zur Navigation springen

Aus einer Eiche werden zwei Adler – ein zweites Leben als Skulptur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Säge kreischt, Späne fliegen, es staubt. Aus einem unbehauenen Baumstamm hat der Holzkünstler Jörg Hasenöhrl (44) aus Kellinghusen ein filigranes Kunstwerk gefertigt. Er formte mit der Motorsäge aus Baumstämmen zwei Adler. Die stehen nun als Blickfang neben der Einfahrt eines Hauses in der Straße Ridders in Hohenlockstedt.

„Das Projekt resultiert aus einem Unwetter vor drei Jahren“, sagt Eigentümer und Bewohner Peter Schröder (52), der beim Schleswig-Holsteinischen Landesforst arbeitet. Da rettete er den Stamm eines Baumes nämlich für seine Hauseinfahrt. „Dieser war damals in Christinenthal im Wald umgekippt“, erzählt er. Kurzerhand kaufte er ihn, denn er wäre sonst zu Brennholz verarbeitet worden. „Ich habe das wertvolle Holz gerettet, weil er ein so schönes, großes einzigartiges Stück ist.“ Den zwei Tonnen schweren Giganten hat er zusammen mit seinem Bruder Knut Schröder (60) nach Hohenlockstedt gefahren, mit einem Kran aufgerichtet, in ein Loch gesetzt und befestigt.

„Er ist insgesamt drei Meter groß, steckt einen Meter tief in der Erde und ist bis heute unbehandelt geblieben“, schildert er. „Ich hatte schon die Idee, etwas daraus zu machen, habe aber noch das Passende gesucht.“ Über Mund-zu-Mund-Propaganda hat er Jörg Hasenöhrl (44) aus Kellinghusen gefunden – und engagiert. „Wir haben uns aus seinem Prospekt für die Adler entschieden.“

Jörg Hasenöhrl: „Als ich das Objekt gesehen habe, wusste ich gleich: Das ist machbar.“ Er entfernte zuerst das Splintholz und arbeitete dann am Kernholz die Figuren aus. Der Künstler nutzt herkömmliche Motorsägen in verschiedenen Größen. „Um die groben Arbeiten vorzunehmen, muss ich zuerst mit der Spitze ins Holz eintauchen.“ Erst wenn die Form auf diese Weise grob vorgefertigt ist, arbeitet er feiner mit kleinerer Säge weiter, zum Schluss wird geschliffen. Als Vorlage diente ihm ein kleiner Holzadler, den er aus dem Wildpark Eekholt mitgebracht hat. Sonst verwendet Hasenöhrl viel „Schleich-Figuren“, Figuren für Kinder von der gleichnamigen Firma, als Vorlage. Morgens angefangen, war nachmittags die erste Skulptur bereits fertig, bis zum Abend folgte die zweite. „Ich bin einer der schnellsten in Deutschland“, sagt er, „habe schon an der Deutschen Meisterschaften im Schnellsägen teilgenommen.“ Der Holzkünstler hat unter den gesägten Adlern noch etwas Platz gelassen, um dort aus Draht oder Holz einen Adlerhorst drumherum anzubringen. Nun wird die Skulptur noch behandelt, erhält eine Lasur mit Pigmenten zur Haltbarkeit. „Eiche ist von Natur aus hell, dunkel wird es von alleine.“

Der Kellinghusener hat schon Figuren auf dem Friedhof in Itzehoe, einen Mönch am Mönchsweg in Kellinghusen und betende Hände auf Friedhof in Barmstedt hergestellt. Aus dem dritten, nun noch frei stehenden Baumstamm könnte er noch einen Fisch, der aus dem Wasser springt, machen, so seine Idee. „Natürlich wäre es mir lieber, der Baum wäre stehen geblieben aber wenn er erst einmal gefällt werden musste oder gekippt ist, erhält er als Skulptur ein zweites Leben.“

zur Startseite

von
erstellt am 01.Apr.2016 | 10:47 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen