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Austauschschüler : Aus der Karibik aufs platte Land

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der 18-jährige Jorge Soto Bravo aus der Dominikanischen Republik ist für ein Jahr bei einer Familie in Hohenfelde zu Gast.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2014 | 16:52 Uhr

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, Leben auf dem Lande und Äpfel in allen Varianten – für Jorge Soto Bravo sind diese Dinge ganz neu. Der 18-jährige Schüler aus der Dominikanischen Republik in der Karibik ist ein Jahr lang bei Familie Lüdemann in Hohenfelde zu Gast.

„Als ich hier ankam, wusste ich nicht mal, dass Moin Hallo heißt“, erzählt der Austauschschüler. Und damit nicht genug: „Ich wusste gar nicht, in was für eine Familie ich komme – ich war auf alles gefasst“. Irgendetwas bei der vermittelnden Agentur in Hamburg muss schief gegangen sein, normalerweise bekämen Austauschschüler vorab einen Steckbrief der Familie. Unverhofft landete Jorge im August in Hohenfolde im Kreis Steinburg – und fühlt sich dort nach eigener Aussage sehr wohl. Mit seinen Gasteltern John und Dagmar Lüdemann versteht er sich ebenso gut wie mit den Geschwistern Malwin (10), Imke (12), Malte (15) und Helke (17), die zur Zeit für ein Jahr in Lettland lebt. Auch Dagmar Lüdemann ist zufrieden mit ihrem Gastsohn: „Jorge ist offen, unkompliziert und macht alles mit“, erzählte sie.

„Vieles hier ist anders“, berichtet Jorge. Allem voran die Temperaturen. Minusgrade und Winterjacke kannte Jorge bisher nicht, in kühlen Nächten sinken die Temperaturen in der Karibik nicht unter 20 Grad plus. Aber: „Kalt ist besser als heiß, wenn man ständig duschen muss“, meint er.

Auch die Sprache ist für Jorge neu. Während er anfangs kein Wort Deutsch konnte, kann er sich inzwischen gut verständigen. Wo er nicht weiter weiß, greift er auf Englisch zurück. „Ich spreche jeden Tag drei Sprachen“, erzählte er. Denn in der Schule braucht er außerdem seine Muttersprache Spanisch.

Jorge besucht die zwölfte Klasse an der Bismarck-Schule in Elmshorn und nimmt dort am regulären Unterricht teil. Nur im Deutsch-Unterricht sitzt er zwischen lauter Fünftklässlern: Da seine Lehrerin Deutsch und Spanisch unterrichtet, kann sie Jorge optimal unterstützen. „Wenn ich etwas auf Deutsch nicht verstehe, erklärt sie es mir auf Spanisch“, berichtete er. Überhaupt sei das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern freundschaftlich, neben dem Lernen käme auch der Spaß nicht zu kurz. Und man habe viel mehr Freiheiten.

Gemeinsam mit seinem Gastbruder Malte bestreitet Jorge täglich den Schulweg. Von Zuhause fahren sie mit dem Rad zum Bahnhof nach Dauenhof, bei schlechtem Wetter werden sie mit dem Auto gebracht. Dann geht es mit dem Zug weiter.

Zuhause habe er einen kürzeren Schulweg, überhaupt sei alles dichter beieinander. Während Jorge in Deutschland in einem 900-Seelen-Dorf gelandet ist, lebt er zuhause in der Hauptstadt Santo Domingo. „Hier ist es schön friedlich und ruhig“, findet der Südamerikaner. Die 100 Milchkühe auf dem Bauernhof seiner Gastfamilie besucht er eher selten, aber zwei neue Hobbys hat er gefunden: Zur Jugendfeuerwehr geht er gemeinsam mit Malte, zum Schießen mit Malwin.

Auch im kulinarischen Bereich bemerkte Jorge Unterschiede zu seinem Heimatland: „Äpfel sind hier wohl sehr wichtig“, stellte er fest. Apfelmus, Apfelpfannkuchen, Apfelsaft und Apfelkuchen habe er bereits kennen gelernt – viel mehr Varianten, als er aus seinem Heimatland kennt. Darüber hinaus sei das Essen leichter, statt täglich Fisch und Fleisch kämen auch mal nur Pfannkuchen auf den Tisch.

Nach fünf Monaten in Deutschland resümiert Jorge: „Es ist das komplette Gegenteil von zuhause.“ Aber genau das sei es, was er wollte: Neues Kennenlernen. Und er stellt fest: „Viele Vorurteile stimmen nicht.“ Dass Deutsche nie lachen, könne er beispielsweise nicht bestätigen. Ob in der Schule, beim gemeinsamen Abendessen oder bei von Gesellschaftsspielen mit Imke und Malwin: „Es wird immer gelacht.“

Im April stehen für Jorge im Rahmen des Austauschprogramms zwei Seminarwochen in Karlsruhe auf dem Programm, in denen er eine weitere Gastfamilie und die Universität kennen lernen wird. Am Ende des Schuljahres geht es für ihn zurück in seine 7700 Kilometer entfernte Heimat. Aber nach Deutschland zurück zu kommen ist für ihn nicht ausgeschlossen: Wenn seine Deutschkenntnisse bis zum Sommer ein ausreichendes Niveau erreichen, könnte er sich ein Informatikstudium hier vorstellen.

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