zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

22. November 2017 | 10:30 Uhr

Wilster : Aus dem Schüler wurde der Rektor

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Insgesamt 34 Jahre hat Uwe Maaß an der Wolfgang-Ratke-Schule verbracht. Mit Ferienbeginn geht der 63-Jährige in den Ruhestand.

„Eigentlich habe ich hier mein ganzes Leben verbracht.“ Bei Uwe Maaß kann man das wörtlich nehmen. 1960 drückte er in der Grundschule Wilster als kleiner Abc-Schütze erstmals die Schulbank. 57 Jahre später sitzt er dort immer noch – allerdings seit 30 Jahren als Rektor seiner alten Schule. Jetzt geht für den inzwischen 63-Jährigen die Schulzeit endgültig vorbei. Mit Ferienbeginn geht Uwe Maaß in Pension. „Mir geht es hervorragend“, verkündet er gut gelaunt. „Weil ich jeden Tag gerne zur Schule gegangen bin und weil ich immer noch Spaß daran habe, Lehrer und Schulleiter zu sein. Deswegen geht es mir so gut“, fügt er noch schnell hinzu.

Dabei war der Weg in die Pädagogik alles andere als vorgezeichnet. „Was soll der Jung’ auf dem Gymnasium“, hatte Maaß zuhause zu hören bekommen. Sein Urgroßvater war Zimmerer in Büttel. Und ein Arbeiterkind mit Abitur – 1972 auf der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe – war eher noch die Ausnahme. „Eigentlich wollte ich Bauingenieur werden und dann plötzlich doch Lehrer“, erinnert er sich. Es folgte ein Studium in Flensburg – mit einer Unterkunft bei der Tante des Wilsteraners Helmut Jacobs. Dann die erste Lehrerstelle an der Grundschule in Wrist. „Das war eine wunderschöne Zeit. Wir waren damals nur Junglehrer“, blickt Maaß zurück und lacht: „Beamter, Haus, Kinder: Da hat mich wohl die erste Midlife-Crisis erwischt“, nennt er den Beweggrund für eine Veränderung, die ihn wieder in die alte Heimat zurückführte. An der Wolfgang-Ratke-Schule war die Stelle des Schulleiters ausgeschrieben. „Im Ministerium hatte man wegen meines jugendlichen Alters zwar Bedenken, aber es hat geklappt.“

Uwe Maaß übernahm seine alte Schule und wurde, wie er sich gern erinnert, mit offenen Armen aufgenommen. 278 Kinder in den vier Grundschuljahrgängen hatte er damals übernommen, in Spitzenzeiten waren es sogar 388, und bei seinem Abschied sind es jetzt 233. Ganze Generationen hat Maaß damit in ihren ersten Schuljahren begleitet, auch als Lehrer. Zuletzt unterrichtete er neben seinen umfänglichen Verwaltungsaufgaben noch 13 Stunden die Woche. „Mein Beruf ist schließlich Lehrer und nicht Schulleiter.“

In seinen mehr als 40 Berufsjahren hat sich allerdings einiges verändert. So sind die Grundschulen überall im Land inzwischen fest in Frauenhand. „Ich bin der letzte Mohikaner“, schmunzelt Maaß. Auch seine Nachfolge wird mit Yvonne Wilhelm, seiner bisherigen Stellvertreterin, eine Frau antreten. „Auch die Formen der Auseinandersetzungen sind heute andere“, nennt Uwe Maaß ein weiteres Beispiel. Insgesamt, so befürchtet er, gehe der Trend wieder stärker in Richtung Ellenbogengesellschaft. Der scheidende Rektor hat in den letzten Jahren immer mehr ein Wir-Gefühl vermisst. Stattdessen beobachtet er zunehmendes Ich-Bewusstsein. Auch bei den Kindern. Und: „Es gibt heute eindeutig eine geringere Konzentrationsfähigkeit.“

Gerne würde er auch die Eltern wieder stärker in die Pflicht nehmen. „Unsere Kinder sollten schließlich eine gemeinsame Aufgabe sein.“ Und auch an die Politik hat Maaß noch einen Wunsch: „Sie sollte mutiger agieren, schneller auf Veränderungen in unserer Gesellschaft reagieren und beim Thema Schule einmal hinterfragen, was die Kinder eigentlich lernen sollen.“ Der in Sachen Reformen leidgeprüfte Pädagoge fügt noch hinzu: „Schule ist immer ein Spielplatz für Bildungspolitiker gewesen.“ Was das Thema Veränderungen in unserer Gesellschaft betrifft, kommen aber auch Uwe Maaß langsam Zweifel, ob die Bildungseinrichtungen da noch mithalten können. „Das verändert sich alles so schnell, dass wir gar nicht mehr hinterherkommen.“ Mit Blick allein auf die technischen Neuerungen: „Die Handy-Schulung in den Schulen wird ganz schnell kommen.“ Ansonsten bringt er die aus seiner Sicht wichtigste pädagogische Zielsetzung auf diesen einfachen Nenner: „Es geht darum, den Kindern was beizubringen. Zeugnisse und Beurteilungen sind dabei das Unwichtigste.“

Eine große Veränderung wird Uwe Maaß wohl nur noch aus dem Ruhestand heraus verfolgen können: den möglichen Neubau seiner Grundschule. „Das hundert Jahre alte Gebäude hat doch viel mehr Charme. Und praktischer ist es auch“, habe er sich gegen den drohenden Abriss immer gewehrt. Hauptgrund für die laufenden Planungen: fehlende Fluchtwege. „Das ist ja kein neues Problem. Das war 1989 schon Thema“, weiß Maaß. Die Verabschiedung durch seine Schüler findet in jedem Fall noch in dem Gebäude statt, in dem Uwe Maaß seine ersten vier Schuljahre und später dann 30 Jahre als Rektor verbrachte. Am Donnerstag wollen die Kinder ihren Schulleiter gebührend würdigen. Die letzten Arbeitsstunden will Maaß dann ganz in Ruhe im Kreise seines 15-köpfigen Kollegiums im Lehrerzimmer verbringen, genau dort, wo seine pädagogische Laufbahn ihren Anfang nahm. Ansonsten ist Uwe Maaß noch ganz im Lehrer-Modus: „Dann geht es erstmal in die Ferien.“ Hier ist er allerdings auch gleich als Opa gefordert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen