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Aus dem Ruder gelaufenes Zechgelage endet vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hoch her ging es am 29. Januar in einer Burger Gaststätte. Am Ende des Abends war der Tresenraum voller Blut, ein Mann (70) kam ins Krankenhaus, ein anderer (28) wurde von Sanitätern versorgt. Dieser Tage traf man sich am Meldorfer Amtsgericht vor Strafrichter malte Zander wieder.

Der 70-jährige Rentner nahm auf der Anklagebank Platz. Der 28-Jährige, das Opfer der Tat, kam in Handschellen mit zwei Pflegern an seiner Seite. Er lebt heute in Neustadt in der dortigen Psychiatrie. Bei Gericht ist der Mann im Gegensatz zum Rentner kein unbeschriebenes Blatt. 2008 hatte Strafrichterin Halina Lindemann den jungen Burger wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen, versuchter schwerer Brandstiftung, sowie vier Diebstählen, zwei davon begangen in Tateinheit mit Verletzung des Briefgeheimnisses befragt. Offenbar wird der 28-Jährige noch heute als gefährlich eingestuft, denn die Handschellen blieben während seiner Zeugeneinvernahme dran.

Der Rentner berichtete, das er er sich am Tattag über jemanden geärgert habe, daraufhin seine Herzmedikamente mit zwölf bis 13 Bier zuhause runtergespült hatte. Später sei er dann ins Lokal gegangen, habe dort am Tresen weitergetrunken, zusammen mit dem 28-Jährigen sowie einem 23-jährigen Burger. Wechselseitig habe man sich Getränke ausgegeben und geklönt. An den Vorfall, der ihn vor Gericht brachte, hat der Rentner keine Erinnerung mehr. Seine Erinnerung setzt erst im Krankenhaus wieder ein, wo er vier Tage bleiben musste, weil an einem Finger eine Sehne durchtrennt war.

Auch von dem Opfer kam wenig Erhellendes. ,,Ich saß am Tresen. Da hat der Angeklagte immer was mit mir gesabbelt. Irgendwann hat er mir ein Bierglas über den Kopf gehauen“, berichtet er und sagt: ,,Er war es. Ich weiß das.“

Der 23-Jährige erzählt, wie plötzlich die Stimmung kippte, der Rentner mit dem Glas gegen den Hals des neben ihm sitzenden Opfers schlug, wobei das Glas zerbrach. Mit dem Stil stach er dem 28-Jährigen dann noch in den Oberschenkel. Er sei dazwischen gegangen, habe den eher schmächtigen Rentner zu Boden gedrückt. Doch als er ihn los ließ, wollte der sich gleich wieder auf sein Opfer stürzen. Dabei verletzte er sich schwer am Finger. Bei dem 28-Jährigen reichten zwei Pflaster.

Der Einsatz des Glases als lebensbedrohlicher Waffe führt zum Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung, Mindeststrafe sechs Monate. Angesichts der großen Trinkmenge, die der Rentner angab, ging Richter Zander von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit aus. Das bricht den Strafrahmen nach unten auf und eröffnete Zander die Möglichkeit die Sache kurzerhand gegen 600 Euro Schmerzensgeld einzustellen. Der Rentner erklärte sich einverstanden und verabschiedete sich mit einem freundlichen ,,Danke, tschüß“, von Richter Zander.

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erstellt am 17.Okt.2013 | 00:34 Uhr

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