernab von Sprachkursen und Fachliteratur sind sie die besten Deutschlehrer für die Flüchtlinge. „In den letzten Wochen habe ich so viele neue Wörter gelernt wie noch nie“, sagt Albeda, der mittlerweile in Kremperheide wohnt und dort in der Feuerwehr aktiv ist. Ebenso wie Abud wartet er noch auf seine Aufenthaltserlaubnis, ist aber vor allem froh, eine feste Arbeit gefunden zu haben: „So kann ich meinen Beitrag für die deutsche Gesellschaft leisten“, sagt er. Und: „Es fühlt sich gut an, sein eigenes Geld zu verdienen.“ Eigenes Geld ist in diesem Fall relativ: Als FSJler bekommt Albeda neben Verpflegung und Fahrtkosten ein kleines Taschengeld, dessen größter Teil gegen die Leistungen angerechnet wird, die ihm als Asylbewerber zustehen. Unterm Strich bekommt er kaum mehr als bisher. „Aber jetzt ist es wenigstens selbst verdient.“

Neben den Flüchtlingen profitieren auch die Kinder von den beiden Freiwilligen. Neugierige Fragen beantworten die FSJler bereitwillig und erzählen Geschichten aus ihrer Heimat. „Für unsere Kinder ist das eine Bereicherung“, so Bessel.

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