Aus einem ehemaligen Tonabbaugebiet entstand Parkanlage nach englischem Vorbild

Stadtarchivar Richard Kolang weiß viel über die Parkgeschichte zu erzählen. Foto: Tietje-Räther
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Stadtarchivar Richard Kolang weiß viel über die Parkgeschichte zu erzählen. Foto: Tietje-Räther

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22. Juli 2011, 03:59 Uhr

KELLINGHUSEN | Früher war es ein Tonabbaugebiet, heute ist es ein Naherholungsgebiet für alle Kellinghusener - der kleine Stadtpark mit Teich und schattigen Bäumen.

Der Park, der kürzlich neu eröffnet wurde (wir berichteten) hat eine längere Geschichte hinter sich. Stadtarchivar Richard Kolang hat in seinen Unterlagen gestöbert und viel über die Geschichte des Areals in der früheren Gemarkung Overndorf herausbekommen. "Hier war früher ein Tonabbaugebiet", weiß Kolang. Dies erkläre auch den Namen des Ziegeleiwegs, gelegen oberhalb des Parks auf seiner westlichen Seite. Tief hinunter auf ins Grün fällt der Blick vom höchsten Punkt. Zahlreiche Stufen führen von diesem Parkeingang hinunter zum See.

Vom Geschehen im 18. und 19. Jahrhundert zeugt auch die steile Abbruchkante an der nördlichen Seite des Parks. Zu tun hatte es mit damaligen Fayenceherstellung in der Keramikstadt. "Von 1750 bis etwa 1850 war die Blütezeit", erklärt Kolang. Das Ende der rund 100-jährigen Tradition der Fayenceherstellung in der Stadt zog mit der Serienproduktion der für Jedermann erschwinglichen Steingutwaren in In- und Ausland herauf. "Damit war die Fayence-Epoche beendet", so Kolang.

Findige Hamburger Unternehmer fanden Mitte des 19. Jahrhunderts jedoch einen andren Weg, die Fernsichter Tonvorkommen zu verwerten. "Die Brüder Vidal errichteten eine große Tonwarenfabrik", so der Archivar. Fabriziert wurden hauptsächlich Öfen, die in manchen Häusern in Stadt und Land heute noch zu finden seien. Ein glücklicher Stern stand aber auch über diesem Wirtschaftszweig nicht. Die Firma ging 1903 in Konkurs, das Tonabbaugelände wurde weitgehend der Natur überlassen.

Eine gepflegte nach Parkanlage nach englischen Vorbild schuf auf dem verwilderten Gelände 17 Jahre später der Stadtverordnete und Fleischfabrikant Hugo Schnoor. "Schnoor ließ auch den Teepavillon bauen." Als zusätzlichen Blickfang baute der Unternehmer eine japanisch anmutende Brücke zum Minieiland im See.

1956 ging "Schnoor`s Park" in städtischen Besitz über. Danach stand der Park fortan allen Einwohnern offen. Nach der Sanierung präsentiert er sich wieder als "Ort zum Wohlfühlen."

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