VOR GERICHT : Aus Ärger ehemaligen Chef beklaut

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Diesel abgezapft – 4500 Euro Strafe für einen 53-Jährigen.

shz.de von
05. Juni 2014, 12:00 Uhr

Streit mit seinem Arbeitgeber brachten einen Brokdorfer jetzt vor Gericht. Schwerer Diebstahl lautete der Tatvorwurf, den der 53-Jährige unumwunden einräumte.

Hintergrund für den Zwist: Sein damaliger Arbeitgeber hielt dem Brokdorfer immer wieder vor, dass er in jungen Jahren mal eingesessen hatte. Bei der Abrechnung habe der Mann ihn zudem betrogen. ,,Jeden Monat fehlten mir 30 Stunden.“ Als er dann auch noch krank wurde, ,,hatte ich 24 Stunden später die Kündigung auf dem Tisch.“ So schilderte der Brokdorfer gestern gegenüber Strafrichterin Parzych und Staatsanwältin Klapetke seine Gründe für die Tat, die ihn nach drei Jahrzehnten wieder in Kontakt mit der Strafjustiz brachte.

Schwerer Diebstahl, eine Tat, die er zugab. Viel anderes blieb ihm kaum übrig, denn er wurde beobachtet, wie er am ersten Weihnachtstag 2013 auf das verschlossene Betriebsgelände seines damaligen Arbeitgebers in Kollmar eindrang und dort den Dieseltank knackte. Sieben Kanister füllte er und verstaute sie in seinem Pkw, dann entdeckte er den Beobachter und floh.

Hätte der gestern nun vor dem Itzehoer Amtsgericht stehende Brokdorfer sein Vorleben nicht erwähnt, Richterin und Staatsanwältin hätten davon nie erfahren, denn der Bundeszentralregisterauszug des Brokdorfers ist ohne jeden Eintrag.

Da der Angeklagte den Tatvorwurf voll umfänglich gestand, bedurfte es keiner Zeugen. Staatsanwältin Klapetke beantragte die Mindeststrafe für schweren Diebstahl, nämlich 90 Tagessätze Geldstrafe. Was die Sache teuer gestaltete, war das Einkommen des Angeklagten. Das liegt bei 1500 Euro netto, woraus sich geteilt durch 30 Monatstage ein Tagessatz von 50 Euro ergab. Da sind seine Kinder schon ausgezogen sind, gab es nichts anzurechnen. Somit verhängte Richterin Parzych am Ende 4 500 Euro Geldstrafe gegen den Brokdorfer. Sie erkannte den sympathisch wirkenden Mann schuldig des schweren Diebstahls.


Geringeres Strafmaß nicht möglich


,,Ich hoffe, dass sie ein gerechtes Urteil finden“, hatte der 53-Jährige zuvor in seinem Schlusswort an die Richterin appelliert, zugleich die von Klapetke beantragten 4500 Euro bei seinem Einkommen für zu hoch moniert.

Die Richterin erklärte ihm die Gesetzeslage und schloss mit dem Satz ,,Weniger war nicht möglich“, die Verhandlung. Immerhin gewährte sie ihm Ratenzahlung.

Dem Brokdorfer bleiben die Rechtsmittel der Berufung oder wahlweise der Revision. Die Berufung kann er auch auf das Strafmaß beschränken. Wer weiß, ob man beim Landgericht nicht doch günstiger rechnet als beim Amtsgericht.

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