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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 01:42 Uhr

Zirkus : Aus der Manege nach Las Vegas

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Angelo Frank ist im Zirkus aufgewachsen und seit 2015 Boxprofi – sein Ziel ist der Weltmeistertitel eines großen Verbandes

Wer derzeit den Zirkus Europa auf den Malzmüllerwiesen besucht, der sieht nicht nur Akrobaten, Pferde und Kamele durch die Manege laufen, sondern auch einen Boxer. Schade für Boxfans: Das heißt nicht, dass der Zirkus eine Boxnummer im Programm hat. Der Boxer ist einer der Voltigeure: Angelo Frank (28), Teil der Zirkusfamilie, Teil der Show und Profiboxer im Weltergewicht (bis 67 Kilogramm). Erst vor ein paar Tagen kämpfte er in Potsdam vor mehreren tausend Zuschauern um die GBU-Weltmeisterschaft. Ein „wilder Schlagabtausch“ sei es gewesen, resümierte TV-Sender Sat  1. Der Gewinner des spannenden Kampfes war „der Boxsport“, schrieb das Abendblatt. Frank verlor nach Punkten. „Strittig“, wie er sagt. Viele hätten das anders gesehen „aber ich bin ein fairer Verlierer“. Er wolle bald eine Revanche. Sein großes Karriereziel: In Las Vegas kämpfen.

Franks Leben bestimmt vor allem eines: Reisen. Mit dem Zirkus seiner Familie von Stadt zu Stadt, zum Trainieren zu seinen Boxvereinen in Walsrode und Berlin und zu den Wettkämpfen. Die Residenz der Zirkusfamilie befindet sich in Bergen-Belsen, in der Nähe von Celle. Dort hält es aber keiner lange aus. „Ich bin das Reisen gewohnt, natürlich ist es auch mal anstrengend, aber der Weg zum Erfolg kennt keine Abkürzung“, sagt Frank. In der Kindheit schlug er früh gegen Sandsäcke, mit 14 bestritt er den ersten Kampf. Er durchlief die Amateurklassen bis zu zwei Deutschen Meisterschaften und boxte für Deutschland unter anderem in Algerien. „Es gab irgendwann keine Reize mehr“, sagt Frank über die Amateurzeit. Über einen Freund kam er 2015 zum Berliner Boxclub Wiking – seitdem ist er Profi.

Vor Kämpfen trainiert Frank acht Wochen lang in der Hauptstadt und wohnt in einer Wohngemeinschaft. In dieser Zeit kann er nur selten zu seiner Zirkusfamilie. Frank ist verheiratet, hat zwei kleine Söhne. Seine Frau hat er über eine andere Zirkusfamilie kennengelernt. „In Berlin bin ich mit den Gedanken zu Hause. Im Zirkus arbeiten dann alle für mich mit, um mir den Rücken freizuhalten“, sagt er. 28 Mitglieder hat der Zirkus-Europa. Die meisten gehören zu Franks Familie, Direktor ist Vater Sandro – in Potsdam waren sie alle mit dabei, die Zirkusvorstellung am Kampftag wurde extra vorverlegt. „Die Unterstützung gibt mir Kraft“, sagt Frank. Außerdem hätten ihn 600 Zirkusleute aus ganz Europa angefeuert. „Man kennt sich untereinander“, sagt er. Eingeladen habe er über Facebook.

Das Leben zwischen Zirkusmanege und Ring will der Boxer so lange weiterführen, wie er Erfolg hat. Seine nächsten Ziele sind ehrgeizig: Frank will Europameister werden – bei einem Kampf in der Manege des eigenen Zirkusses: „Was gibt es schöneres, als hier Europameister zu werden?“, sagt er. Derzeit sucht er Sponsoren, die den Kampf unterstützen. Danach möchte Frank einen Weltmeistertitel der großen vier Boxverbände gewinnen und seinen Titel in Las Vegas verteidigen. „Davon träumt jeder Boxer“, wie er sagt.

Wie so viele Zirkusmitglieder könne er sich ein normales Leben nicht vorstellen. „Ich kann nicht ohne das Boxen, und ich kann nicht ohne den Zirkus. Wo man hinkommt, hat man Freunde und lernt Leute kennen“. Im Zirkus selbst macht er sein Lauftraining, kümmert sich um den Aufbau oder tritt in der Show als Artist beim Voltigieren auf. „In Itzehoe kommen wir gut zurecht, wir sind gerne hier und haben unser Stammpublikum“, sagt er. Nur ab und zu müsse er den Zirkus ruhen lassen, um zu trainieren. „Die Gegner schlafen nicht und der Zirkus läuft ja nicht weg“, sagt Frank.

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erstellt am 02.Apr.2017 | 08:00 Uhr

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